Union Berlin: VAR das ausgleichende Ungerechtigkeit?

Berlin - Nach der krachenden 1:4-Heimpleite von Union Berlin gegen Werder Bremen sind die Gemüter hochgekocht. Ausschlaggebend ist wieder einmal eine diskussionswürdige Schiedsrichterentscheidung.

Steffen Baumgart (54, l.) nimmt Andras Schäfer (26) nach dessen Platzverweis in Empfang und verabschiedet ihn per Handschlag in die Kabine.
Steffen Baumgart (54, l.) nimmt Andras Schäfer (26) nach dessen Platzverweis in Empfang und verabschiedet ihn per Handschlag in die Kabine.  © Soeren Stache/dpa

In der 19. Minute zückte der Unparteiische Timo Gerach (39) für viele Beteiligte überraschend die Rote Karte und stellte Andras Schäfer (26) wegen groben Foulspiels vom Platz – eine Beurteilung, die den Eisernen sauer aufstieß.

"Ist es oberhalb vom Knöchel? Ist es nicht? Dann ist es keine Rote Karte", bewertete Rani Khedira (32) die spielentscheidende Situation am DAZN-Mikrofon. "Ist dann eine Fehlentscheidung. Warum er die nicht revidieren kann, müssen wir jemand anderes fragen", fand er klare Worte.

In der Zeitlupe war deutlich zu erkennen, dass Schäfer seinem Gegenspieler Jens Stage (29) auf den Spann trat. Dennoch griff der VAR nicht ein. Das konnte auch Khedira nicht nachvollziehen: "Er sagt im Spiel: Ist klar über Knöchel – wurde wohl überprüft. Aber dann weiß ich nicht, was die im Kölner Keller wieder gesehen haben?"

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Horst Heldt (56) bezeichnete den Platzverweis als "einen Schlüssel" zur Niederlage und sah ihn ebenfalls als "zu hart" an. "Für mich ist es eine Gelbe Karte, weil es kein Tritt oberhalb des Knöchels ist, sondern es ist eine Bewegung zum Fuß", war sich auch Steffen Baumgart (54) sicher.

Stage wollte die Situation nach Spielschluss nicht bewerten: "Ich bin Fußballer, ich bin kein Schiri, das kann ich nicht sagen. Ich wurde getroffen, es tut weh und die Entscheidung liegt nicht bei mir", erklärte der Däne.

Hätte der VAR-Schiedsrichter Timo Gerach (39) eigentlich zweimal korrigieren müssen?
Hätte der VAR-Schiedsrichter Timo Gerach (39) eigentlich zweimal korrigieren müssen?  © Silas Stein/dpa

Union Berlin wird von Werder Bremen mit eigenen Waffen geschlagen

Niklas Stark (30, 2.v.l.) hält Ilyas Ansah (21, 2.v.r.) vor dem Strafraum fest – trotzdem hat Referee Timo Gerach (r.) auf den Punkt gezeigt.
Niklas Stark (30, 2.v.l.) hält Ilyas Ansah (21, 2.v.r.) vor dem Strafraum fest – trotzdem hat Referee Timo Gerach (r.) auf den Punkt gezeigt.  © Soeren Stache/dpa

Vielleicht könnte man in dem Fall von so etwas wie ausgleichender Ungerechtigkeit sprechen, denn nur wenige Minuten zuvor gab es auf der anderen Seite eine diskussionswürdige Entscheidung, über die im Nachhinein aber gar nicht diskutiert wurde, wohl weil die Bremer am Ende den Sieg davontrugen.

Beim Foul von Niklas Stark (30) an Ilyas Ansah (21) war in Slow Motion erkennbar, dass der Bremer Abwehrspieler den Haltegriff am FCU-Stürmer vor der Strafraumgrenze lockerte und sich Ansah dann erst in der Box fallen ließ.

Gerach zeigte sofort auf den Punkt und wieder griff der VAR nicht ein, um die Entscheidung zu korrigieren. Dann können wir den Videobeweis wirklich wieder abschaffen oder einfach den Stecker ziehen, wie es Anhänger von Preußen Münster im Spiel gegen Hertha BSC getan haben sollen.

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Von ausgleichender Ungerechtigkeit zu sprechen, wäre dennoch unangebracht, denn für rund 80 Minuten in Unterzahl zu spielen, wiegt schwerer als ein Gegentreffer nach einem zumindest fragwürdigen Strafstoß. Dennoch kann man gegen Werder auch mit einem Spieler weniger einen 1:0-Vorsprung über die Zeit retten, wie der SC Freiburg vor wenigen Wochen unter Beweis stellte.

Dass die Köpenicker am Ende auch noch mit den eigenen Waffen geschlagen wurden, ist natürlich besonders bitter, denn noch vor der Pause drehten die Hanseaten die Partie mit zwei Toren nach Ecke. Das sei "natürlich sehr enttäuschend", bemängelte Heldt die Standardgegentore, die man "auch in der Unterzahl verteidigen" könne.

Titelfoto: Soeren Stache/dpa (Bildmontage)

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