"Yung" ein Softporno? Sex ohne Ende im provokanten deutschen Film!

Deutschland - Tabubrüche! Das deutsche Coming-of-Age-Drama "Yung" setzt voll auf das Motto Sex sells. Dennoch hat der Film von Regisseur Henning Gronkowski mit Kinostart am 28. November auch eine interessante Geschichte zu bieten.

Janaina (l., Janaina Liesenfeld) lebt ihre vielschichtige Sexualität auch mit Emmy (Emily Lau) aus.
Janaina (l., Janaina Liesenfeld) lebt ihre vielschichtige Sexualität auch mit Emmy (Emily Lau) aus.  © PR/WildBunch Germany

Im Mittelpunkt stehen die vier jungen Frauen Janaina (Janaina Liesenfeld), Emmy (Emily Lau), Joy (Joy Grant) und Abbie (Abbie Dutton).

Janaina bessert ihr Taschengeld mit Webcam-Sex auf. Sie zeigt ihre Brüste und ihren Po, masturbiert laut stöhnend und unterhält ihre anonymen Zuschauer mit heißem Sex-Talk, wahlweise auch auf Englisch.

Für 150 Euro hat sie zudem Geschlechtsverkehr mit (deutlich älteren) Männern. Privat interessieren sie allerdings auch Frauen wie ihre beste Freundin Emmy, die lesbisch ist und mit der sie mehr als nur heiße Küsse austauscht.

Doch Emmy ist auch selbstzerstörerisch, nimmt jede Droge, die sie in die Finger bekommen kann und hört nie mit dem Konsum auf, weil sie von einer Party zur nächsten geht.

Auf solch einer Feier ist meistens auch die 16-jährige Abbie zu finden, die 2009 mit ihren Eltern nach Berlin zog, weil Gott ihnen sagte, sie sollen dort eine Kirche aufbauen. Das ging nur zwei Jahre gut. Danach wurde ihr Vater verhaftet und sitzt nun im Gefängnis. Sie war mit 15 Jahren obdachlos und verließ die Schule frühzeitig.

Auch deshalb sehnt sie sich nach Liebe und bandelt mit Tyrell (Tyrell Otoo) an, dem Cousin ihrer Freundin Joy, beide haben eine Drogen-Vergangenheit. Und sie alle sind auf der Suche nach dem Sinn des Lebens...

"Yung" überzeugt mit seiner authentischen Jugendsprache und flirrenden Atmosphäre

S-Bahn-Koma nach einer Partynacht: Janaina (oben, Janaina Liesenfeld), Emmy (hinten, Emily Lau), Joy (vorne, Joy Grant) und Abbie (Abbie Dutton) schlafen dort, wo es ihnen passt.
S-Bahn-Koma nach einer Partynacht: Janaina (oben, Janaina Liesenfeld), Emmy (hinten, Emily Lau), Joy (vorne, Joy Grant) und Abbie (Abbie Dutton) schlafen dort, wo es ihnen passt.  © PR/WildBunch Germany

Diese Geschichte hat Gronkowski in Form einer interessanten und eigenwilligen Milieustudie umgesetzt.

Der Filmschaffende war selbst zehn Jahre in diese "Berliner Jugendsubkultur" abgetaucht, die in einer "dem öffentlichen Bewusstsein verborgenen Parallelwelt" vonstatten geht, wie der Regisseur im Presseheft zitiert wird.

Er wählte seine Schauspieler mithilfe seiner Kontakte in die Berliner Szene aus 300 Jugendlichen aus und arbeitete mit ihnen gemeinsam zwei Jahre lang am Drehbuch. Diese lange Vorbereitung und sein eigener Erfahrungsschatz kommen Gronkowski hier zugute.

Er fängt die Suche nach dem Sinn des Lebens und einen Teil der heranwachsenden Generation gut, glaubwürdig und vielschichtig ein. Dazu greift er auch auf tiefschürfende Interview-Sequenzen zurück, in denen die Frauen über ihr Leben, ihre Sorgen, Ängste und Ziele sprechen.

Auch in diesen halbdokumentarisch wirkenden Sequenzen überzeugt die unverstellte Jugendsprache, die authentisch ist und viel zur flirrenden Atmosphäre von "Yung" beiträgt.

Dennoch hat der Film auch seine Durchhänger, weil sich der Stil mit der Zeit ein wenig abnutzt und Gronkowski etwas zu viel Wert auf Party machen legt. Schließlich versteht man relativ schnell, dass sich die Jugendlichen in einem Teufelskreis aus Drogen und der Suche nach dem nächsten Kick befinden.

Regisseur Henning Gronkowski spart in "Yung" keine sexuelle Erfahrung aus

Janaina (Janaina Liesenfeld) bessert ihr Taschengeld mit Webcam-Sex auf.
Janaina (Janaina Liesenfeld) bessert ihr Taschengeld mit Webcam-Sex auf.  © PR/WildBunch Germany

Diese rauschhaften Momente verfehlen ihre Wirkung zwar nicht und verdeutlichen das Dilemma, in dem die Figuren stecken. Doch ein paar vorantreibende Story-Szenen mehr, die die Motive und den familiären Hintergrund der Figuren noch näher beleuchten, hätten dem Drama gut getan.

Hinsichtlich der Erotik ist die Abwechslung dafür gegeben. Ob Sex mit deutlich älteren Männern, anderen Frauen, Webcam-Sex, Selbstbefriedigung, oder eine Vergewaltigung - hier spart Gronkowski nichts aus und sorgt für viel Abwechslung und Brisanz.

Er hat diese Sequenzen darüber hinaus auch stil- und gefühlvoll inszeniert. Deshalb helfen sie dem Publikum auch dabei, das Seelenleben der Charaktere besser zu verstehen.

Daran haben die mutigen Darstellerinnen entscheidenden Anteil. Besonders Liesenfeld ist hier hervorzuheben, die keine Scheu hat, mehrfach nackt vor der Kamera zu stehen und auch sehr intime Szenen überzeugend zu spielen. Auch Lau, Grant und Dutton verschmelzen mit ihren Protagonistinnen.

Des Weiteren sind die typische Party-Musik und typischen Jugend-Klamotten, die abwechslungsreichen Berliner und Brandenburger Locations und die nah am Geschehen orientierte Kameraführung weitere Pluspunkte dieses pulsierenden und realitätsnahen Coming-of-Age-Erotikdramas.

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