Der Obdachlose aus der Haltestelle: Schon drei Vermieter haben Jens abgesagt

Oschatz - Jens Kloß (56) ist in Oschatz zum Gesicht der Obdachlosigkeit geworden. Viele kennen ihn, viele haben mit ihm mitgefiebert, doch der erhoffte Neuanfang lässt weiter auf sich warten. Zwischen Stolz, Sturheit und Stillstand kämpft er um mehr als nur vier Wände.

Jens Kloß (56) verbringt viel Zeit bei der Tafel, ab und zu packt er mit an.
Jens Kloß (56) verbringt viel Zeit bei der Tafel, ab und zu packt er mit an.  © Holm Helis

Der gelernte Lokrangierführer verlor Ende Oktober nach einer privaten Zwangsräumung seine 3-Raum-Wohnung. "Als ich rausmusste, lag die Bushaltestelle an der Dresdner Straße nahe, und ich wollte Aufmerksamkeit erzeugen."

Als das Rathaus damals ankündigte, die Sitzbank in dem Bushäuschen "temporär abzubauen", kochten die Emotionen hoch.

Die Stadt erklärte, man habe Hilfe angeboten. Jens habe sie abgelehnt. "Mir geht es nicht nur um die Wohnung, sondern es geht um die Obdachlosigkeit. Ich möchte, dass die Stadt mal munter wird."

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Aktuell schläft Jens in einer Obdachlosenunterkunft, teilt sich ein Zimmer. "Im Winter müssen wir von 10 bis 17 Uhr raus", erzählt er. Für ihn ist das keine Dauerlösung. Mehrere Wohnungen hat er sich angeschaut, doch dreimal wurde ihm abgesagt.

Noch vor einigen Wochen lebte der 56-Jährige an dieser Bushaltestelle.
Noch vor einigen Wochen lebte der 56-Jährige an dieser Bushaltestelle.  © EHL Media/Dietmar Thomas
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In dieser Obdachlosenunterkunft schläft Jens momentan, teilt sich das Zimmer mit einem Syrer.
In dieser Obdachlosenunterkunft schläft Jens momentan, teilt sich das Zimmer mit einem Syrer.  © Holm Helis

So richtig helfen lässt sich Oschatzer Jens nicht

Bei Tafel-Chefin Birgit Friedrich spürt man schon ein wenig die Verzweiflung.
Bei Tafel-Chefin Birgit Friedrich spürt man schon ein wenig die Verzweiflung.  © privat

Auch wenn es die Situation vereinfachen würde, einen Betreuer für die Suche lehnt er ab. Er will es allein schaffen. "Ich will mich selbst um alles kümmern." Das sei für ihn eine Sache der Ehre.

Bei der Tafel verbringt er viel Zeit. Dort sieht man seinen Einsatz, aber auch die Grenzen. "Für die Brandopfer hat er schön mitgeholfen, ohne dass wir was sagen mussten", erinnert sich Cindy Friedrich (38).

Tafel-Chefin Birgit Friedrich (57) ergänzt jedoch: "Wir und Jens waren optimistisch, aber er bekommt dauerhaft Absagen und lässt sich nicht helfen."

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Stephan Trutschler (64), bis vor Kurzem Landes-Chef der Tafel, weiß: "Wir sind an einem Punkt, wo wir als Tafel nicht mehr helfen können. Unsere DNA ist Lebensmittel retten und nicht Wohnraum organisieren."

Die Lage bleibt also kompliziert - auch weil Jens nur begrenzt Hilfe annimmt.

Titelfoto: Holm Helis

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