Sterbender Buckelwal in der Ostsee: Eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit?

Niendorf/Wismar/Poel - Anderthalb Wochen versuchten Rettungskräfte einen gestrandeten und zwischendurch wieder befreiten Buckelwal in der Ostsee zurück ins offene Meer zu führen. Nun scheint klar: Seine Situation ist aussichtslos – oder doch nicht? Am Ostersonntag kam erneut die Idee eines Rettungsversuchs auf. TAG24 berichtet im Liveticker.

Der Buckelwal befindet sich nach wie vor vor der Insel Poel, wo er wohl seine letzten Lebenstage verbringen wird.
Der Buckelwal befindet sich nach wie vor vor der Insel Poel, wo er wohl seine letzten Lebenstage verbringen wird.  © Florian Manz/Greenpeace Germany/dpa

Nachdem der Buckelwal am Montag, dem 23. März, auf einer Sandbank vor Niendorf (Schleswig-Holstein) gestrandet war, scheiterten mehrere Rettungsversuche. Als sich der Ozeanriese doch noch befreien konnte, strandete er wenig später mehrfach vor Wismar (Mecklenburg-Vorpommern).

Nachdem das Tier daraufhin in verschiedene Richtungen geschwommen war, strandete der Wal am Dienstag kurz vor der Insel Poel.

Erneut versuchten mehrere Boote, ihn zum Schwimmen zu animieren - ohne Erfolg.

Experte nach Strandung eines Buckelwals sicher: "Dieses Tier wird sterben"
Ostsee Experte nach Strandung eines Buckelwals sicher: "Dieses Tier wird sterben"

Mittlerweile sind sich die Experten einig: Der Wal wird nicht überleben! Laut Umweltminister Till Backhaus verschlechtert sich sein Zustand.

Dennoch erklärte der SPD-Politiker am Ostersonntag, dass aktuell eine weitere Rettungsoption geprüft werde. Dafür soll am Dienstag ein gesundheitliches Gutachten erstellt werden, ob für den Wal überhaupt eine Überlebenschance bestehe.

6. April, 17.10 Uhr: Finale Entscheidung steht bevor

Wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) am Montag gegenüber News5 bestätigte, werde am Dienstag final über das weitere Vorgehen entschieden.

Am Dienstag soll ein Gutachten von Veterinärmedizinern und Meeresbiologen vorliegen. Sollte das Gutachten darauf hindeuten, dass eine Lebendbergung möglich ist, stünde dem "rein theoretisch" nichts im Wege, so Backhaus.

Es müsse aber geprüft werden, ob das System nutzbar sei, um diesen "schwerstkranken Patienten" tatsächlich zu transportieren. "Tierwohl und Tierschutz spielen hier auch eine entscheidende Rolle", so der Umweltminister.

6. April, 12.50 Uhr: Warum wurde nicht früher über eine Rettung mit einem Katamaran nachgedacht?

Backhaus verteidigte am Ostermontag auch nochmal das Vorgehen der Experten und äußerte sich zu der Kritik, warum man nicht früher über den Rettungsversuch mit dem Katamaran oder anderen "schweren Bergungsgeräten" nachgedacht habe.

"Fakt ist, anders als bei der Strandung vor Niendorf, wurde in der Wismarbucht keine schweres Bergegerät benötigt. Der Wal hatte sich so positioniert, dass er sich nach Einschätzung der Fachleute nach einer Ruhephase und steigendem Wasserstand selbst würde befreien können", so der Minister.

Eine Einschätzung, die sich bestätigt habe. Erst mit der Strandung im Kirchsee habe sich die Lage "extrem zugespitzt", eine Selbstbefreiung sei dort ausgeschlossen gewesen, weshalb nun eine Bergung geplant werde.

Eine Lebendrettung mit einem solchen Bergungsgerät wird aktuell aber ausgeschlossen: "Derzeit gibt es keinen Wissenschaftler oder Veterinär, der uns zu solch einem Vorgehen rät, da das Tier beim Versuch, es lebend zu retten, schweren Qualen ausgesetzt würde. Dass es solch einen Versuch überleben würde, ist nach Ansicht aller Experten, die wir dazu befragt haben, unwahrscheinlich."

Gleichzeitig betonen die Verantwortlichen, dass weiterhin alles getan werde, um dem Wal zu helfen, und eine aktuelle veterinärmedizinische Einschätzung erwartet wird. Das Tierwohl habe oberste Priorität.

"Wir geben den Wal nicht auf – bis zum letzten Atemzug. Das habe ich versprochen und dazu stehe ich auch", betonte Backhaus erneut.

Der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), wird auch am Ostermontag auf die Insel Poel reisen, um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen.
Der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), wird auch am Ostermontag auf die Insel Poel reisen, um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen.  © Marcus Golejewski/dpa

6. April, 12.30 Uhr: Geht von dem Wal eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit aus?

Auch Umweltminister Dr. Till Backhaus erklärte gegen Mittag, dass die Lage "unverändert" sei. Das Tier atme noch, aber es ginge ihm sehr schlecht.

Nachdem gestern Wasserproben genommen wurden, um den Salzgehalt zu messen, soll nun die Wasserqualität untersucht werden. "Es soll damit geprüft werden, ob von dem sterbenden Tier Gefahren für die Umwelt oder die öffentliche Gesundheit ausgeht. Ich werde mir am Nachmittag erneut vor Ort ein Bild der Lage machen", so der Minister weiter.

6. April, 7.24 Uhr: Der Wal lebt noch

Auch in der sechsten Nacht in Folge vor der Insel Poel hat der Wal überlebt. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei am Montagmorgen bewegt sich das Tier derzeit nicht, gibt jedoch weiterhin Laute von sich.

Wie das Umweltministerium mitteilte, atmet der Wal noch immer regelmäßig alle zwei bis vier Minuten.

Der Wal liegt auch am Ostermontag weiter vor der Insel Poel.
Der Wal liegt auch am Ostermontag weiter vor der Insel Poel.  © Bodo Marks/dpa

5. April, 16.10 Uhr: Wird der Wal doch noch gerettet?

Gibt es doch noch ein Wunder? Wie Umweltminister Till Backhaus am Sonntagnachmittag erklärte, werde derzeit die Option geprüft, den Wal mit einem Katamaran in die Nordsee zu bringen. "Der ist verfügbar und in Dänemark, da wird verhandelt", sagte er.

Bei der möglichen Rettungsaktion sollen Gurte unter dem Wal durchgespült und das Tier dann aufgenommen werden. Zunächst soll am Dienstag aber gesundheitliches Gutachten erstellt werden, ob überhaupt eine Überlebenschance bestehe.

"Dem Tier darf nichts passieren", machte Backhaus deutlich. "Und er muss die Chance zum Überleben haben." Der Politiker betonte erneut, dass es dem Wal "wirklich ganz schlecht" gehe.

5. April, 14.07 Uhr: Umweltminister Till Backhaus hat wieder ein wenig Hoffnung

Der Wasserspiegel ist in der Bucht vor der Insel Poel leicht angestiegen. Auf Videoaufnahmen sind vermeintliche Bewegungen des Buckelwals zu sehen.

Auf die Frage eines NEWS5-Reporters vor Ort, ob diese Bewegungen eine Bedeutung für den Zustand des Tieres haben, antwortete der Minister: "Seine Bewegungen zeigen, dass der Wal lebt. Wenn das Wasser weiter steigt, es ein Wunder gibt, was den Wal betrifft, wäre das ein Riesenglück."

Er verglich dieses "mögliche Wunder" zu Ostern mit der Auferstehung.

5. April, 13.55 Uhr: Umweltminister Till Backhaus ist auch am Ostersonntag vor Ort

"Wir werden eine Probe im direkten Umfeld des Wals entnehmen und dies mit den Wissenschaftlern noch einmal auswerten", sagte der Umweltminister Till Backhaus.

Am Dienstag möchte der Minister ein Guthaben vorliegen haben von verschiedenen international anerkannten Experten zum Gesamtzustand des Tieres. Die Gruppe aus Experten soll auch selbst vor Ort sein und den Wal begutachten. Anschließend würden daraufhin dann weitere Entscheidungen getroffen werden.

Am aktuellen Gesundheitszustand des Wales habe sich jedoch nichts Wesentliches verändert. "Was man sagen kann, er atmet in Abständen zwischen zwei und fünf Minuten", so Backhaus.

Der Umweltminister geht davon aus, dass das sowohl an äußeren Einflüssen wie dem Schiffsverkehr oder auch an seinen Schmerzen liegen könnte.

"Wir suchen den ganzen Tag nach Lösungen, wie wir dem Tier helfen können, deswegen glaube ich ganz fest daran, dass wir das mit bestem Wissen und einem reinen Gewissen tun", erklärte der Umweltminister.

5. April, 11.56 Uhr: Expertenteam soll Wasserproben entnehmen

Obwohl sich der Zustand des Buckelwals laut einem Sprecher des Umweltministeriums in Vergleich zu den letzten Tagen nicht verändert hat, sei nach Informationen von NEWS5 ein Expertenteam auf dem Weg zu der Insel Poel.

Diese sollen vor Ort möglichst nah am Tier Wasserproben entnehmen, um den Salzgehalt in der direkten Umgebung des Wals zu messen. Aufgrund dieser Erkenntnisse soll dann ein neues Gutachten erstellt werden.

Ob durch diese Informationen eine weitere Rettungsaktion im Raum steht, ist derzeit noch völlig unklar.

Auch Umweltminister Backhaus soll sich noch heute selbst ein Bild von der Situation vor Ort machen.

5. April, 9.07 Uhr: Lage des Tiers unverändert

Der Buckelwal atmet am Morgen des Ostersonntags noch. Wie die vergangenen Tage sei die Situation des Tieres vor der Insel Poel unverändert, erklärte ein Sprecher des Umweltministeriums.

Demnach laufe die Betreuung des rund zwölf Meter langen Ozeanriesen weiter wie geplant. Der Wal wird rund um die Uhr beobachtet und regelmäßig durch Feuerwehrleute mit Wasser benetzt.

"Die Positionierung der Wassersprenger muss aufgrund des Wetters gegebenenfalls angepasst werden", sagte der Sprecher. An der Ostseeküste rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Ostersonntag mit starken Windböen.

Nach Ostern soll der Wal erneut von Fachleuten begutachtet werden.

Feuerwehrleute sollen den Wal auch weiterhin regelmäßig mit Wasser benetzen.
Feuerwehrleute sollen den Wal auch weiterhin regelmäßig mit Wasser benetzen.  © Marcus Golejewski/dpa

5. April, 7.40 Uhr: Wal hat die Nacht überstanden

Am Ostersonntag liegt der Buckelwal noch immer auf einer Sandbank vor der Insel Poel. Die Nacht von Samstag auf Sonntag hat das Tier überstanden.

Zum Zustand des Buckelwals: "Alles ist unverändert", bestätigte die Wasserschutzpolizei am Morgen gegenüber TAG24. Besondere Vorkommnisse habe es über Nacht nicht gegeben.

Titelfoto: Bodo Marks/dpa

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