Hochwasser sitzt sächsischen Gemeinden noch mächtig in den Knochen: "Angehört wie Krieg"

Reinhardtsdorf-Schöna/Bad Schandau - Auf den Tag genau heute vor fünf Jahren verwandelte sich die Sächsische Schweiz in eine Wasserhölle. Innerhalb weniger Stunden wurden friedliche Bäche zu zerstörerischen Fluten, Orte von der Außenwelt abgeschnitten und Straßen weggerissen. Was sich am 17. Juli 2021 abspielte, haben die Bürgermeister von Reinhardtsdorf-Schöna und Bad Schandau bis heute nicht vergessen.

Bürgermeister Andreas Heine (42) machte sich kurz nach dem Unwetter ein Bild am Hirschgrund.  © Marko Förster

"Das war schon ein besonderes Ereignis, was man so nicht wieder haben will", erinnert sich Andreas Heine (42, parteilos). "Ich wollte eigentlich meine Frau abholen, kam aber aus dem Ort gar nicht mehr raus, weil das Wasser des Reinhardtsdorfer Bachs einen halben Meter hoch auf der Straße stand."

Die Gemeinde traf es besonders hart. Zeitweise war sie von der Außenwelt abgeschnitten und nur noch über Forstwege erreichbar.

31 Schadensstellen wurden gezählt – so viele wie in keiner anderen Kommune Sachsens. Vor allem der Hirschgrund wurde verwüstet.

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In dem tief eingeschnittenen Tal schoss das Wasser mit gewaltiger Wucht Richtung Elbe. Alte Trockenmauern wurden weggerissen, eine Straße rutschte ab, Gebäude waren einsturzgefährdet.

Besonders eindrücklich blieb Heine eine Schilderung der Anwohner: "Sie haben mir erzählt, es habe sich angehört wie im Krieg – weil riesige Steine durch den Bach gedonnert sind."

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Zahlreiche Straßen wurden gefluteten und vom Schlamm verstopft.  © xcitepress
Nach dem Unwetter gab es allerhand zu tun bei den Aufräumarbeiten im Kirnitzschtal in Bad Schandau.  © Daniel Förster

Bad Schandaus Bürgermeister erinnert sich an dramatische Stunden

Eine Familie in Bad Schandau hatte es besonders hart getroffen. Thomas Kunack (48), der damalige Innenminister Roland Wöller (55, CDU) und Landrat Michael Geisler (66) machten sich ein Bild.  © Marko Förster

Allein die Schäden im Hirschgrund werden auf 25 Millionen Euro geschätzt. Die Beseitigung wird voraussichtlich noch bis 2033 dauern.

Auch Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack (48, WV Tourismus) erinnert sich an dramatische Stunden.

"Ich stand vor meinem Haus, kam aber nicht über die Straße, weil der Krippenbach einen guten halben Meter hoch darüber floss." Bis halb drei Uhr nachts war er gemeinsam mit Feuerwehr und THW unterwegs.

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Unvergessen sind auch für ihn die Geräusche der Flut: "Wenn größere Steine durch das Bachbett rollen – dieses Geräusch ist Wahnsinn."

Meterhoher Schlamm, umgestürzte Bäume und zerstörte Grundstücke prägten das Bild. Immerhin: Trotz Hunderter Einsätze und enormer Schäden wurde niemand verletzt.

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