Fußballer (19) binnen weniger Tage abgeschoben! Vorstandsmitglied traurig: "Geht mir sehr nahe"

Riesa - Als am vergangenen Freitagabend bei Sebastian Schwurack (42) von der BSG Stahl Riesa das Telefon klingelt und sich eine Dresdner Justizbehörde am anderen Ende meldet, ahnt das Vorstandsmitglied des Fußball-Landesligisten nichts Gutes. Ihm wird mitgeteilt, dass sich sein Stürmer Princewill Ishmael Chimenem (19) in Abschiebehaft befindet und die Rückführung in sein Heimatland Nigeria bevorsteht.

Princewill Ishmael Chimenem (19) war bei der BSG Stahl Riesa nicht nur aufgrund seines sportlichen Mehrwertes beliebt, sondern auch, weil er sich super integrierte.  © Mathias Kost

"Der Kontakt zu ihm selbst ist am Freitag gegen 18 Uhr abgebrochen, seitdem haben wir keine weiteren Informationen erhalten. Kurz zuvor hatte er uns noch geschrieben, dass wenn er die Kosten der Abschiebung nicht selbst tragen müsste, er womöglich auf Einladung wieder nach Deutschland zurückkommen könnte, doch in der Kürze der Zeit konnten wie diese finanziellen Mittel nicht auftreiben", erklärt Schwurack im Gespräch mit TAG24.

Wie die Landesdirektion Sachsen auf Anfrage unseres Portals mitteilt, wurde der Fußballer, der seit dieser Saison für die BSG auf Torejagd ging, tatsächlich am Mittwoch abgeschoben.

"Die abrupte Rückführung geht mir sehr nahe. Wir haben viel Herzblut in die Integration von Princewill reingesteckt und er war natürlich auch ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft", so Schwurack.

Fußball Cyber-GAU: Top-Secret-Daten von Neymar und Ronaldo im Netz geleakt

Dass dieser Moment kommen könnte, damit mussten die Bosse des Klubs immer rechnen, denn das Asylverfahren des jungen Mannes, der Anfang 2025 zunächst in Dortmund landete und dann nach Leipzig kam, wurde im Herbst 2025 bereits abgelehnt.

Über die Gründe konnte die Landesdirektion keine Angaben machen. "Es wurde wohl gesagt, dass in Nigeria die Möglichkeit besteht, innerhalb des Landes zu flüchten", erinnert sich Schwurack. Auch eine Klage dagegen vor dem Verwaltungsgericht Leipzig scheiterte.

Anzeige

30 Monate lang hat Princewill Ishmael Chimenem keine Chance mehr, nach Deutschland zurückzukommen

Vorstandsmitglied Sebastian Schwurack (42) geht die Abschiebung seines Spielers, für den der Verein monatelang kämpfte, extrem nahe.  © Mathias Kost

"Das Verwaltungsgericht Leipzig hat mit unanfechtbarem Urteil vom 17. April 2026 die Klage des Betroffenen gegen einen Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BBAMF), mit dem sein Asylantrag als unbegründet abgelehnt wurde, abgelehnt", teilte die Landesdirektion auf TAG24-Anfrage mit.

Die Hoffnung, dass Princewill, den alle liebevoll "Hermann" nannten, schnell zurückkommen kann, besteht nicht. "Eine Abschiebung hat ein Einreise- und Aufenthaltsverbot für die Bundesrepublik Deutschland und ggf. den Schengenraum zur Folge. Die Dauer dieser Verbote wurde seitens des BAMF für den Betroffenen auf 30 Monate ab dem Abschiebungstag festgesetzt", so die Landesdirektion.

Sechs Tore hatte Princewill Ishmael Chimenem in 19 Spielen in der Landesliga erzielt, doch nicht nur sportlich ist er ein Verlust für den Klub, sondern auch menschlich. Über Monate versuchte der Verein, sich um die Integration seines Spielers zu kümmern. Via Instagram hatte er sich selbst bei der BSG angeboten und im Probetraining alle überzeugt.

Fußball Fußball-Tragödie: 29-jähriger Landesliga-Kicker stirbt nach Spiel

"Er hatte, seit er bei uns war, an einem Sprachkurs teilgenommen und hätte im Juni sein B2-Zertifikat erreicht. Zudem hätte er bei einem Sponsor von uns die Möglichkeit erhalten, ab dem kommenden Jahr eine Ausbildung zu machen, bis dahin hätte er die anfangs bestehende Sprachbarriere überwunden gehabt", erklärt Sebastian Schwurack.

Am Donnerstag bekam Princewill Ishmael Chimenem seinen Pass, dann überschlugen sich die Ereignisse

In 19 Spielen erzielte der nigerianische Stürmer sechs Tore. Am Freitag muss sein Team nun ohne ihn antreten.  © Mathias Kost

Um die Ausbildung aufnehmen zu können, benötigte der 19-Jährige einen Pass, den er aber auf seiner Flucht verloren hatte. Laut Schwurack war Princewill am vergangenen Donnerstag in der Botschaft in Berlin, wo er offenbar einen neuen Pass erhielt.

Was als Grundlage für den Start einer Ausbildung im kommenden Jahr gedacht war, wurde dem Spieler zum Verhängnis.

Denn nur, wenn er im Besitz eines Passes ist, kann er auch abgeschoben werden. Als er das Dokument endlich in den Händen hielt, ging plötzlich alles ganz schnell in Sachen Abschiebung.

Am Freitagabend wurde den Verantwortlichen zeitnah bewusst, dass der Klub bei der Verhinderung der Abschiebung machtlos ist.

"Wir haben auf politischer Ebene versucht, Kontakt zum sächsischen Innenminister herzustellen. Dies ist uns leider in Kürze der Zeit nicht gelungen. Wir wurden an die Härtefallkommission verwiesen, doch die dort beschriebenen Prozesse haben nicht den Anschein gemacht, dass wir kurzfristig etwas erreichen können", so Schwurack.

Einen Antrag haben sie bei der Kommission aus diesem Grund nicht eingereicht. Schon am Freitag müssen der Verein und die Spieler in Riesa den Schock für 90 Minuten vergessen, dann treten sie im Heimspiel gegen den Dresdner SC an. Ohne ihren Stürmer, den sie so sehr ins Herz geschlossen hatten.

Mehr zum Thema Fußball: