Toxische Beziehung? Warum es so schwer ist, auszusteigen

Toxische Beziehung begegnen uns häufig, denn jeder kann sich in einer Partnerschaft wiederfinden, die einem nicht guttut. Das Umfeld stellt sich dann unweigerlich die Frage: "Warum macht er oder sie das mit?". TAG24 erklärt Euch, was es mit toxischen Beziehungen auf sich hat und warum es so schwer ist, diesen den Rücken zu kehren.

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Manche Paare können nicht mit und nicht ohne einander.
Manche Paare können nicht mit und nicht ohne einander.  © 123RF/liudmilachernetska

"Mein(e) Ex war so toxisch". Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass fast jeder irgendwann selbst mal in einer toxischen Beziehung gesteckt hat. Und wenn nicht, dann kennt man zumindest eine solche Beziehung aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis. Oder der Chef ist einer von der toxischen Sorte.

Und genau an dieser Stelle geht es darum, das erste Missverständnis aufzudecken. Menschen sind per se nicht giftig. Toxisch können bestimmte Verhaltensweisen sein, mehr aber auch nicht. Ansonsten reduzieren wir Hinz und Kunz auf ihr Verhalten. Das ist alles andere als fair und wäre wiederum auch ziemlich toxisch.

Diese Verhaltensweisen sind meist Schutzmechanismen aus längst vergangener Zeit und sie sind erst einmal da.

Toxische Beziehung gehen oft über die Partnerschaft hinaus

Befindet man sich in einer toxischen Beziehung, ist man dankbar für offene Ohren.
Befindet man sich in einer toxischen Beziehung, ist man dankbar für offene Ohren.  © 123RF/auremar

Bitte nicht falsch verstehen. Toxische Beziehungen sind kein Zuckerschlecken, ganz im Gegenteil. Es geht nicht darum, sie zu verharmlosen. Diese Beziehungen sind hochgradig dysfunktional, ungesund und weit weg von einem guten Miteinander. Im Idealfall nähren Beziehungen, toxische Strukturen sind dagegen kräftezehrend. Die sprichwörtliche Augenhöhe in solchen Beziehungen ist nicht vorhanden. Weder in der Partnerschaft, im Freundeskreis noch im Job.

Machtspiele, Manipulation, Eifersuchtsdramen - die Spielarten toxischer Beziehungen sind vielfältig. Und oftmals zu Beginn nicht zu erkennen. Sind wir frisch verliebt, dann nimmt der andere Mensch in unserem Leben für eine gewisse Zeit erst einmal großen Raum ein. So weit, so normal.

Das ist in den meisten Beziehungen so. Dafür sorgt ein wunderbarer Hormoncocktail in unserem Gehirn. Und dennoch laufen Beziehungen mit gesunden Strukturen langsam an.

Anders in toxischen Beziehungen. Zu schnell, zu viel, zu überstürzt. Das Tempo der Beziehungsanbahnung ist rasant. Hinzu kommt das, was in der Fachwelt gern als Lovebombing bezeichnet wird.

Lovebombing in toxischen Beziehungen: erst aufmerksam, dann verachtend

Am Anfang einer Beziehung schweben wir auf Wolke Sieben.
Am Anfang einer Beziehung schweben wir auf Wolke Sieben.  © 123RF/peopleimages12

Lovebombing meint, die potenziellen Partner werden mit Aufmerksamkeiten, Geschenken und Komplimenten überhäuft. Und das mag sich für die ein oder andere Person erst einmal sehr gut anfühlen. Ganz nach dem Motto, da ist jemand, der mich sieht, der mich versteht, für den ich anscheinend der tollste Mensch der Welt bin. Und natürlich kann da der Gedanke aufkommen, das große Los gezogen zu haben.

Finden sich beide dann in einer gemeinsamen Beziehung wieder, wird eine neue Phase eingeläutet. Nach der umfassenden Idealisierung des jeweils anderen Menschen kommt es jetzt zur Ab- und Entwertung. Die Mitte in einer Beziehung zu finden, fällt beiden Parteien schwer. Es gibt nur die "Liebe" in Extremen. Und das Tragische daran ist, genau das wird als Normalität empfunden.

Beide Partner glauben, es sei wahre Liebe, was sie beieinander sein lässt. Das heißt, nach einer Phase der Demütigung, Verachtung und/oder auch Feindseligkeit erfolgt erneut ein Verhalten, das den anderen Menschen im Glauben verharren lässt, gut in dieser Beziehung aufgehoben zu sein.

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Und wir alle wissen, allein der Glaube daran kann Berge versetzen. Und so vergehen oft viele Jahre, "gefangen" in ungesunden Beziehungsstrukturen und miteinander verstrickt.

Toxische Beziehungen: Gehen oder bleiben? Hilfe lohnt sich!

Manchmal sollte man überlegen, ob eine Trennung nicht doch das Beste ist.
Manchmal sollte man überlegen, ob eine Trennung nicht doch das Beste ist.  © 123RF/peopleimages12

Mit großer Sicherheit können viele Menschen in genau so eine Beziehung hineingeraten. Die Frage ist, warum er oder sie in dieser Beziehung bleibt? Von außen betrachtet erscheint es doch nahezu absurd, in einer Beziehung zu verharren, in der ein Klima herrscht, das einem oder beiden Partnern nicht guttut. Also, warum bleibt diese Beziehung bestehen? Warum gehen beide so miteinander in Resonanz? Und machen sich gegenseitig das Leben schwer? Warum gehen sie nicht getrennte Wege? Aus welchem Material besteht der Kitt, der diese Beziehung am Laufen hält?

Zu einer toxischen Beziehung gehören immer zwei Menschen. Eine Person, die dieses Verhalten an den Tag legt und eine Person, die es toleriert. Hier lohnt es sich, genauer hinzusehen und sich auf den Weg nach der Ursache zu machen.

Und wie immer gilt auch hier: Es ist völlig okay, sich Hilfe zu holen.

Titelfoto: 123RF/liudmilachernetska

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