Spektakel in der Oberlausitz: Tausende Zuschauer verfolgen Osterreiten der Sorben

Von Jörg Schurig

Panschwitz-Kuckau - Das traditionelle Osterreiten der Sorben hat in der Oberlausitz einen wahren Ansturm von Schaulustigen ausgelöst.

Tausende Zuschauer haben sich am Sonntag in der Region Oberlausitz eingefunden, um die Prozession der sorbischen Osterreiter zu verfolgen.  © Sebastian Kahnert/dpa

An den einzelnen Orten folgten bei frühlingshaften Temperaturen jeweils Tausende Zuschauer dem Ritual. Osterreiter tragen am Ostersonntag in Prozessionen die Botschaft von der Auferstehung Christi in die Nachbarpfarrei. 

Nach Angaben der Polizei kam es zu zwei kleineren Zwischenfällen. In der Kleinseidau (Landkreis Bautzen) ging ein Pferd durch, rannte einen Mann um und verletzte ihn leicht.

Bei einem anderen Osterritt wurde eine weitere Person von einem Pferd getreten. Sie erlitt gleichfalls leichte Verletzungen.

Sachsen Kanufahrer auf sächsischer Talsperre gekentert: Diese Camper werden zu Lebensrettern

Nähere Angaben lagen der Polizeidirektion Görlitz zunächst nicht vor.

Anzeige

Osterreiter-Tradition reicht bis zum 15. Jahrhundert zurück

Bei den Osterreitern der Sorben dürfen bis heute nur Männer im Sattel sitzen.  © Sebastian Kahnert/dpa

Die Osterreiter (sorbisch: křižerjo - Kreuzreiter) verkünden auf festlich geschmückten Pferden die Osterbotschaft mit Chorälen und Gebeten vorwiegend in sorbischer Sprache.

Insgesamt waren in der sorbischen Oberlausitz neun Prozessionen aus acht katholischen Pfarrgemeinden und dem Kloster St. Marienstern unterwegs. Rund 1500 Reiter bewegen sich dabei in der Region zwischen Kamenz (Kamjenc), Hoyerswerda (Wojerecy) und Bautzen (Budyšin).

Solche Prozessionen hoch zu Ross haben nach Angaben des Bistum Dresden-Meißen schon Ende des 15. Jahrhunderts in dieser Gegend stattgefunden.

Sachsen Mit schicker Post-Torte: Neues Zustellzentrum in Sachsen eröffnet

Die Wurzeln des Brauches reichten wahrscheinlich bis in vorchristliche Zeiten zurück, hieß es. Durch Ritte um das Feld glaubte man, die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen beschützen zu können. Unter dem Einfluss des Christentums habe sich das in christliche Prozessionen verwandelt.

Eine Regel gilt noch heute: Nur Männer dürfen im Sattel sitzen. Hoch zu Ross singen sie Lieder, die von der Auferstehung künden. Unter dem Geläut der Kirchenglocken führt die Prozession in der Regel von der Heimatkirche um die Felder bis ins nächste Dorf. Alle Reiter tragen schwarze Zylinder, Gehröcke und weiße Handschuhe. Auch die Pferde werden geschmückt.

Mehr zum Thema Oberlausitz: