Von Celine Frohnapfel
Düsseldorf - Die Extremtemperaturen der vergangenen Wochen haben nach Einschätzungen verschiedener Experten zu mehr Todesfällen auch in Nordrhein-Westfalen geführt.
"Sowas habe ich noch nicht erlebt", sagt der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens.
Wie viele Menschen tatsächlich an den Folgen der Hitze sterben, lasse sich jedoch nur schwer feststellen. Auch Alexander Lechleuthner, ärztlicher Leiter des Kölner Rettungsdienstes, erklärt: "Dass die hohen Temperaturen Einfluss nehmen, ist unstrittig - aber in welchem Umfang ist oft unklar".
Gerade bei älteren oder bereits erkrankten Menschen sei ein direkter Zusammenhang häufig nicht eindeutig nachweisbar.
Mit Blick auf den Klimawandel warnt Janssens: "Wir haben mit hoher Sicherheit mehr hitzeassoziierte Todesfälle als Verkehrstote."
Kliniken und Rettungsdienste am Limit
Die Hitzewelle brachte Krankenhäuser und Rettungsdienste an ihre Grenzen. Notaufnahmen waren überfüllt, Personal stark belastet und Einsatzkräfte mussten unter anderem Bewohner aus überhitzten Seniorenheimen retten.
In Köln wurde sogar eine Messehalle als Notfallversorgungszentrum mit Kälteinsel eingerichtet, um die Kliniken zu entlasten.
Auch das NRW-Gesundheitsministerium berichtet von zusätzlichen Rettungswagen, mehr Personal und dem Einsatz von Kräften des Katastrophenschutzes in besonders betroffenen Regionen.
Europaweit sprach WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zuletzt von rund 1300 zusätzlichen Todesfällen seit dem 21. Juni, die mit der extremen Hitze in Verbindung stehen.