Experten sind skeptisch: Diese Neuerung erwartet Kunden künftig bei Aldi!

Mülheim an der Ruhr - Erleichterung oder Verbraucherfalle? Die Kunden von Aldi Süd müssen sich beim Einkauf künftig mit einer tiefgreifenden Veränderung anfreunden. Der Discounter verabschiedet sich vom Papier und stellt auf digitale Preisschilder um.

Aldi Süd betreibt weltweit mehr als 6500 Filialen und gehört damit zu den größten Lebensmittelanbietern überhaupt.
Aldi Süd betreibt weltweit mehr als 6500 Filialen und gehört damit zu den größten Lebensmittelanbietern überhaupt.  © Marcel Kusch/dpa

Ab sofort haben die gelben und bei Sonderangeboten roten Papierschilder in den bundesweit rund 2000 Filialen der Einzelhandelskette ausgedient, stattdessen werden die Besucher über digitale Anzeigen informiert, wie das Unternehmen laut Watson in einer Pressemitteilung erklärte.

In erster Linie soll die Technik die "Abläufe in den Filialen so einfach und effizient wie möglich" gestalten und die Arbeit der Mitarbeitenden erleichtern.

"Vor allem für unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort bringen die digitalen Preisschilder eine große Vereinfachung mit sich", sagte Geschäftsführer Ralf Buchczyk im Zuge der Neuerung.

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Bislang mussten die Angestellten die Label regelmäßig neu ausdrucken, ausschneiden und anschließend austauschen.

Darüber hinaus kommt die Maßnahme natürlich auch der Umwelt zugute. Hinter den Prospekten seien die Preisschilder demzufolge für den größten Papierverbrauch bei Aldi Süd verantwortlich.

Die Preise auf den digitalen Etiketten werden künftig direkt aus der Datenbank des Discounters abgerufen und können so in jedem Markt individuell angepasst und über eine App gesteuert werden.

Verbraucherschützer kritisieren digitale Preisschilder

Die gelben Preisschilder aus Papier bei Aldi Süd gehören der Vergangenheit an.
Die gelben Preisschilder aus Papier bei Aldi Süd gehören der Vergangenheit an.  © Federico Gambarini/dpa

Darin sehen Verbraucherschützer allerdings auch Gefahren. Für die Kunden bringt die Erleichterung nämlich nicht unbedingt Vorteile mit.

So falle die Transparenz komplett weg, theoretisch könnte der Markt den Kaufpreis bestimmter Waren beim sogenannten "dynamic pricing" zu bestimmten Zeiten oder bei erhöhter Nachfrage kurzfristig und willkürlich in die Höhe schnellen lassen.

"Es kann natürlich sein, dass es kurz vor Ladenschluss oder wenn man vor dem Fußballspiel noch Bier kaufen will, die Preise entsprechend hoch gesetzt werden", erklärte Armin Valet (57) von der Verbraucherzentrale gegenüber dem Deutschlandfunk.

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"Es wird sicherlich nicht nur Vorteile und Preissenkungen geben durch diese neuen Schilder, sondern in der Tat auch häufig höhere Preise", so der 57-Jährige.

Aldi Süd erklärte in der Pressemitteilung hingegen, dass die neue Technik für mehr Transparenz sorgen würde, da man die Kundschaft etwa über beigefügte QR-Codes mit weiteren Informationen versorgen könne.

Neben der Durchsichtigkeit sorgten laut Verbraucherschützer Valet bei getesteten Modellen in der Vergangenheit auch immer wieder Fehler für Unmut. Oftmals würden die Preise auf der digitalen Anzeige nicht mit denen an der Kasse übereinstimmen.

"Es ist so, dass nur der Preis in der Kasse tatsächlich gültig ist. Da ist also quasi der Vertrag geschlossen, rein rechtlich gesehen. Das heißt, man kann auch als Verbraucher nicht auf dem Preis am Regal bestehen", erläuterte der Experte.

Betroffen sind vorerst aber nur die Kunden in Süddeutschland. Der "Aldi-Äquator" teilt die Bundesrepublik vom Niederrhein über die Gegend um den Firmensitz im Mülheim an der Ruhr nach Osten bis nördlich von Fulda.

Titelfoto: Marcel Kusch/dpa, Federico Gambarini/dpa

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