Flutkatastrophe in Deutschland: Mehr als 105 Tote, Merkel kündigt baldigen Besuch an

Koblenz/Düsseldorf - Mindestens 105 Menschen kamen bislang ums Leben, nachdem stundenlanger Starkregen aus kleinen Flüssen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz reißende Wassermassen gemacht hatte.

Die Mosel ist in der Ortschaft Zell über die Ufer getreten. Starkregen führte im Westen Deutschland zu extremen Überschwemmungen.
Die Mosel ist in der Ortschaft Zell über die Ufer getreten. Starkregen führte im Westen Deutschland zu extremen Überschwemmungen.  © ---/Nord-West-Media TV /dpa

Das NRW-Innenministerium sprach am späten Donnerstagabend von 30 Toten. In Rheinland-Pfalz waren es 28 Todesopfer. Die Zahlen stiegen am Freitag weiter.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (58, SPD) befürchtete am Abend im SWR-Fernsehen, dass auch die Zahl von Vermissten steigen könnte.

Im Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler werden rund 1300 Menschen vermisst, teilte die Kreisverwaltung am Abend mit. Eine Sprecherin erklärte, dass viele Menschen wegen des lahmgelegten Mobilfunknetzes nicht erreichbar sind.

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"Es muss jetzt darum gehen, den Menschen, die teilweise alles verloren haben, aber auch den betroffenen Kommunen, deren Infrastruktur zerstört ist, schnell und unbürokratisch zu helfen", sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

Man vertraue auf die bereits erklärten Zusagen des Bundes und der betroffenen Länder, um die immensen Zerstörungen zu beseitigen.

Auch die sichtlich betroffene Bundeskanzlerin, Angela Merkel (66, CDU), hatte den Betroffenen am Donnerstag Unterstützung zugesichert. Merkel, die von einer "Tragödie" sprach, habe mit Finanzminister Olaf Scholz (63, SPD) bereits über Hilfen gesprochen.

In den Hochwassergebieten gehen an diesem Freitag die Aufräum- und Bergungsarbeiten weiter.

+++ Was bislang nach den schweren Unwettern in den betroffenen Katastrophengebieten passierte, lest Ihr bei TAG24: "Dramatische Zustände nach Dauerregen: Zehntausende sollen Wohnungen verlassen". +++

Update, 16. Juli, 20.51 Uhr: Kanzlerin Merkel informiert sich per Videoschalte über Lage in NRW

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Freitagabend in einer Videokonferenz von der Koordinierungsgruppe des nordrhein-westfälischen Innenministeriums über die aktuelle Lage im Katastrophengebiet informieren lassen.

Laut Mitteilung einer Sprecherin der Bundesregierung waren auch Ministerpräsident Armin Laschet und Innenminister Herbert Reul (beide CDU) beim Gespräch mit der Kanzlerin dabei. Merkel sicherte dabei kurz- und langfristige Unterstützung durch den Bund für die betroffenen Menschen in den Hochwassergebieten zu.

Update, 16. Juli, 18.49 Uhr: FC Bayern, 1. FC Köln und Telekom spenden 100.000 Euro für Flutopfer

Der deutsche Fußball-Rekordmeister FC Bayern München, der 1. FC Köln und die Deutsche Telekom spenden gemeinsam 100.000 Euro für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in Deutschland.

Die Summe wird unter den Partnern gedrittelt, der Spendenscheck für die Aktion Lichtblick e.V. soll vor dem Testspiel der Bayern mit ihrem neuen Trainer Julian Nagelsmann gegen Köln an diesem Samstag (16 Uhr/MagentaTV) in Villingen übergeben werden.

"Unsere Gedanken sind bei den betroffenen Menschen und ihren Familien. Wir wollen gemeinsam mit unseren Partnern sofort und unbürokratisch dazu beitragen, die schlimmste Not zu lindern", sagte Klaus Werner, Geschäftsführer Finanzen der Telekom Deutschland, am Freitag.

Update, 16. Juli, 18.12 Uhr: Baerbock zu Gesprächen ins Hochwassergebiet gereist

Nach dem Abbruch ihres Urlaubs wegen der schweren Unwetter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ins Krisengebiet gereist.

Wie eine Sprecherin am Freitagabend mitteilte, will sich Baerbock vor Ort über die Lage der Menschen im Krisengebiet informieren. Dabei verzichte sie bewusst auf Pressebegleitung oder öffentliche Auftritte, erklärte die Sprecherin. Aus Parteikreisen hieß es, die Lage im Katastrophengebiet sei zu ernst, um sie für Wahlkampfauftritte zu nutzen. Zunächst hatte der «Spiegel» über die Reise der Grünen-Chefin berichtet.

Update, 16. Juli, 17.50 Uhr: Kreis nimmt Angaben zu Todesopfer in Erftstadt zurück

Die Verwaltung des Rhein-Erft-Kreises hat Angaben zu bislang einem bekannten Todesopfer im besonders betroffenen Erftstadt zurückgenommen.

Der vermeldete Todesfall sei wohl fälschlicherweise mit dem Hochwasser in Verbindung gebracht worden, wie ein Sprecher des Kreises am Freitag sagte.

Update, 16. Juli, 17.15 Uhr: Hilfe für Tierhalter auf Facebook

Auf Facebook wurde eine Seite für Hochwasser betroffene Tierhalter eingerichtet.

Auf dieser können sich Betroffene austauschen und gegenseitig helfen. Die Gruppe hat bereits fast 12.000 Mitglieder.

Auf Facebook wurde eine Seite für Hochwasser betroffene Tierhalter eingerichtet.
Auf Facebook wurde eine Seite für Hochwasser betroffene Tierhalter eingerichtet.  © Screenshot/Facebook

Update, 16. Juli, 17 Uhr: Merkel erwägt baldigen Besuch in Katastrophengebiet

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwägt einen baldigen Besuch im Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz.

Wie der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, am Freitag nach der Teilnahme Merkels an einer Videokonferenz des Landeskrisenstabs Rheinland-Pfalz mitteilte, ist die Bundeskanzlerin mit der Landesregierung über einen baldigen Besuch im Katastrophengebiet im Gespräch.

Update, 16. Juli, 16.22 Uhr: Bonner Bürger bieten Hochwasser-Opfern Unterkünfte an

Nach einem Aufruf der Stadt Bonn, Menschen aus Hochwassergebieten eine Unterkunft anzubieten, sind bei der Verwaltung Hilfsangebote für mehr als 1000 Betroffene eingegangen.

Viele Privatpersonen wollten bis zu drei Menschen aufnehmen, und Hotels stellten bis zu 50 Doppelzimmer zur Verfügung, teilte die Stadt am Freitag mit. "Wir sind überwältigt von der Vielfalt und der Fülle der Angebote. Weitere brauchen wir im Moment nicht mehr", erklärte Oberbürgermeisterin Katja Dörner.

Ab jetzt sollten die Telefonleitungen für Hilfesuchende frei gehalten werden. Zudem suche ein Mitarbeiter der Stadt vier große Sammelunterkünfte auf, um die Menschen dort über das Angebot zu informieren. Angesprochen seien Hochwasser-Geschädigte aus Bonns stark betroffenen Nachbarkreisen Ahrweiler, Euskirchen und Rhein-Sieg.

Auch die Stadt Königswinter rief ihre Bürger am Freitag auf, Hochwasser-Opfern für eine Übergangszeit kostenlos Wohnraum zur Verfügung zu stellen. "Das kann ein Zimmer in einer WG, ein ungenutztes Gästezimmer, eine Etagen- oder Kellerwohnung, oder ein derzeit leerstehendes Ferienhaus sein", hieß es in einer Mitteilung.

Update, 16. Juli, 16.16 Uhr: Eine tote Person im Rhein-Erft-Kreis bestätigt - weitere befürchtet

Der Verwaltung des vom Hochwasser stark betroffenen Rhein-Erft-Kreises ist bislang ein Todesopfer bekannt.

Dies sei von der Stadt Erftstadt gemeldet worden, berichtete eine Sprecherin am Freitag. Es sei aber zu befürchten, dass es noch weitere Opfer gebe. So sei unklar, ob es alle Autofahrer noch rechtzeitig aus ihren Wagen schafften, als sie auf der B265 von Wassermassen überrascht wurden.

Update, 16. Juli, 15.54 Uhr: Spendenkonto für Rheinland-Pfalz eingerichtet

Angesichts enormer Hochwasserschäden hat die Landesregierung in Rheinland-Pfalz ein Spendenkonto für Betroffene eingerichtet.

"Aktuell erreichen uns zahlreiche Anfragen, wie die von der Unwetter-Katastrophe in Rheinland-Pfalz betroffenen Menschen unterstützt werden können. Das zeigt, dass die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung wirklich groß ist", teilten Landesinnenmister Roger Lewentz und Landesfinanzministerin Doris Ahnen (beide SPD) am Freitag mit.

Das Konto ausschließlich für die in Rheinland-Pfalz Betroffenen wurde vom Landesinnenministerium bei der Sparkasse Mainz eingerichtet. Gespendet werden kann unter dem Kennwort "Katastrophenhilfe Hochwasser".

Update, 16. Juli, 15.48 Uhr: Zwei Festnahmen wegen Einbruch im Katastrophengebiet

Im Unwetterkatastrophengebiet im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz sind am Donnerstag zwei Menschen wegen des Verdachts des Einbruchdiebstahls festgenommen worden.

Die Beschuldigten seien dem Haftrichter vorgeführt worden, aber kein Haftbefehl erlassen worden, weil ein dringender Tatverdacht fehlte, teilte die Staatsanwaltschaft in Koblenz am Freitag mit. Die Ermittlungen dauerten an. Darüber hinaus hätten einige die Lage für Diebstähle ausgenutzt, hieß es bei der Polizei. Zahlen dazu waren zunächst nicht bekannt.

Titelfoto: Susan Walsh/AP/dpa

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