Deutschland - Seit dem Hoyzer-Skandal 2005 ist das Thema Wetten im Fußball ein ganz heikles. Spielern ist es verboten, auf eigene Partien zu setzen, Vereine schränken das Glücksspiel per Vertrag ein. Trotzdem gibt es immer noch Profis, die in den Bann des Spiel-Rauschs gezogen werden. Nun hat ein ehemaliger Spieler der Bundesliga und 2. Bundesliga anonym ausgepackt.
"Es ist wohl keine Übertreibung zu behaupten, dass in Fußballdeutschland jeder seinen Namen kennt", schreibt der "Stern" über den Ex-Profi, der erst vor Kurzem seine Karriere beendet haben soll und ein "hitziger Spieler" gewesen sei.
In seiner Shisha-Bar berichtet er, dass er durchs Pokern zum Wetten gekommen sei und dass er "schätzungsweise an rund 25 von 34 Bundesligaspieltagen pro Saison" auf die Partien gesetzt habe. Niemals auf die des Vereins, wo er gerade spielte, aber dennoch auf die Begegnungen der Konkurrenz.
"Ich muss zugeben: Ohne vorher einen Wettschein gekauft zu haben, haben mich viele Spiele nicht mehr gekickt. Richtigen Spaß hatte ich nur noch, wenn ich gewettet habe. Ich habe den Adrenalinkick gebraucht", gesteht er.
Die Wetten habe er aber nicht bei den gängigen Anbietern platziert, sondern über einen Bekannten, der ihm in seinem ersten Bundesliga-Klub vor 20 Jahren vorgestellt wurde, und mittels einer inoffiziellen und anonymen Website. Die betreibt der Bekannte mit anderen Leuten, alle paar Monate wird das Aussehen verändert.
Über eine anonyme Plattform werden die Sportwetten für Fußballer angeboten
"Ich habe einen Zugang, kann mich einloggen, fiktives Geld aufladen, muss aber kein echtes überweisen", berichtet der Ex-Profi, der seine Identität nicht öffentlich preisgeben will. Gezahlt und ausgezahlt wurde dann in bar und via Kurier.
Über all die Jahre habe er mit seinen Wetten rund eine Million Euro verzockt, sein höchster Gewinn lag bei 90.000 Euro an einem einzigen Abend. Neben Fußballspielen habe er auch auf Partien in der DEL und NHL (Eishockey) oder der NFL (American Football) gesetzt. Bei diesen Sportarten, von denen er laut eigener Aussage keine Ahnung hat, half ihm ein Bekannter, der selbst Eishockey-Profi war.
"Er hat mir geholfen, was er natürlich auch nicht durfte. Einmal meinte er, Team X spiele diese Woche mit der 2. Mannschaft, weil sich fünf Leute zu Hause schonen würden. Das wusste sonst kaum jemand, was für mich ein Vorteil war, aber trotzdem nicht heißt, dass die Mannschaft am Ende gewinnt", so der Ex-Fußballer.
In jeder Mannschaft habe es Spieler gegeben, die illegal wetten, die hätten sich automatisch gefunden. Seine Frau und seine Eltern sehen sein Wetten kritisch, er selbst sieht sich nicht als suchtgefährdet. "Meine Familie sagt auch, ich sei süchtig. Ich wehre mich dagegen, weil ich glaube, eine Sucht ist was Dauerhaftes. Rauchen ist eine Sucht. Muss man täglich machen. Ich könnte auch sechs Monate nicht pokern - und ich würde nicht sterben", erklärt er.
Auch nach seiner Karriere hat er das Spielen nicht beendet, auch wenn die Einnahmen natürlich nicht mehr vorhanden sind. Der Ex-Profi ist sicher, dass er jederzeit aufhören könne.
Solltet Ihr von Spielsucht betroffen sein, bietet die Telefonberatung zur Glücksspielsucht (BZgA-Telefonberatung) unter der Rufnummer 08001372700 von Montag bis Donnerstag zwischen 10 und 22 Uhr sowie von Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr anonym und kostenlos Hilfe an. Zudem existiert eine Online-Beratung, weitere Informationen und einen Selbsttest findet Ihr auf dieser Seite.