Hier lassen sie in Sachsen den Whisky im Stollen reifen

Freiberg (Sachsen) - Tief unter Freiberg, auf der ersten Sohle des alten Silberbergwerks "Reiche Zeche", reift ein Whisky, der alles andere als gewöhnlich ist.

Manufaktur-Chef Hans-Michael Eßlinger (70) muss beim Prüfen der Whisky-Fässer gebückt stehen - denn im Stollen ist es eng.
Manufaktur-Chef Hans-Michael Eßlinger (70) muss beim Prüfen der Whisky-Fässer gebückt stehen - denn im Stollen ist es eng.  © Jennifer Brückner/dpa

Der Abstieg erfolgt dabei im Förderkorb 147 Meter in die Tiefe. Dann führt ein schmaler Stollen zu einer Tür mit der Aufschrift "Sprengmittellager". Doch dahinter lagert nicht etwa Dynamit, sondern 16 Eichenfässer gefüllt mit Whisky der Freiberger Whisky Manufaktur.

Im Bergwerk soll die Spirituose besonders gut reifen. Woran das liegt, wird noch erforscht, weiß Hans-Michael Eßlinger (70).

Der Diplom-Ingenieur für Brauwesen und Getränketechnologie war viele Jahre Chef der Freiberger Brauerei und vor etwa zehn Jahren Mitbegründer der Whisky Manufaktur.

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"Whisky ist der große Bruder vom Bier. Es sind die gleichen Rohstoffe, nur ohne Hopfen. Und es ist mit der Destillation eine Stufe mehr als beim Bier", erklärt Eßlinger.

In dem Versuchsbergwerk, wo die "1. Sohle" reift, soll der Whisky bald nicht mehr nur drei, sondern fünf Jahre gelagert werden.
In dem Versuchsbergwerk, wo die "1. Sohle" reift, soll der Whisky bald nicht mehr nur drei, sondern fünf Jahre gelagert werden.  © Fotomontage/Jennifer Brückner/dpa

In Freiberg entstehen jährlich 1000 Flaschen Whisky

Laut Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie gehört Whisky mit einem Anteil von 12,4 Prozent zu den Top-Drinks der Deutschen.
Laut Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie gehört Whisky mit einem Anteil von 12,4 Prozent zu den Top-Drinks der Deutschen.  © Jennifer Brückner/dpa

Klar ist, dass unter Tage konstante minus zwölf Grad, hohe Luftfeuchtigkeit und ein stabiler Luftzug herrschen. Das wirkt sich direkt auf die Reifung aus: Im Gegensatz zur Lagerung über Tage steigt der Flüssigkeitsstand in den Fässern, statt zu sinken.

Gerade diese Besonderheiten machen den Standort auch für die Wissenschaft interessant. Deshalb stehen die Fässer im Versuchsbergwerk der Bergakademie. Dort untersuchen Forscher sowohl den Einfluss des unterirdischen Klimas auf die Mikrobiologie als auch auf die Aroma-Bildung.

Denn bisher ist deutscher Whisky Mangelware. Kassenschlager war 2024 schottischer Whisky mit 19,3 Millionen verkauften Flaschen. In Freiberg entstehen hingegen jährlich nur rund 1000 Flaschen.

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Doch um die Menge geht es den Freibergern gar nicht, sondern um Qualität: Deshalb soll der Whisky auch künftig fünf statt drei Jahre im Bergwerk reifen.

Titelfoto: Fotomontage/Jennifer Brückner/dpa

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