Bierhoff teilt in Özil-Doku gegen Ex-DFB-Präsidenten aus: "Öffentlich vorgeführt"

Gelsenkirchen - Spätes Eingeständnis? In der neuen ZDF-Dokureihe "Mesut Özil - zu Gast bei Freunden" über den Aufstieg und Fall des deutschen Weltmeisters äußern vor allem Oliver Bierhoff (57) und Ex-Bundestrainer Joachim Löw (66) ihr Bedauern. Ersterer stellt dabei auch den damaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel (64) an den Pranger.

Die neue ZDF-Doku "Mesut Özil - zu Gast bei Freunden" wirft nochmal einen Blick auf die Ereignisse, die im Nationalelf-Rücktritt des früheren Weltklasse-Spielmachers gipfelten.
Die neue ZDF-Doku "Mesut Özil - zu Gast bei Freunden" wirft nochmal einen Blick auf die Ereignisse, die im Nationalelf-Rücktritt des früheren Weltklasse-Spielmachers gipfelten.  © ZDF/Foto: picture alliance/Markus Gilliar

Mit schwermütiger Miene schaut Bierhoff in die Kamera, ehe er den Blick zu Boden richten muss. "Auf einmal kommt so eine Aussage vom Präsidenten, natürlich fühlt man sich da öffentlich vorgeführt. Und das weckt natürlich Emotionen", kritisiert er zwischendrin den Umgang des früheren Verbandschefs mit der ominösen Foto-Affäre um Recep Tayyip Erdoğan (72).

Kurz vor der Weltmeisterschaft, im Mai 2018, ließen sich İlkay Gündoğan (35) und Özil gemeinsam mit dem türkischen Staatsoberhaupt ablichten und lösten damit eine riesige Debatte aus. Pfiffe der eigenen Fans, instrumentalisierende Aussagen von AfD-Politikern und schließlich der medienwirksame Rücktritt des einstigen Weltklasse-Spielmachers nach dem frühzeitigen WM-Aus waren die Folge.

In einem dreiteiligen Statement rechnete Özil seinerzeit mit dem Deutschen Fußball-Bund, Grindel und zum Teil auch mit seinem Geburtsland ab. Zuvor hatte der DFB-Präsident im "kicker" nochmals eine öffentliche Entschuldigung vom Linksfuß gefordert.

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"Die ganze Presseerklärung und die Gründe habe ich nie gelesen", verrät Löw mit ähnlich bedauernden Gesichtszügen. "Erstens war mir das zu lang und zweitens war ich enttäuscht, weil ich es nicht von ihm persönlich gehört habe."

Ex-Bundestrainer Joachim Löw (66) spricht in einer neuen ZDF-Doku über das Nationalelf-Aus von Mesut Özil (37).
Ex-Bundestrainer Joachim Löw (66) spricht in einer neuen ZDF-Doku über das Nationalelf-Aus von Mesut Özil (37).  © ZDF/ZDF

ZDF-Doku skizziert turbulente Karriere von Weltmeister Mesut Özil

Oliver Bierhoff (57) bedauert die Geschehnisse rund um Mesut Özil (37) und seinen DFB-Rücktritt.
Oliver Bierhoff (57) bedauert die Geschehnisse rund um Mesut Özil (37) und seinen DFB-Rücktritt.  © ZDF/ZDF

"Ich hätte nicht gedacht, dass er so harte Worte findet und so hart gegen den Verband schlägt, weil man schon auch zwischen dem Verband und einzelnen Personen abstrahieren muss", gewährt Ex-Sportdirektor Bierhoff zudem Einblicke in seine Gefühlswelt.

Grindel hingegen sieht die Schuld für den Bruch weiterhin aufseiten des Özil-Lagers: "In dieser ganzen Affäre, vom Entstehen des Bildes bis zum Abschiedsbrief, glaube ich, dass das Management im Hintergrund eine große und bedenkliche Rolle gespielt hat", so der 64-Jährige.

Die dreiteilige Serie skizziert den bewegten Werdegang des 92-fachen Nationalspielers, der es als Enkel türkischer Gastarbeiter aus dem Gelsenkirchener "Affenkäfig", wie er und seine Freunde ihren Stamm-Fußballplatz tauften, bis zum Star von Real Madrid sowie Arsenal schaffte.

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Mit dem Integrations-Bambi im Gepäck führte Özil die Nationalelf zum Weltmeistertitel 2014 in Brasilien, doch im Fahrwasser ewiger Körpersprache-Debatten und Diskussionen um das Mitsingen der Nationalhymne änderte sich irgendwann die Windrichtung.

Weggefährten suchen Erklärung für den Fall von Mesut Özil

Per Mertesacker (41) spielte jahrelang mit Mesut Özil (37) zusammen und kommt in der neuen ZDF-Doku zu Wort.
Per Mertesacker (41) spielte jahrelang mit Mesut Özil (37) zusammen und kommt in der neuen ZDF-Doku zu Wort.  © ZDF/ZDF

Vom WM-Helden ist in der deutschen Öffentlichkeit heute ohnehin nicht mehr viel übrig. Inzwischen engagiert sich der ehemalige DFB-Kicker in der Erdogan-Partei AKP und macht aus seiner Nähe zu den rechtsextremen "Grauen Wölfen" tattoobedingt längst keinen Hehl mehr.

Journalisten, ehemalige Weggefährten wie Per Mertesacker (41), sein Vater Mustafa, sein früherer Klassenlehrer und zwei Ex-Berater versuchen, dafür eine Erklärung zu finden. Özil kommt nur in alten Interview-Schnipseln zu Wort, selbst wollte er sich nicht an der Serie beteiligen.

Die ganze Doku strahlt das ZDF ab dem 31. März (20.15 Uhr) aus, Ihr könnt sie Euch aber bereits jetzt vorab in der Mediathek anschauen.

Titelfoto: Bildmontage: ZDF, picture alliance/Markus Gilliar

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