Unter Klopp gab er sein Bundesliga-Debüt: Mario Götze bereut, dass er nicht zu ihm nach Liverpool gewechselt ist
Von Martin Kloth
Frankfurt am Main/New York - In einem Interview mit "The Athletic" am Rande der Fußball-WM erklärte Eintracht Frankfurts Mario Götze (34), was er am neuen Bundestrainer Jürgen Klopp (59) schätzt und sagte, dass er vor zehn Jahren fast bei Klopp in Liverpool gelandet sei.
Er möge an Klopp am meisten dessen kommunikative Art, meinte Götze. "Was er versteht, und was die meisten Trainer vielleicht nicht verstehen, ist, wie man mit Menschen umgeht", so der 34-Jährige. "Spieler führen, Erwartungen managen, die Mannschaft als Ganzes formen - das hat er perfekt verstanden. Er weiß genau, was er will und fordert." Deswegen sei Klopp so erfolgreich gewesen.
Götze selbst war nahe an einem Wechsel zum FC Liverpool unter Klopp. Rückblickend bereue er, stattdessen zu Borussia Dortmund zurückgekehrt zu sein. "Das war nicht die richtige Idee", sagte er.
Der 66-fache Nationalspieler, der 2014 mit seinem Finaltor gegen Argentinien der deutschen Elf den WM-Titel beschert hatte, war 2016 vom damaligen deutschen Meister FC Bayern München zum BVB zurückgekehrt. Unter Trainer Thomas Tuchel (52) hatten die Dortmunder mit ihrer besten Punktausbeute in der Bundesliga-Geschichte Platz zwei belegt.
"Ich dachte: 'Okay, ich kenne das Umfeld. Sie haben eine gute Mannschaft. Vielleicht können wir Bayern herausfordern'", begründete der Offensivspieler seine damalige Entscheidung.
Maria Götze besuchte Jürgen Klopp in Liverpool
Andere Optionen wären Clubs in Großbritannien oder Italien gewesen, verriet Götze nun, "aber diese Mannschaften spielten nicht in der Champions League".
Der FC Liverpool hatte unter Klopp, der das Team 2015 übernommen hatte, als Achter den Europacup verpasst. "Liverpool lag nahe. Klopp war dort. Ich war in Liverpool, um ihn zu besuchen", erzählte Götze.
Er bereue "zu 100 Prozent", nicht dorthin gewechselt zu sein. "Dann versuche ich zu verstehen: War es der Verein oder Klopp, der mich in Dortmund zu dem Spieler und Menschen gemacht hat, der ich war? Rückblickend hatte er einen enormen Einfluss auf mich und den Verein", erklärte der 34-Jährige.
2009 hatte Götze unter Klopp bei Dortmund als 17-Jähriger sein Debüt in der Bundesliga gegeben. Gemeinsam gewannen die beiden mit dem BVB zwei Meisterschaften sowie den DFB-Pokal.
Anspruchsdenken stand im Weg
Zugleich gab Götze zu, dass ihn sein persönliches Anspruchsdenken von einem Wechsel nach Liverpool abgehalten hat. Ihm habe die Idee sehr gut gefallen, zu Klopp zu gehen, aber der Verein sei in einer schwierigen Situation gewesen.
Liverpool habe in der Europa League gespielt, er aber sei vom FC Bayern gekommen, habe regelmäßig in der Champions League gespielt und immer das Halbfinale erreicht.
"Das waren meine Erwartungen. Ich verstand damals nicht, dass manche Dinge Zeit brauchen. Im Nachhinein ist es natürlich leicht, aber das ist eine wichtige Lektion für mich", gestand Götze.
Titelfoto: Carmen Jespersen/dpa

