Drama beim Ultralauf: Nach 388 Kilometern ist für Kim Gottwald der Traum vorerst geplatzt
Austin (USA) - Er kam, um etwas zu schaffen, was noch nie jemand in seinem Alter geschafft hat. Über mehrere Tage hinweg lief Extremsportler und Influencer Kim Gottwald (22) jede Stunde aufs Neue dieselbe Strecke. Immer und immer wieder dieselben 6,706 Kilometer und das so lange, bis nur noch ein Läufer ins Ziel kommt - das steckt hinter dem diesjährigen "Go One More"-Ultra-Marathon.
Als der US-amerikanische Fitnessunternehmer Nick Bare (35) im vergangenen Jahr die Teilnehmer für den anstehenden "Go One More"-Ultra in einem Instagram-Livestream vorlas, ahnte noch niemand, welche Wellen das doch so kleine Lauf-Event aus Austin (Texas) in Deutschland schlagen würde. Denn einer der zufällig gezogenen Wildcard-Teilnehmer war der damals noch unbekannte Lauf-Influencer Kim Gottwald aus Bochum.
Und so geschah es, dass durch einen Livestream des Events immer mehr Leute auf den jungen Sportler aufmerksam wurden. Am Ende verfolgten mehr als 200.000 Fans den jungen Deutschen - der 22-Jährige schaffte es sogar, den Ultra-Lauf nach unfassbaren 57 Runden - das entspricht rund 382 Kilometer - zu gewinnen (auch wenn er nicht der letzte Läufer auf der Strecke war, sondern das Rennen aufgrund eines Tornados abgebrochen werden musste).
Nach dem "Go One More"-Ultra nahm die Karriere von Kim jedoch erst so richtig Fahrt auf. Im Oktober des vergangenen Jahres veranstaltete er gemeinsam mit dem Ex-Fußballer und Weltmeister André Schürrle einen eigenen Ultra-Marathon im Backyard-Format. Auch hier ging Kim nach sage und schreibe 67 Runden und 448,9 Kilometern schließlich als Sieger hervor. Das Ziel für den diesjährigen "Go One More"-Ultra auf der Bare-Ranch in Texas war für den Bochumer klar: Er wollte als jüngster Athlet überhaupt die Benchmark von 100 Runden knacken. Das entspricht einer Distanz von über 670 Kilometern!
Auf seinem Instagram- und YouTube-Kanal ließ Kim seine Fans an seinem harten Training teilhaben. Selbst auf die texanische Hitze bereitete sich der 22-Jährige vor, indem er beispielsweise mit einem Saunaanzug sein Lauftraining absolvierte.
Doch am Ende sollte es genau diese Hitze sein, die seinen Traum - zumindest vorerst - zum Platzen bringt.
Deutscher Ultra-Läufer ist im Krankenhaus, doch das Rennen geht weiter
Der diesjährige "Go One More"-Ultra ist wahrlich nicht vom Wettergott gesegnet. Immer wieder suchten heftige Regenfälle die Ranch im texanischen Hinterland heim und setzten den Rundkurs wahrlich unter Wasser, sodass die Athleten teilweise bis zu den Knien im Wasser standen. Doch wie die Veranstalter im Briefing betont haben, geht das Rennen weiter - egal ob 40 Grad im Schatten oder sintflutartiger Regen.
Kim zeigte sich auf Instagram widerstandsfähig, doch am Ende erklärte sein Trainer Pawel Dregan: "Er ist dehydriert und überhitzt. Er braucht Eis. Und er kann aktuell nichts essen. Er bekommt nichts runter." Gerade in einem Format, das so lange geht, bis nur noch einer steht, ist Ernährung das A und O - kommt kein neuer Treibstoff in den Tank, bleibt die Maschine irgendwann stehen, egal wie gut gebaut sie auch sein mag.
Und genau dieses Schicksal ereilte offenbar auch den 22-Jährigen. Nach 58 Stunden Laufen, oft nur mit weniger als 15 Minuten Pause und rund 388 Kilometern, war Schluss. Der Name des deutschen Ultra-Athleten wird vom Scoreboard genommen, und er selbst befindet sich zur Kontrolle in einem nahe gelegenen Krankenhaus.
Das Rennen auf der Bare Ranch ist jedoch noch lange nicht vorbei. Mit dem US-Amerikaner Mark Dowdle (41) und dem Puerto Ricaner Kendall Picado Fallas (22) stehen noch zwei Läufer, die zu jeder vollen Stunde erneut antreten, um zu sehen, wer von ihnen die Schmerzen und Qualen länger ertragen kann.
Aktuell (Stand 13. April, 10.20 Uhr) befinden sich die beiden auf ihrer 64. Runde. Wenn sie diese beenden, haben sie rund 429 Kilometer in den Beinen.
Titelfoto: Fotomontage: Christoph Reichwein/dpa, Screenshot: instagram.com/kim.gottwald

