Gestrandeter Buckelwal hat Verletzungen: Schiffsschraube die Ursache?

Niendorf/Wismar/Poel - Anderthalb Wochen versuchten Rettungskräfte einen gestrandeten und zwischendurch wieder befreiten Buckelwal in der Ostsee zurück ins offene Meer zu führen. Nun scheint klar: Seine Situation ist aussichtslos! TAG24 berichtet im Liveticker.

Der Buckelwal befindet sich nach wie vor vor der Insel Poel, wo er wohl seine letzten Lebenstage verbringen wird.
Der Buckelwal befindet sich nach wie vor vor der Insel Poel, wo er wohl seine letzten Lebenstage verbringen wird.  © Daniel Müller/Greenpeace Germany/dpa

Nachdem der Buckelwal am Montag, dem 23. März, auf einer Sandbank vor Niendorf (Schleswig-Holstein) gestrandet war, scheiterten mehrere Rettungsversuche.

Als sich der Ozeanriese befreite, strandete er später mehrfach vor Wismar (Mecklenburg-Vorpommern).

Nachdem das Tier daraufhin in verschiedene Richtungen geschwommen war, strandete der Wal am Dienstag kurz vor der Insel Poel. Erneut versuchten Boote, ihn zum Schwimmen zu animieren - ohne Erfolg.

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Ostsee Experte nach Strandung eines Buckelwals sicher: "Dieses Tier wird sterben"

Mittlerweile sind sich die Experten einig: Der Wal wird nicht überleben! Laut Umweltminister Till Backhaus verschlechtert sich sein Zustand zunehmend.

4. April, 15.30 Uhr: Buckelwal durch Schiffsschraube verletzt?

Gegen 15.30 Uhr hat sich Umweltminister Backhaus noch einmal vor Ort zum Zustand des Wals geäußert. Das Tier sei weiterhin am Leben, die Aktivitäten würden jedoch weniger.

Eine weitere Begutachtung habe ergeben, dass der Wal verschiedene Verletzungen habe - womöglich verursacht durch eine Schiffsschraube, wie der Politiker gegenüber NEWS5 erklärte. Es solle nun noch einmal ein tierärztliches Gutachten erstellt werden.

Mittlerweile sei der Wal durch sein Eigengewicht etwa 50 Zentimeter in den Boden eingesackt. "Wir begleiten ihn bis zum Schluss und hoffen immer noch auf ein Wunder", betonte Backhaus.

Immerhin: An den Stellen, an denen das Tier durch die Sprinkleranlage mit Wasser benetzt werde, sei die Temperatur deutlich geringer. Dies habe eine Wärmebildkamera gezeigt.

4. April, 13.50 Uhr: Neues Spezialisten-Team soll zusammengestellt werden

Die Sprinkleranlage der Feuerwehr ist nun umgesetzt worden, da sich die Windverhältnisse geändert haben. Die Situation schaute sich Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) vor Ort an.

"Er atmet alle vier bis fünf Minuten. Das ist ein Signal dafür, dass er relativ ruhig und gelassen ist", erklärt der Politiker im Gespräch mit NEWS5. So würde er unter Stress, beispielsweise wenn sich Boote mit lauten Geräuschen nähern, schneller atmen.

Den Wal weiter mit Wasser durch die Sprinkleranlage zu benetzen halte der Politiker aufgrund der Sonneneinstrahlung weiterhin für sinnvoll. Jetzt solle nochmal geprüft werden, ob die Befeuchtung dem Tier tatsächlich guttue. Außerdem werde geprüft, ob eine Drohne mit Wärmebild eingesetzt werden soll, um die Temperatur des Wals zu messen.

"Wir werden jetzt nochmal ein Team zusammenstellen aus Veterinären, Meeresbiologen und Walspezialisten, die uns den Zustand des Tieres bewerten", erklärt der Politiker das weitere Vorhaben. "Was dieser Wal hier in der Ostsee durchgemacht hat, ist eine reine Qual", nimmt Backhaus Bezug auf die Auswirkungen der mehrfachen Strandungen. "Deshalb müssen wir immer noch mit dem Schlimmsten rechnen." Wiederholt stellt er jedoch klar: "Wir lassen diesen Wal nicht im Stich."

4. April, 13 Uhr: Umweltminister soll auch am Samstag vor Ort sein

Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) hat bereits am Freitag auf einer Demo in Wismar über das Schicksal des Wals gesprochen. So betonte der Politiker unter anderem, dass die Rettung des Tiers praktisch nicht mehr zu realisieren wäre. Offenbar plane Backhaus nun auch am Samstag zu erscheinen, um sich nach den Maßnahmen und den Umständen vor Ort zu erkundigen.

Erneut wies der 67-Jährige am Morgen Kritik am Umgang mit dem Wal zurück. "Wir kümmern uns – bis zur letzten Minute." Die Walwache sei unter anderem durch die Polizei sichergestellt. "Die Situation ist für alle Beteiligten physisch und psychisch sehr belastend und das Engagement nicht selbstverständlich."

Weiterhin werden alle ernstzunehmenden Konzepte geprüft "und zwar aus technischer Sicht aber auch im Hinblick auf den Tierschutz", so Backhaus. Er ist der Meinung, dass sich Fachleute nach den Ostertagen nochmal ein Bild des Gesundheitszustand des Tiers machen sollen.

Zudem sollen in nächster Zeit die Sprinkleranlage der Feuerwehr wegen veränderter Windverhältnisse umgesetzt werden, sodass der Buckelwal bestmöglich weiterhin mit Wasser benetzt werden kann. Aktuell atmet der Wal alle vier bis fünf Minuten und gibt auch Laute von sich.

4. April, 12.28 Uhr: Greenpeace nicht mehr an Einsatzmaßnahmen beteiligt

Obwohl der Buckelwal noch immer unverändert im Wasser liegt, ist Greenpeace aktuell nicht mehr an den Einsatzmaßnahmen beteiligt, teilte die Organisation am Samstag mit.

Dennoch ist ein Greenpeace-Boot weiterhin vor Ort und jederzeit bereit zum Einsatz, sofern im Sinne des Tierwohls geholfen werden kann.

Die Zahl der Schaulustigen hält sich im Vergleich zu den letzten Tagen am heutigen Ostersamstag in Grenzen.

4. April, 10.43 Uhr: Feuerwehr benetzt Wal weiterhin mit Wasser

Ähnlich wie am Karfreitag soll es auch am Samstag wieder eine Demo geben. Nach Informationen von NEWS5 soll um 16 Uhr am Marktplatz in Wismar eine Kundgebung stattfinden.

Aktuell beschützt die Polizei den Wal von der Wasserseite aus. Die Feuerwehr ist auf der Landseite vor Ort und benetzt das Tier wie am Tag zuvor in unregelmäßigen Abständen mit Wasser, berichtet ein Reporter vor Ort. Diese Maßnahme soll das Leid des Buckelwals minimieren. Auch eine Walwacht wurde eingerichtet, die sich in 12-Stunden-Schichten abwechselt und den Wal über ein Fernglas beobachtet.

Die Feuerwehr ist auch am Samstag wieder vor Ort, unter anderem um den Wal mit Wasser zu benetzen.
Die Feuerwehr ist auch am Samstag wieder vor Ort, unter anderem um den Wal mit Wasser zu benetzen.  © NEWS5 / Stephan Fricke

4. April, 8.27 Uhr: Zustand des Tieres unverändert

Ein Sprecher des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern teilte ebenfalls mit, dass der Buckelwal noch lebt und sich dessen Zustand nicht verändert hat.

Es hat in der Nacht "keine besonderen Vorkommnisse" gegeben. Der geschwächte Wal liegt weiterhin vor der Insel Poel im flachen Wasser. Aktuellen Erkenntnissen zufolge atmet er noch.

4. April, 7.36 Uhr: Der Buckelwal hat die Nacht überstanden

Auch am Ostersamstag befindet sich der Buckelwal weiterhin auf einer Sandbank vor der Insel Poel. Die Nacht von Freitag auf Samstag hat das Tier damit überstanden.

"Alles ist unverändert", bestätigte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei am Morgen auf Nachfrage von TAG24.

3. April, 19.36 Uhr: Umweltminister will "das Tier in Würde gehen lassen"

Umweltminister Backhaus betonte in einer Mitteilung am Freitag noch mal, dass die Rettung des Wals praktisch nicht mehr zu realisieren sei, auch wenn verschiedene Optionen immer noch diskutiert würden.

"Solche Aktionen würden dem sterbenden Tier nur unnötig weiteres Leid bescheren. Wir müssen das Tier in Würde gehen lassen. So schwer uns das auch fällt - gerade an Tagen wie diesen", erklärte der Politiker.

Selbst nach seinem Tod sei die Bergung des Tieres eine "technische Herausforderung", weil die Wassertiefe in der Bucht mit maximal 1,10 Meter sehr gering sei, unterstrich der Minister zudem.

Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) hat auf eine Demo in Wismar über das schwere Schicksal des Wals gesprochen.
Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) hat auf eine Demo in Wismar über das schwere Schicksal des Wals gesprochen.  © Marcus Golejewski/dpa

3. April, 16.20 Uhr: Umweltminister spricht mit Demonstranten über Wal

Derzeit läuft eine Demo für den Wal auf dem Rathausplatz in Wismar. Auch Umweltminister Backhaus ist vor Ort und sucht mit den Demonstranten das Gespräch.

Dabei wiederholt der Politiker noch einmal: "Die Chancen, dass er das überlebt, sind ziemlich gering." Der Wal sei "sehr krank", das hätten Aufnahmen unter Wasser am gestrigen Donnerstag noch einmal gezeigt.

Dennoch würden derzeit Konzepte geprüft, wie man ihm vielleicht doch noch helfen könne. Backhaus spricht dabei auch über die Idee, einen speziellen Kran einzusetzen, der 120 Tonnen heben könne.

3. April, 14.26 Uhr: Till Backhaus mit Robert Marc Lehmann in Kontakt

Gibt es etwa doch noch Hoffnung für den Wal? Umweltminister Till Backhaus hatte am Freitag laut eigener Aussage bereits mehrfach Kontakt zu Meeresbiologe und YouTuber Robert Marc Lehmann.

Der Tierschützer habe wiederholt die Notwendigkeit betont, dem Wal das Maul zu öffnen und das Geisternetz herauszuholen, welches sich dort vermutlich noch befinde, erklärte der Politiker.

Offenbar habe Lehmann auch ein mögliches Vorgehen dargestellt, das nun diskutiert werden müsse. "Das müssen wir jetzt noch mal intern bereden", verdeutlichte Backhaus vor Ort gegenüber NEWS5.

Auf Instagram hatte Lehmann vor einigen Tagen die Idee vorgestellt, das Maul des Wals mit einem Hartgummi-Rohr zu blockieren und das Netz mit einem stumpfen Bootshaken oder etwas ähnlichem herauszuziehen.

Der YouTuber hatte bei seinem Tauchgang in der vergangenen Woche bereits versucht, das Netz zu entfernen, war jedoch gescheitert.

3. April, 13.20 Uhr: Till Backhaus mit klarer Ansage

Um dem Wal die Situation angenehmer zu machen, hat die Feuerwehr am Karfreitag damit begonnen, den Rücken des Meeressäugers mit Wasser zu benetzen. "Der Vorgang soll alle zwei bis drei Stunden wiederholt werden", sagte Till Backhaus.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister stellte zudem klar: "Wir werden das Tier weiter begleiten – bis zum Schluss."

Titelfoto: Daniel Müller/Greenpeace Germany/dpa

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