Oberwiera - Erst sollte es die große grüne Geldquelle werden, jetzt sorgt Sachsens einstiger Öko-Riese nur noch für kollektive Schlaflosigkeit. Weil ein sündhaft teures Windrad die Anwohner mit Dauer-Dröhnen in den Wahnsinn treibt, zieht der Betreiber nun die Reißleine.
"Holger, ich halte es nicht mehr aus!" Mit solchen Worten hätten ihn Einwohner verzweifelt beiseitegenommen und ihr Leid geklagt, erzählt Holger Quellmalz (CDU), ehrenamtlicher Bürgermeister von Oberwiera im Kreis Zwickau.
Der Quell des Übels: ein 169 Meter hohes Windrad, das seit Ende 2023 die Gemüter erhitzt und manchen Einwohnern den Schlaf raubt. Lange haben sie gegen die zehn Millionen Euro teure Anlage gekämpft, jetzt scheinen sie endlich am Ziel.
"Es klingt, als ob man aus einem Flugzeug steigt und die Turbine läuft noch", erklärt Quellmalz. Auch Anwohnerin Sarah Hahn (34), die nur 1000 Meter weiter wohnt, war völlig am Ende. Sie stellt klar: "Ich bin keine Windrad-Gegnerin", betont aber auch: "Doch die Geräusche haben einen wahnsinnig gemacht."
Selbst bei geschlossenen Fenstern im Obergeschoss gab es kein Entkommen: "Man muss sich das vorstellen, als ob die ganze Zeit ein Flugzeug über einem kreist."
Weitere Windrad-Pläne in der Umgebung: Bürgermeister kündigt harten Widerstand an
Der Betreiber versuchte alles: Nachtabschaltungen, Getriebetausch per Riesenkran. Doch nichts half! Hersteller Vestas spricht von einer "einmaligen Kombination standortspezifischer Rahmenbedingungen und anlagenspezifischer Charakteristika".
Weil nichts den Lärm stoppte, folgt Mitte Juli die radikale Konsequenz: Der zehn Millionen Euro teure Riese wird komplett abgerissen. Steuergelder fließen dafür nicht.
Laut Bundesverband Windenergie (BWE) ist so ein Rückbau wegen Lärms bundesweit absolut einmalig. Doch die Stimmung im Dorf ist nachhaltig gekippt. Ein zweites, baugleiches Windrad ist längst vom Tisch, gegen weitere Pläne im Umland kündigt der Bürgermeister harten Widerstand an.
Für den Orts-Chef steht fest, dass die Politik umdenken muss: Das "Schutzgut Mensch" müsse bei solchen Projekten endlich stärker in den Blick genommen werden.