Mehr antisemitische Vorfälle: So sollen Lehrer jetzt gegen Judenhass in Schulen vorgehen

Von Dorothea Hülsmeier

Düsseldorf - Ein menschenverachtender Witz, ein Schimpfwort: Israel- und Judenfeindlichkeit haben auf Schulhöfen und in Klassenzimmern zugenommen. Nordrhein-Westfalen gibt Lehrkräften deshalb mehr Rüstzeug an die Hand, um Formen des Antisemitismus in Schulen zu erkennen und klar darauf zu reagieren.

Schulministerin Dorothee Feller (59, CDU) betonte, dass Antisemitismus wieder eine gesamtgesellschaftliche Bedrohung geworden sei.
Schulministerin Dorothee Feller (59, CDU) betonte, dass Antisemitismus wieder eine gesamtgesellschaftliche Bedrohung geworden sei.  © Henning Kaiser/dpa

Dafür hat das Schulministerium zusammen mit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und der Antisemitismus-Beratungsstelle Sabra die digitale Plattform "Amudim" (hebräisch: Grundpfeiler) entwickelt.

Sie solle nicht nur helfen, antisemitische Codes zu entschlüsseln, sondern auch geschichtliche Hintergründe zu verstehen und aktuelle Facetten des Judenhasses besser zu erkennen, sagte Schulministerin Dorothee Feller (59, CDU) in Düsseldorf.

Für das Jahr 2024 habe die Recherche- und Informationsstelle Rias NRW insgesamt 940 antisemitische Vorfälle registriert, im Schnitt etwa 18 pro Woche, sagte Feller. Das seien 42 Prozent mehr als im Jahr davor.

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"Antisemitismus ist wieder eine gesamtgesellschaftliche Bedrohung geworden." Rias registriere Vorfälle auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Gedenkorten und auch in Schulen. Jeder antisemitischen Haltung und Äußerung sei laut Feller mit Nachdruck nachzugehen.

Vorfälle werden oft bagatellisiert

Antisemitische Vorfälle in Schulen werden nicht immer als solche erkannt. (Symbolbild)
Antisemitische Vorfälle in Schulen werden nicht immer als solche erkannt. (Symbolbild)  © Lars Penning/dpa

Wie sollen Lehrkräfte zum Beispiel reagieren, wenn Schülerinnen oder Schüler Israels Handeln mit dem Nationalsozialismus gleichsetzen oder Israel das Existenzrecht absprechen? Die Lehrkräfte erhalten über die neue Plattform Zugang zu Fakten und historischen Hintergründen, müssen Kurzaufgaben lösen und bekommen Einladungen zur vertiefenden Reflexion, um Gelerntes fest im Kopf zu verankern.

Mit kompakten Texten, der Erklärung komplexer Sachverhalte in einfacher Sprache sowie Bildern und Grafiken werden sie auf mögliche Alltagssituationen an Schulen vorbereitet. Das Unterrichtsmaterial zeigt auch, welche Codes und Symbole zum Beispiel völkisch-rassistischen Antisemitismus verraten.

"Antisemitische Vorfälle werden nicht immer als solche erkannt", sagte Bert Römgens, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. "Sie werden teilweise bagatellisiert, falsch eingeordnet oder aus Unsicherheit nicht konsequent bearbeitet." Vielerorts reichten Fortbildungsangebote nicht mehr aus. Hier setze die neue digitale Lernplattform an.

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Ein besonderer Fokus liege auf den Phänomenen, die im Schulalltag häufig als klein oder randständig wahrgenommen würden, wie etwa vermeintliche Witze, Codes oder stereotype Zuschreibungen, so Römgens.

Viel Aufklärungsarbeit seit Hamas-Überfall auf Israel

Neue digitale Lernplattformen sollen helfen, Antisemitismus zu bekämpfen.
Neue digitale Lernplattformen sollen helfen, Antisemitismus zu bekämpfen.  © David Inderlied/dpa

Die Plattform "Amudim" reiht sich ein in zahlreiche Maßnahmen, mit denen das Land auf die zunehmende Zahl der antisemitischen Vorfälle nach dem terroristischen Angriff der Hamas auf Israel reagiert hat.

Schon 2023 hatte das Land NRW Lehrkräften mehr Informationsmaterial zum Nahost-Konflikt und Antisemitismus zur Verfügung gestellt sowie Online-Seminare, Webinare und Projekte zum jüdischen Leben und zum Umgang mit Konflikten in der Schule angeboten.

Die Beratungsstelle Sabra hat zudem einen virtuellen Methodenkoffer gegen Antisemitismus mit Hintergrundinformationen und landesweiten Exkursionszielen entwickelt.

Im Internet gibt es auf der Seite des Schulministeriums ebenfalls umfangreiche Hinweise zum Umgang mit Antisemitismus.

Titelfoto: Lars Penning/dpa

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