Bautzen - Über die Felder hallt tiefer Gesang, die Pferde scharren, die Reiter in Gehrock und Zylinder ziehen feierlich durch die Oberlausitz. Ostern steht vor der Tür und damit eine Tradition, die in Sachsen Kultstatus hat.
Seit Generationen verkünden Sorben beim traditionellen Osterreiten die Auferstehung Jesu. Einer, der das erste Mal dabei sein wird, ist Beno Skoda (14) aus Panschwitz-Kuckau.
Der Gymnasiast wird im ikonischen Gehrock und Zylinder als "Neuling" dabei sein: "Das ist schon was Besonderes. Ich hab's auch schon mal anprobiert."
Für ihn ist es ein aufregender Schritt, doch "es ist eine Haupttradition. Bei uns in der Familie machen das alle schon superlang".
Die gesamte Prozession wird für den jungen Sorben etwa vier Stunden dauern - hin und zurück: "Die Strecke ist schon relativ lang, aber wenn man die erste Hälfte geschafft hat, sind die Pferde schon etwas entspannter."
In Sachsen gibt es neun Hauptprozessionen mit etwa 1500 Osterreitern, die jedes Jahr Ostersonntag durch die Dörfer ziehen. Eine davon startet um 12 Uhr in Ostro, wo auch Beno dabei sein wird.
Für ihn ein besonderer Moment, da er neben seinem Papa reiten wird. "Ich war nie so begeistert vom Reiten. Das Osterreiten hat mich aber schon immer einfach fasziniert."
Für rund 50 junge Sorben ist es ihr erstes Osterreiten
Auch deshalb hat Beno vorab Reitstunden genommen. "Man muss darauf achten, locker zu reiten und die Zügel nicht so festzuziehen." Als Dauer-Hobby kann es sich der Schüler allerdings nicht vorstellen: "Ich spiele sehr gerne Fußball, gehe angeln."
Trotzdem kann er den Moment kaum erwarten, wenn die Prozession startet: "Es ist für uns alle etwas Besonderes und eine Ehre, das überhaupt machen zu dürfen. Mit meinen Klassenkameraden rede ich auch gerade sehr viel über Ostern, weil wir uns so freuen."
Denn während in seiner Klasse des Sorbischen Gymnasiums Bautzen allein sieben Osterreiter-Neulinge dabei sein werden, startet Beno gemeinsam mit einem von ihnen in Ostro.
Durchschnittlich wagen rund 50 junge Sorben ihr erstes Abenteuer beim Osterreiten.