Nach Spendenwelle für Unfallopfer: Über 30.000 Euro weg!

Annaberg-Buchholz - Im Erzgebirge starben zwei Mütter an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Nachdem ein Spendenaufruf für die Hinterbliebenen eingerichtet wurde, kam jetzt heraus: Die eingenommenen 32.526 Euro kamen bei den Angehörigen niemals an. Jetzt ermittelt die Polizei.

Bei dem Horror-Crash im August starben zwei Mütter - Melanie war eine von ihnen.  © Niko Mutschmann

Sandra Rauch (37) verlor im vergangenen August ihre Schwester Melanie (†42) bei einem Autounfall zwischen Annaberg-Buchholz und Bärenstein (Erzgebirge). Bei dem Unfall starb auch die Fahrerin Celine W. (†29).

Kurz darauf wurde von Robby J. eine Spendenaktion auf der Plattform GoFundMe ins Leben gerufen - er soll beide Unfallopfer gekannt haben. Damals sagte er noch TAG24: "Ich kann es nicht in Worte fassen, was passierte."

Mit dem gespendeten Geld sollten unter anderem die Beerdigungen finanziert werden. Sandra fand die Aktion zunächst eine gute Sache: "Schön, dass das einer macht."

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Doch danach wurde sie stutzig, denn das Geld kam bei den Hinterbliebenen nicht an. Weiterhin merkwürdig: Sandra kennt Robby gar nicht.

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Anzeige gegen vermeintlichen Wohltäter erstattet

Sandra Rauch (37, r.) hält zusammen mit Freund Marco (43, l.) ein Foto von ihrer verstorbenen Schwester Melanie (†42).  © Sven Gleisberg

Nun kam die ungeheure Wahrheit ans Licht: "Der Organisator hat die Gelder abgehoben, statt die Familien als Begünstigte im Spendenaufruf hinzuzufügen", so GoFundMe-Sprecherin Daniela Breitenberger.

Mehrere Spender, die den Braten schon gerochen hatten, haben einen Rückerstattungsantrag gestellt - laut GoFundMe erhielten sie die volle Summe zurück. Dieser Fall sei laut Breitenberger "äußerst selten" - es betreffe weniger als 0,1 Prozent aller Kampagnen.

Jetzt hat eine der Hinterbliebenen gegen den vermeintlichen Wohltäter Anzeige erstattet. Der Chemnitzer Polizeisprecher Andrzej Rydzik bestätigt: "Es liegt eine Strafanzeige wegen Untreue gegen den Initiator des Spendenaufrufs vor." Eine TAG24-Anfrage ließ Robby unbeantwortet.

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"Ich finde es schlimm, das Leid so auszunutzen", erklärt Sandra. Die falsche Aktion sei ein Schlag ins Gesicht für die Hinterbliebenen der Leute, die bei dem Unfall gestorben sind. Der siebenjährige Sohn von Melanie wächst mittlerweile bei Sandra und ihrem Freund Marco (43) auf. "Er weiß, dass die Mama nicht wiederkommt, aber er sagt zu mir: 'Ich habe dich jetzt.'"

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