Pflegenotstand in Sachsen! Der unwürdige Tod von Opa Peter

Sachsen - Zu viele Kranke, zu wenig Betreuungsplätze - Pflegenotstand in Sachsen! Die Folge sind oft schwierige Pflege-Bedingungen, worunter Betroffene und Angehörige leiden. Das zeigt auch der traurige Tod von Peter Thomas (†76).

Madeleine Petereit (48) pflegte Johanna (74) und Peter Thomas (76), der vergangenen Sonnabend starb.
Madeleine Petereit (48) pflegte Johanna (74) und Peter Thomas (76), der vergangenen Sonnabend starb.  © Eric Münch

56 Jahre war Peter mit seiner Johanna (74) durch dick und dünn gegangen. Sie hatten 1963 in Neustadt/Sachsen geheiratet, wo das Paar lange wohnte. Er arbeitete als Kesselwärter, sie fertigte Kunstblumen. Das Paar bekam eine Tochter, freute sich über mehrere Enkel.

Nachdem Johanna einen Schlaganfall erlitten hatte, pflegte sie Opa Peter selbst. Doch beide litten an Demenz, Peter erkrankte an Krebs. Seit zwei Jahren pflegte das Paar darum Madeleine Petereit (48), eine gute Bekannte der Familie. Sie wohnt in Stolpen nur eine Straße vom Paar entfernt.

Nachdem es dem Senior in den letzten Wochen zusehends schlechter ging, ihn Schmerzen plagten und er wiederholt stürzte, wurde er in die Asklepios Klinik in Sebnitz eingeliefert.

"Seine Zeit lief ab. Ich wollte ihm ein würdevolles Sterben an der Seite seiner Frau ermöglichen, darum für beide einen gemeinsamen Pflegeheimplatz bekommen. Johanna konnte nicht ohne ihren Peter auskommen", erklärt Pflegerin Petereit.

Diese Einschätzung teilt auch ein später hinzugezogener Pflegedienst. Um den beiden ein Miteinander zu ermöglichen, nahm die Klinik auch die Frau auf.

56 Jahre Ehe: Tochter Solveig Holz (50) aus Arnsdorf mit dem Hochzeitsfoto ihrer Eltern.
56 Jahre Ehe: Tochter Solveig Holz (50) aus Arnsdorf mit dem Hochzeitsfoto ihrer Eltern.  © Eric Münch

Doch ein gemeinsamer Pflegeplatz ließ sich in der Region nicht finden - trotz aller Bemühungen der Klinik und Angehörigen. "Beide gemeinsam sofort unterzubringen, war leider nicht möglich", so Chefärztin Marina Grünberger-Richter.

Getrennte Pflege-Plätze lehnte Petereit ab. "Mit ein bisschen gutem Willen hätte die Klinik sie auf der Palliativstation untergebracht, bis Opa die Augen zumacht", bedauert Petereit. Doch laut Klinik sei zu diesem Zeitpunkt ein Sterbevorgang nicht absehbar gewesen.

Die Folge: Drei Tage nach dem Sturz wurde das Paar zurück in die häusliche Pflege entlassen. Zwar wurde ein ambulanter Pflegedienst eingeschaltet. Dennoch war Madeleine Petereit trotz ärztlich bescheinigter "verantwortungsvoller und liebevoller" Pflege überfordert, auch mit Unterstützung einer Enkelin. Schon weil sie nicht permanent anwesend sein konnten. "Ich wurde mit beiden im Stich gelassen", beklagt sie.

Auch auf das dringend benötigte Pflegebett (mit Sturzschutz), das sie bei der Krankenkasse beantragt hatte, wartete sie wochenlang vergeblich.

Fünf Tage später verstarb Peter Thomas am vergangenen Sonnabend. Dass er an der Seite seiner Johanna eingeschlafen war, tröstet die Hinterbliebenen nach dem aus ihrer Sicht unwürdigen Pflegeverlauf aber nur wenig. Witwe Johanna wird jetzt in einem Krankenhaus betreut.

Immer mehr Pflegebedürftige, schon jetzt zu wenig Fachkräfte

In Sachsen gibt es immer mehr Pflegebedürftige, vor allem Senioren.
In Sachsen gibt es immer mehr Pflegebedürftige, vor allem Senioren.  © dpa/Daniel Reinhardt

Laut Sozialministerium ist die Personalsituation bei Fachkräften in der Pflege "angespannt", im Freistaat regional unterschiedlich ausgeprägt.

737 Pflegeeinrichtungen gibt es in Sachsen. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind in den 49 Heimen von 3 441 Pflegeplätzen 3 298 belegt. Das Landratsamt spricht bei der Pflegesituation von einem "bereits bestehenden Fachkräftemangel" und einer "weiteren Zunahme pflegebedürftiger Personen".

Demnach erbringen einen Großteil der Pflegeleistungen die Angehörigen. Die ambulante Versorgung in einigen abgelegenen Ortsteilen ist laut Amt kritisch.

Die meisten Heime haben Vormerklisten. Pflegebedürftige sollten sich an die Berater bei ihrer Pflegekasse wenden.

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