Toter "Timmy" liegt an Land: Untersuchungen sollen bald beginnen

Von Julia Wäschenbach, Svenja-Marie Kahl

Anholt - Lange passierte nichts, doch am Samstag wurde der vor der dänischen Insel Anholt liegende Kadaver des "Timmy" genannten Buckelwals an Land gezogen.

Am Samstagmorgen wurde der Kadavar des Wals an Land gezogen.  © NEWS5 / Tobias Grabow

Am Samstagmorgen hatten laut NEWS5 mehrere Arbeiter damit begonnen, den ungefähr 13 Tonnen schweren Wal-Kadaver mithilfe eines Unimogs und einem Seil zu ziehen. Inzwischen liegt das tote Tier an Land.

Die Untersuchung des Kadavers soll kommende Woche folgen. "Weil das Tier so lange in der Sonne gelegen hat, wird es stark stinken", sagte der Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen, der in Dänemark seit 25 Jahren Wal-Obduktionen begleitet.

"Das wird ziemlich überwältigend, wenn man es nicht gewohnt ist." Außerdem bestehe Ansteckungsgefahr, weshalb an solchen Aktionen möglichst wenige Menschen beteiligt seien.

Ostsee Ist es wirklich "Timmy"? Wal-Experte Ritter spricht Klartext

Seit mehr als zwei Wochen treibt der Kadaver vor der Urlaubsinsel im flachen Wasser. Einmal hatten die Dänen versucht, den von Fäulnisgasen aufgeblähten Wal in tieferes Gewässer zu ziehen, um ihn dann in einen Hafen zu bringen. Der Versuch scheiterte, nun soll das Tier direkt am Strand untersucht werden.

Es gehe vor allem darum, herauszufinden, woran es starb, sagte Madsen - "denn in der Diskussion ging es ja viel darum, ob der Wal gerettet werden konnte oder nicht".

Anzeige

Wal-Forscher: Rettungsversuch war "reine Tierquälerei"

Erste vorbereitende Maßnahmen zur Bergung des Tieres haben schon begonnen.  © Marcus Golejewski/dpa

Der Forscher nimmt derzeit an, dass das Tier von vornherein keine Chance hatte. "Das war ganz offensichtlich ein krankes, entkräftetes Tier, das nicht gerettet werden konnte, und man hätte es einfach in Frieden lassen sollen."

Stattdessen habe man ein Tier, das noch nie in Gefangenschaft gelebt habe, tagelang in einer Metallkiste eingesperrt über das Meer bugsiert.

"Es wurde von den Wellen hin und her geschmissen, dem Lärm der Motoren ausgesetzt, um dann einfach ins Meer gekippt zu werden - das muss höllisch stressig und beängstigend für das Tier gewesen sein."

Ostsee Transportversuch gescheitert: Buckelwal "Timmy" bleibt vorerst an Ort und Stelle

Die Aktion sei "reine Tierquälerei" gewesen.

Spurensuche am Wal: Starb er durch Fischernetze?

Die dänische Umweltschutzbehörde und das dänische Strandungsnetzwerk warnen auf einem Schild am Strand davor, sich dem toten Wal zu nähern.  © Marcus Golejewski/dpa

Die Umweltbehörde warnt Badegäste davor, sich dem verwesenden Wal zu nähern. Zu groß ist die Ansteckungsgefahr. Wenn die Arbeiten an dem Tier beginnen, soll der Strand abgesperrt werden. Tierärzte, Behördenvertreter und Experten werden zum Beispiel nach Resten von Fischernetzen und Plastik im Darm und in der Speiseröhre des Tiers suchen.

"Bei vier der letzten sechs gestrandeten Buckelwale in Dänemark haben Fischernetze nachweislich eine Rolle bei ihrem Tod gespielt", sagte Wal-Forscher Madsen. Bei den beiden anderen sei das zumindest eine Möglichkeit gewesen, man könne es nur nicht mit Sicherheit sagen.

"Wir sollten uns darüber freuen, dass wir wieder mehr Buckelwale in der Ostsee sehen", sagte der Experte von der Uni Aarhus.

"Aber anstatt so viele Ressourcen auf den Versuch zu verwenden, ein einzelnes Tier zu retten, sollten wir dafür sorgen, dass Tiere nicht in solche Situationen geraten."

Erstmeldung: um 8.14 Uhr, zuletzt aktualisiert: um 9.48 Uhr.

Mehr zum Thema Ostsee: