Görlitz - Eine engere Kooperation mit dem Städtischen Klinikum Görlitz soll den Weiterbestand des St. Carolus Krankenhauses sichern. Die Schließung von Abteilungen und Kündigungen sind einkalkuliert.
Die Notaufnahme des St. Carolus Krankenhauses wird zum 1. Oktober geschlossen. Parallel dazu soll die Notfallversorgung für Görlitz zentral am Städtischen Klinikum gebündelt werden, teilte der Träger von St. Carolus mit.
Danach wird zum Jahresende auch die Intensivmedizin im Haus geschlossen. Durch die Kooperation sei der Erhalt beider Krankenhausstandorte in Görlitz erreicht worden, sagte Carolus-Geschäftsführer Lutz Möller (52).
Von der Umstrukturierung sind 120 von insgesamt rund 270 Mitarbeitern betroffen. Aus welchen Bereichen, sei noch offen, hieß es auf Anfrage. Beabsichtigt sei, möglichst vielen Betroffenen eine berufliche Perspektive im Klinikum Görlitz anzubieten, so Geschäftsführerin Ines Hofmann (49).
Träger des St. Carolus ist die Gesellschaft für Gesundheit und Versorgung Sachsen (GGS) mit Sitz in Hamburg. Zur GGS gehört seit 2021 auch das St. Johannes Krankenhaus Kamenz. Dort wird Ende des Jahres die Geburtsklinik geschlossen.
Immer mehr Notaufnahmen in Sachsen schließen
Laut der Plattform handelsregister.ai sind 88 Prozent der Gesellschafteranteile im Besitz der Hamburger Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft WCAP.
Die Kontrolle liegt nach Recherchen des Autors Rainer Bobsin aus dem Jahr 2022 jedoch bei der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Summit Partners, vermittelt über eine Holding in Luxemburg. Eine Anfrage in Kamenz zu den Eigentumsverhältnissen blieb unbeantwortet.
In Sachsen wurden in den vergangenen Jahren bereits Notaufnahmen in Zwickau (2022) und Dippoldiswalde (2023), Geburtskliniken in Grimma und Lichtenstein (beide 2023) sowie in Freital (2024) geschlossen. Auch die öffentlichen Sparzwänge setzen den Kliniken zu.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt wegen der Veränderungen im Gesundheitssystem - Stichwort: Beitragsstabilisierungsgesetz - schon seit Längerem vor einem Kliniksterben.
"Es ist damit zu rechnen, dass jede zweite Klinik pleite geht", so Verbands-Chef Gerald Gaß (63) gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.