Auch Sachsen droht die Gefahr einer Invasion: Asiatische Hornisse macht Jagd auf unsere Bienen

Sachsen - Wer sie mit einem Brummen heranfliegen sieht, ist in Gefahr - in Lebensgefahr! Sachsens Imker warnen vor der Asiatischen Hornisse. Die schwirrt als invasive Art gerade in Europas Naturräume ein und hat es vor allem auf unsere Honig-, Wildbienen und Hummeln abgesehen. Doch die aggressive Hornissenart aus Fernost kann mit ihrem speziellen Giftstachel auch Menschen gefährlich werden. Lest hier, wie man das gefährliche Insekt erkennt und bekämpft.

Von Äpfeln über Erdbeeren bis zu Tomaten und Gurken: "Bienen bestäuben rund 80 Prozent aller unserer Wild-, Nutz- und Kulturpflanzen", weiß Dr. Michael Hardt (62), Erster Vorsitzender des Landesverbandes Sächsischer Imker. Er erntet selber Honig von 24 Bienenvölkern in und um Leipzig.  © Stefan Häßler

Dr. Michael Hardt (62) zeigt ein Glasröhrchen mit einer großen toten Hornisse. "Das ist ein Exemplar der Asiatischen Hornisse", sagt er. "Die Art wurde 2004 ins französische Bordeaux eingeschleppt - offenbar in Tontöpfen aus Asien", mutmaßt der Erste Vorsitzende des Landesverbandes Sächsischer Imker.

Seitdem mischt die invasive Hornissenart Deutschland auf. Erst schwirrte sie in Baden-Württemberg ein, baute dann in Hessen ihre Nester, danach im Saarland und in Nordrhein-Westfalen.

Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung. So erobert die Tierart jedes Jahr weitere 80 Kilometer neues Terrain. Jetzt fürchten sich auch die rund 9000 bei der Sächsischen Tierseuchenkasse gemeldeten Imker in Sachsen vor der invasiven Hornisseninvasion.

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"Sie gilt als Problem-Insekt, weil sie unsere Honigbienen, Hummeln sowie wildlebende Insekten attackiert", erklärt Hardt. "Bis zu 80 Prozent ihrer Beute stehen Honigbienen auf ihrem Speiseplan."

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Kann schon bald auch sächsische Bienenvölker bedrohen: Makroaufnahme des Kopfes einer Asiatischen Hornisse. Die in Südostasien heimische Hornisse gilt hierzulande als invasive Art.  © IMAGO/Depositphotos

Asiatische Hornisse hat hierzulande keine Fressfeine

Dr. Michael Hardt prüft mit einem Refraktometer den Wassergehalt des Honigs: "Liegt er unter 18 Prozent, erfüllt er die hohen Qualitätsanforderungen des Deutschen Imkerbundes." Dann kann er mit einer Radialschleuder (F.o.) aus den Waben extrahiert werden.  © Stefan Häßler

Dabei fängt die asiatische große Schwester der heimischen Hornisse ihre Beute nicht nur am Flugloch eines Bienenkorbs ab, sondern attackiert im Spätherbst auch Arbeitsbienen im Bienenstock.

In Frankreich und im Badischen Raum haben schon zig Imker vor der Hornissenart kapituliert und ihre Bienenvölker aufgegeben, weil sie immer wieder von der Hornisse zerfressene Bienen vorfanden.

In ihrer angestammten Heimat stürzt sich gleich ein ganzes Ökosystem als Fressfeinde auf die Hornisse: Für Greifvögel wie den Schopfwespenbussard sind die Asiatischen Hornissen und ihre Larven ebenso ein Leckerbissen wie für andere Hornissenarten und auch dem Menschen.

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Dem dient sie in einigen asiatischen Regionen als hochwertige Proteinquelle. "Hierzulande hat die Hornissenart jedoch keine natürlichen Fressfeinde", weiß Hardt.

Das macht die Bekämpfung so schwierig. Und auch, weil sie ihre Nester bis in 30 Metern Höhe verdeckt vor allem in Laubbaumkronen baut. Darin leben bis zu 2000 Tiere.

"Nur wenn man die Nester erkennt und frühzeitig entfernt, kann man der Hornisse Herr werden", sagt Hardt. Doch das ist gar nicht so einfach. Das Problem: "Weil sie unserer einheimischen und streng geschützten Hornissenart sehr ähnlich sieht, kann sie ein Laie schwer erkennen", weiß Hardt. "So wurde uns schon die einheimische dunkle Holzbiene fälschlicherweise als Asiatische Hornisse gemeldet."

Birnenförmig und bis zu 80 Zentimeter im Durchmesser: Größenvergleich von einem Hornissennest mit einer menschlichen Hand.  © imago/imagebroker

Von einer eigenmächtigen Entfernung der Nester wird dringend abgeraten

"In Sachsen liefern Bienenvölker durchschnittlich 25 bis 35 Kilo Honig", sagt Dr. Michael Hardt beim Ablösen der Wachsdeckelchen von den Bienenwaben mit einem Heißluftfön (l.) und einer Entdeckelungsgabel (r.o.).  © Stefan Häßler

Wird ein Nest entdeckt, wird es mit heißem Wasserdampf oder Aktivkohle bekämpft. "Oft kümmern wir Imker uns mit Profi-Teleskoptechnik darum, die Kosten für den Einsatz trägt das Land", sagt Hardt.

Anders bei Kindergärten, Schulen oder Krankenhäusern, wo die Kommune zahlt. Der Landesverbands-Chef empfiehlt keineswegs eine eigenmächtige Entfernung der Nester aus Hof und Garten, "weil die Asiatische Hornisse sehr aggressiv ist".

So "markiert" sie Eindringlinge erst mit einem Stich, um dann mit Hunderten weiteren Familienmitgliedern als stechwütiger Schwarm aufzutauchen. Also Finger weg, fernhalten - auch Haustiere - und den Fundort melden und absperren.

"Die Asiatische hat einen mit sechs Millimetern längeren Stachel als die Europäische Hornisse und kann ihr Gift auch verspritzen", warnt Hardt. Gelangt es in die Augen, führt das zu starkem Brennen und vorübergehenden Sehstörungen. Bei Allergikern können die Hornissenstiche einen anaphylaktischen Schock auslösen - Lebensgefahr! "Der Volksglaube, dass auch drei unserer heimischen Hornissen einen Menschen und sieben von ihnen ein Pferd töten können, ist übrigens ein Ammenmärchen", versichert Hardt.

Wer eine Asiatische Hornisse sieht, soll sie dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) melden - gern mit Fotos als Beleg: Artenerfassung@lfulg.sachsen.de

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So erkennt man den Eindringling

Macht zunehmend auch sächsischen Imkern Sorgen: Nahaufnahme der Asiatischen Hornisse - aggressiv und nur tagaktiv.  © IMAGO/NurPhoto

Die leuchtend gelben Enden der Beine sind ein deutliches Erkennungsmerkmal. Typisch für die Asiatische Hornisse (Lateinisch: Vespa velutina nigrithorax) ist auch ihre Hinterleibfärbung.

Dr. Hardt: "Während das erste Hinterleibsegment eine feine gelbe Binde ist, fällt das vierte Segment mit seiner orangen Farbe förmlich auf."

Fühler und Kopf sind sehr dunkel bis schwarz. Arbeiterinnen werden zwei bis drei Zentimeter groß, die Königin gut drei Zentimeter. Hardt: "Während heimische Hornissenarten auch nachtaktiv sind, ist die invasive Art nur tagaktiv."

Die ockerfarbenen, etwa tennisballgroßen Gründungsnester (sehen aus wie Wespennester, nur kleiner) sind sowohl in Hecken im Garten als auch an regengeschützten Gartenmöbeln und in Bäumen zu finden. Die Sekundärnester sind rund bis birnenförmig, können bis zu 80 Zentimeter im Durchmesser groß werden.

Auch diese Schädlinge sind für Bienen gefährlich

Die Wachsmotte (r.), der Kleine Beutenkäfer (l.) und die Varroamilbe (o.).  © IMAGO/imagebroker, IMAGO/Panthermedia, Wikipedia

• Der mit Abstand gefährlichste Parasit ist die Varroamilbe. Sie saugt das "Blut" (die sogenannten Hämolymphe) von Bienenlarven und ausgewachsenen Bienen aus, überträgt gefährliche Viren. Bleibt ein Befall unentdeckt, führt das zum Zusammenbruch des gesamten Bienenvolks.

• Der Kleine Beutenkäfer ist ein aus Afrika eingeschleppter Käfer, der sich in befallenen Bienenvölkern massenhaft vermehrt. Ihre Larven verderben die Honigwaben - auch ein ortsfremder Schädling, wurde schon in Süditalien gesichtet.

• Die Larven der Wachsmotten ernähren sich von Wachs, Pollen und den Puppenhäutchen der Bienen. Der Falter befällt vor allem schwache Völker, zerstört ihr Wabenwerk.

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