Schwere Vorwürfe: Singt Xavier Naidoo antisemitische Liedtexte und ruft zu Gewalt auf?

Nürnberg - Der Sänger Xavier Naidoo ("Dieser Weg") wehrt sich weiter gerichtlich gegen Antisemitismus-Vorwürfe.

Xavier Naidoo wehrt sich vor Gericht gegen die Vorwürfe und klagt auf Unterlassung. (Archivbild)
Xavier Naidoo wehrt sich vor Gericht gegen die Vorwürfe und klagt auf Unterlassung. (Archivbild)  © Alexandra Wey/KEYSTONE/dpa

Am Dienstag beschäftigte sich das Oberlandesgericht Nürnberg mit einer entsprechenden Klage des Musikers. Eine Entscheidung soll nicht vor Ende Oktober bekanntgegeben werden, sagte ein Gerichtssprecher.

Vorausgegangen waren Vorwürfe einer Mitarbeiterin der Heidelberger Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus einsetzt.

Sie hatte dem 47-Jährigen vorgeworfen, er sei antisemitisch. Dies lasse sich strukturell - etwa anhand seiner Liedtexte - nachweisen. Unter anderem würden darin auch Politiker beschimpft.

Das Landgericht Regensburg hatte in erster Instanz der Klage Naidoos auf Unterlassung stattgegeben.

Die Mitarbeiterin der Stiftung ging jedoch in die zweite Instanz zum Oberlandesgericht Nürnberg. Bei dem Termin am Dienstag waren weder sie noch Naidoo anwesend, wie der Gerichtssprecher sagte.

Naidoo weist bislang jegliche Antisemitismus-Vorwürfe zurück und beruft sich auf sein Persönlichkeitsrecht, das er durch die Vorwürfe verletzt sieht.

Der Sänger war allerdings wegen seiner kontrovers aufgefassten Texte, unter anderem im Song "Marionetten", wiederholt in die Diskussion geraten.

Söhne Mannheims "Marionetten": Darum geht es im umstrittenen Song

Der Sänger Xavier Naidoo steht mit der Band "Söhne Mannheims" in der Kritik und will nun eine gerichtliche Unterlassung erwirken. (Archivbild)
Der Sänger Xavier Naidoo steht mit der Band "Söhne Mannheims" in der Kritik und will nun eine gerichtliche Unterlassung erwirken. (Archivbild)  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Im Lied selbst werden Politiker mit radikaler Wortwahl angegriffen. Manche werfen der Band vor, sie würde zu Gewalt aufrufen.

Beschäftigt man sich mit dem Text, deuten sich rechtspopulistische Tendenzen an.

"Wie lange noch wollt ihr Marionetten sein; Seht ihr nicht, ihr seid nur Steigbügelhalter; Merkt ihr nicht, ihr steht bald ganz allein; Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter", singt Xavier Naidoo in seinem neuen Song "Marionetten".

Diese vermeintlich harmlose Passage aus dem Song erhält ein altes antijüdisches Vorurteil, wie auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung feststellt: das Bild des jüdischen "Puppenspielers", der im Hintergrund die Fäden zieht.

Weiter heißt es in den Lyrics: "Und weil ihr die Tatsachen schon wieder verdreht; Werden wir einschreiten; Und weil ihr euch an Unschuldigen vergeht; Werden wir unsere Schutzschirme ausbreiten; Denn weil ihr die Tatsachen schon wieder verdreht; Müssen wir einschreiten; Und weil ihr euch an Unschuldigen vergeht; Müssen wir unsere Schutzschirme ausbreiten".

Die "verdrehten Tatsachen" lassen an "Lügenpresse" denken, also den Vorwurf gesteuerter Medien. Unter den PEGIDA-Anhängern erlebte der Begriff ein Revival, ursprünglich stammt er aus dem Ersten Weltkrieg und betitelte die Medien der Kriegsfeinde. In der NS-Zeit wurde damit Hetze gegen Kommunisten und Juden geschürt.

In weiteren Passagen ist von "Volksverrätern" die Rede, ein Begriff den die rechte Szene gebraucht.

Bisher wies die Band alle Vorwürfe zurück: "Ich verstehe das Lied als Appell zum Nachdenken darüber, dass Politik oft missbraucht wird. Und da wollen wir - mit zugegeben überzeichneten Worten - aufrufen, etwas dagegen zu tun", sagte Sänger Henning Wehland der Deutschen Presse-Agentur.

Titelfoto: Alexandra Wey/KEYSTONE/dpa

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