Lieber Görlitz als ein Job bei der NASA: Warum sich Spitzenforscher für Sachsen entscheiden
Görlitz - Lieber DZA als NASA. Das Deutsche Zentrum für Astrophysik sucht weltweit nach Spitzenpersonal. Und in der Tat entscheiden sich immer mehr Forscher für Sachsen.
"Ich habe nicht drei Monate Probewohnen gebraucht", sagt Pavlo Plotko (29) lachend. Er wurde im ostukrainischen Charkiw geboren und arbeitet am Deutschen Zentrum für Astrophysik, das derzeit in Interimsräumen im historischen Postamtsgebäude der Görlitzer Altstadt untergebracht ist.
"So eine Chance, ein großes Forschungsinstitut von Null an mit aufzubauen, bekommt man vielleicht einmal im Leben." Plotko verließ die Ukraine während der Pandemie, um in Berlin zu promovieren.
Während er seine Doktorarbeit schrieb, begann Russland den Angriffskrieg.
Die Astrophysikerin Kristen Lackeos (43) wuchs im konservativ geprägten Süden der USA im US-Bundesstaat Alabama auf. Der Aufstieg von Donald Trump (80) hätten sie politisch sensibel gemacht.
Astrophysikerin verarbeitet Signaldaten aus dem All
Kristen Lackeos sorgt sich heute um die Sicherheit von Minderheiten und die Wissenschaft in den USA. Von Görlitz hatte sie noch nie gehört, als sie sich für die Arbeit am DZA entschied.
Für die US-Raumfahrtbehörde NASA forschte sie an Gravitationswellen im All.
In Sachsen verarbeitet sie Signaldaten aus dem All, etwa um das Verschmelzen Schwarzer Löcher zu verstehen. Sie fühlt sich an der Neiße sicher und wohl. "Ich weiß aber, dass es auch andere Erfahrungen gibt – etwa für Menschen, die sichtbar einer Minderheit angehören."
Kristen Lackeos vergleicht die Situation in der Lausitz mit ihrem früheren Zuhause Huntsville in den 1950er- und 60er-Jahren, als die Stadt zur "Rocket City" wurde. "Damals hat der Raumfahrtsektor eine ganze Region verändert. Es ist spannend zu sehen, ob etwas Ähnliches hier passieren kann."
Rund 115 Menschen aus 16 Nationen arbeiten derzeit fürs DZA. Bis 2038 soll ihre Zahl auf etwa 1000 anwachsen. Gegenwärtig arbeite man daran, das historische Kahlbaum-Areal (ehemaliges Sanatorium) als Standort herzurichten.
Titelfoto: Robert Michael/dpa

