Sächsische Schweiz wird gefeiert, Kritik gibt's aber auch: Licht und Schatten zum Ehrentag

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Bad Schandau - Am Sonntag wird europaweit der "Tag der Parke" begangen. Er geht auf den 24. Mai 1909 zurück, an dem in Schweden erstmals neun Nationalparks als Schutzgebiete dieser Art in Europa ausgewiesen wurden. Auch Deutschland besitzt 16 Nationalparks. Einer von ihnen, nämlich Deutschlands einziger nicht-alpiner Felsennationalpark, liegt in Sachsen. Der Nationalpark Sächsische Schweiz gilt als bedeutender Leuchtturm des Naturschutzes im Freistaat. Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten...

Blick auf die Basteibrücke kurz nach Sonnenaufgang
Blick auf die Basteibrücke kurz nach Sonnenaufgang  © Thomas Türpe

Lichtseiten

Mit etwa 94 Quadratkilometern ist der Nationalpark Sächsische Schweiz bundesweit der viertkleinste Nationalpark. Sein Schutzstatus begründet sich vor allem in der in Europa einmaligen Erosionslandschaft des Elbsandsteingebirges.

Durch die großen Höhenunterschiede zwischen Tafelbergen und Schluchten existieren klimatisch besondere Lebensräume, die das Überleben montaner und arktisch-alpiner Arten wie des Zweiblütigen Veilchens oder der Schwarzen Krähenbeere ermöglichen.

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Auch unter den Moosen, Flechten und Insekten existieren seltene Arten, die sachsen- oder bundesweit nur hier leben. Im vergangenen Jahr wurden allein 8000 Käfer aus 791 Arten in einem Monitoring-Programm bestimmt.

Auch die für Deutschland neue Käferart Dacne pontica, die eigentlich in Süd- und Südosteuropa beheimatet ist, wurde entdeckt.

In Stein gemeißelt: der Nationalpark Sächsische Schweiz.
In Stein gemeißelt: der Nationalpark Sächsische Schweiz.  © imago/Sylvio Dittrich
Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist ein Paradies für Wanderer und Kletterer.
Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist ein Paradies für Wanderer und Kletterer.  © IMAGO/Zoonar
Viele bedrohte Vogelarten wie der Uhu brüten im Nationalpark.
Viele bedrohte Vogelarten wie der Uhu brüten im Nationalpark.  © imago/imagebroker

Hotels, Gastronomie und umliegende Freizeiteinrichtungen profitieren

In den kühlen, feuchten Schlüchten fühlen sich auch die seltenen Feuersalamander wohl.
In den kühlen, feuchten Schlüchten fühlen sich auch die seltenen Feuersalamander wohl.  © imago/imagebroker

Sie gehört zu den sogenannten Urwaldreliktarten, von denen etwa 20, insbesondere totholzbewohnende Insekten und Pilze, im Nationalpark nachgewiesen werden konnten - auch weil 75 Prozent des Gebietes mittlerweile sich selbst überlassen werden.

Die unberührte Natur und die schönen Landschaften locken jedes Jahr etwa 1,7 Millionen Menschen in den Nationalpark, der mit 400 Kilometern markierter Wanderwege und mehr als 1000 Klettergipfeln ein beliebtes Wander- und Klettergebiet ist.

Davon profitieren Hotels, Gastronomie, umliegende Freizeiteinrichtungen und natürlich auch die Menschen und Kommunen in der Region.

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Gleichzeitig ist es Aufgabe des Nationalparks, das Naturbewusstsein in der Bevölkerung zu fördern. Im Jahr 2025 nahmen 12.314 Kinder und Jugendliche an mehr als 500 Naturbildungsprogrammen teil.

Nicht alles Gold, was glänzt

Offenes Feuer ist immer und überall verboten, auch beim Boofen.
Offenes Feuer ist immer und überall verboten, auch beim Boofen.  © Mike Jäger

Schattenseiten

Zu den beliebtesten Zielen von Besuchern zählen die Bastei, die Schrammsteine und das Kirnitzschtal. Solche Hotspots sind regelmäßig touristisch überlaufen - weshalb dem Nationalpark von Kritikern gern der Charakter eines "echten" Wildnis-Nationalparks abgesprochen wird - und belasten Wege, Tiere und Vegetation.

Um diese zu schützen, gelten für Besucher strenge Regeln, an die sich aber offenbar nicht jeder halten möchte. So sorgen illegales Campen, Müll und Lagerfeuer immer wieder für Probleme. Ebenfalls problematisch: Touristen geraten häufiger in Notsituationen.

So rückte die Bergwacht Bad Schandau im Vorjahr zu 54 Einsätzen aus. Für eine einfachere Lokalisierung der Verunglückten wurden gelbe Notrufpunkte mit einer vierstelligen Zahl an Wegweisern, Schutzhütten und Informationstafeln angebracht.

Auch das Motto "Natur Natur sein lassen" stößt auf Kritik.

Die Basteibrücke ist oft völlig überlaufen von Touristen.
Die Basteibrücke ist oft völlig überlaufen von Touristen.  © Robert Michael/dpa
Vom 1. Februar bis 15. Juni ist das Übernachten im Freien im Nationalpark absolut verboten. Doch nicht jeder hält sich daran.
Vom 1. Februar bis 15. Juni ist das Übernachten im Freien im Nationalpark absolut verboten. Doch nicht jeder hält sich daran.  © Marko Förster

Zu Konflikten führt auch Schutzstatus selbst

Im Nationalpark kann die Natur an vielen Stellen einfach Natur sein. Dazu gehören auch tote Bäume.
Im Nationalpark kann die Natur an vielen Stellen einfach Natur sein. Dazu gehören auch tote Bäume.  © Thomas Türpe

Die große Massenvermehrung der Borkenkäfer in den Jahren 2018 bis 2020 wurde von Privatwald-Besitzern gern auf den Nationalpark zurückgeführt, weil dort das Schadholz kaum beräumt wurde. Dies wiederum war auch Auslöser einer großen Debatte nach den verheerenden Waldbränden im Jahr 2022.

Die Argumente: Das liegengelassene Holz hätte die Brände verschärft und die Herde seien wegen fehlender Waldstraßen nicht erreichbar gewesen. In einem Maßnahmenpaket wurden daraufhin Löschwasserzisternen errichtet sowie mobile Zisternen angeschafft. Außerdem wurden spezielle Rauchgassensoren installiert.

Zu Konflikten führt auch der Schutzstatus selbst. Einige Kommunen fühlen sich durch die Schutzauflagen eingeschränkt. So versucht Lohmen per Klage den Schutzstatus der Bastei aufheben zu lassen.

Hinterhermsdorf gab 2022 symbolisch seinen Titel "Nationalparkgemeinde" zurück und schloss sich der Forderung einer Hohnsteiner Bürgerinitiative an, dass der Nationalpark zum Naturpark umgewidmet werden soll.

Nicht jeder hält sich ans Verbot, offenes Feuer zu machen.
Nicht jeder hält sich ans Verbot, offenes Feuer zu machen.  © Mike Jäger
Bei unangekündigten Großeinsätzen kontrollieren Polizei und Nationalparkwacht nachts, ob jemand illegal Feuer macht.
Bei unangekündigten Großeinsätzen kontrollieren Polizei und Nationalparkwacht nachts, ob jemand illegal Feuer macht.  © Marko Förster

Schutzgebiete im Überblick

Ein Schild das auf ein Landschaftsschutzgebiet hinweist.
Ein Schild das auf ein Landschaftsschutzgebiet hinweist.  © Paul Zinken/dpa

Nationalparks sind sogenannte Wildnisgebiete, in denen die Natur sich selbst überlassen ist. Der Schutz der biologischen Vielfalt hat oberste Priorität und wird mit touristischer Erholung und Umweltbildung verknüpft.

Naturschutzgebiete (NSG) wollen den Erhalt und die Wiederherstellung seltener Lebensräume samt bedrohter Tier- und Pflanzenarten erreichen. Sie umfassen meist nur wenige Hektar. Übrigens: Die berühmte Naturschutzeule ist ein Überbleibsel der DDR. Das Symbol wurde 1950 vom ostdeutschen Naturschützer Kurt Kretschmann (†92) entworfen. Nach der Wende wurde das Symbol bundesweit übernommen.

Landschaftsschutzgebiete (LSG) machen fast ein Drittel der Fläche Deutschlands aus. Sie haben zum Ziel, das Landschaftsbild zu erhalten und den Raum vor Zersiedlung zu schützen. Nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Angeln sowie Freizeitnutzung sind erlaubt.

Naturparke sind große Kulturlandschaften. Naturschutz, Landnutzung, Tourismus und Erholung werden gleichrangig gefördert.

Biosphärenreservate sind von der UNESCO ausgezeichnete Modellregionen, in denen Mensch und Natur Hand in Hand gehen sollen. In den streng geschützten Kernzonen darf der Mensch nicht eingreifen.

Natura-2000 ist ein Netzwerk von EU-Schutzgebieten, die sich aus Fauna-Flora-Habitaten und Vogelschutzgebieten zusammensetzen und auf EU-Richtlinien basieren. Sie überschneiden sich häufig mit deutschen Schutzgebieten.

Ein Schild mit der Aufschrift "Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft Freistaat Sachsen" informiert über eine Naturschutzzone.
Ein Schild mit der Aufschrift "Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft Freistaat Sachsen" informiert über eine Naturschutzzone.  © Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa
Auf der Hornisgrinde im Nordschwarzwald steht ein Schild mit der Aufschrift "Naturschutzgebiet".
Auf der Hornisgrinde im Nordschwarzwald steht ein Schild mit der Aufschrift "Naturschutzgebiet".  © Uli Deck/dpa
Je nach Schutzstatus sind die Regeln strenger.
Je nach Schutzstatus sind die Regeln strenger.  © Sebastian Willnow/dpa
Selbsterklärend: Dieses Schild weist auf den Nationalpark Sächsische Schweiz hin.
Selbsterklärend: Dieses Schild weist auf den Nationalpark Sächsische Schweiz hin.  © imago/Joko
Schleswig-Holstein will bis 2027 mehrere neue Naturschutzgebiete schaffen.
Schleswig-Holstein will bis 2027 mehrere neue Naturschutzgebiete schaffen.  © Christian Charisius/dpa

Schon gewusst?

Am 28.04.1991 eröffnete der damalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (†91) offiziell den Nationalpark Sächsische Schweiz.
Am 28.04.1991 eröffnete der damalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (†91) offiziell den Nationalpark Sächsische Schweiz.  © Imago/Sächsische Zeitung
Schon in den 1990er-Jahren führte die Nationalparkwacht Besucher durch den Nationalpark.
Schon in den 1990er-Jahren führte die Nationalparkwacht Besucher durch den Nationalpark.  © Imago/Sächsische Zeitung

Dass die Sächsische Schweiz heute ein Nationalpark ist, war das Ergebnis der Friedlichen Revolution im Herbst 1989. Denn der Protest für Freiheit war auch ein Protest gegen Umweltschäden.

Schon 1976 plante eine Gruppe von Botanikern ein DDR-weites System von Großschutzgebieten. Im Januar 1990 bot sich dann die Chance, solch ein Programm aufzubauen.

In weniger als einem Jahr wurde das Nationalparkprogramm der DDR entwickelt, das quasi in letzter Minute vom DDR-Ministerrat in seiner letzten Sitzung am 12. September 1990 beschlossen wurde.

Darin wurden fünf Nationalparks (Vorpommersche Boddenlandschaft, Jasmund, Müritz, Sächsische Schweiz, Hochharz), sechs Biosphärenreservate (Südost-Rügen, Schorfheide-Chorin, Spreewald, Mittlere Elbe, Rhön, Vessertal) und drei Naturparks (Drömling, Schaalsee, Märkische Schweiz) unter Schutz gestellt und schließlich in die Zusatzvereinbarung zum Einigungsvertrag aufgenommen.

Titelfoto: Thomas Türpe

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