"Politisches Versagen": Offener Brief kritisiert Vorgehen bei der maroden agra-Brücke bei Leipzig
Markkleeberg/Leipzig - Die agra-Brücke in Markkleeberg in der Nähe von Leipzig ist in keinem guten Zustand. Eine Sonderprüfung im November zeigte, dass die Zeit des Bauwerks aus Hennigsdorfer Spannstahl dramatisch schnell herunterläuft. Die Landesregierung präsentierte Anfang des Jahres Pläne für eine neue Brücke – doch aus der Region kommt erneut Widerstand.
Am Dienstag wurde ein offener Brief von der Kulturstiftung Leipzig an die sächsische Staatskanzlei veröffentlicht. Unterschrieben haben unter anderem Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (67, SPD), Markkleebergs Oberbürgermeister Karsten Schütze (59, SPD) und Henry Graichen (49, CDU), Landrat des Landkreises Leipzig.
Seit 2008 fordern die Städte statt einer neuen Brücke eine Alternative, wie eine Tieferlegung der Bundesstraße. Land und Bund unterstützten die Pläne mehrfach. "Darauf haben die betroffenen Bürgerinnen und Bürger vertraut", heißt es in dem Brief.
"Die Landesregierung hat es aber versäumt, die zugesagte Planung einer Tunnellösung voranzutreiben, obwohl der marode Zustand der Brücke seit Langem bekannt ist", so die Kulturstiftung. Sie sprechen von "politischem Versagen", das dazu führt, dass ein großer Fehler der DDR-Zeit wiederholt und die Brücke neu gebaut wird.
Die Stiftung sowie mehrere Bürgervereine kritisieren, dass der agra-Park durch die in den 1970er-Jahren errichtete Brücke zerschnitten wird. Sie bezeichnen den Bau als "einen Akt des Raubbaus an Natur und Kulturlandschaft".
Jetzt kostenlos für den News-des-Tages-Newsletter anmelden!
Landesamt sieht eine Lösung, deren Arbeiten ein Jahrzehnt dauern würde, als "untragbar"
In dem offenen Brief wird gefordert, dass umgehend "Pläne für eine Tieferlegung der Trasse im Tunnel oder einem teilweise überdeckelten Trog" entwickelt werden.
Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV) setzt aktuell die Maßnahmen im Auftrag des Verkehrsministeriums um. Auf ihrer Webseite gibt es mittlerweile eine FAQ-Seite, wo auch zu Tunnel- und Trog-Forderungen Stellung bezogen wird.
Daraus geht hervor, dass eine Tunnel-Lösung vom Bund nicht finanziert werden und länger dauern würde. "Eine Lösung, deren Genehmigung unsicher ist und die über ein Jahrzehnt dauern würde, ist für die Region untragbar", so das LASuV.
Eine Trog-Variante wäre ebenfalls teuer und müsste mit Pumpanlagen entwässert werden, was ebenfalls Kosten verursachen würde. Kritisch wären außerdem die Umweltauswirkungen und es müssten weitere Verbindungsbrücken gebaut werden.
Damit sind die alternativen Pläne vom Tisch. Ob der offene Brief eventuell noch einmal ein Umdenken anstoßen kann, wird sich zeigen. Die angespannte Haushaltslage in Deutschland und in Sachsen könnte dem aber im Weg stehen.
Titelfoto: Bildmontage: Sebastian Kahnert/dpa; Jan Woitas/dpa

