Fulda/Leipzig - Hinsetzen, reden! Das war der Tenor noch vor zwei Monaten, als die Fronten zwischen der BSG Chemie Leipzig und Ex-Trainer Miroslav Jagatic (50) bis aufs Äußerste verhärtet schienen. Bevor ein möglicher Rechtsstreit vor Gericht vielleicht eskaliert wäre, fanden beide Parteien Ende September doch noch zueinander - und gehen jetzt getrennte Wege.
"Wie sich das alles ergeben hat, dafür findet man eigentlich keine Worte. Auf einmal ging es ganz schnell. Ich habe mich jetzt im Guten getrennt mit Chemie und dann öffnet sich plötzlich eine neue Tür. Es ging Schlag auf Schlag", berichtet der Coach gegenüber TAG24.
Der Verein teilte nach dem klärenden Gespräch mit: "Das Vertragsverhältnis ist beendet, und es gibt keinerlei gegenseitige Ansprüche mehr." Das Band zwischen Grün-Weiß und Jagatic ist nach jahrelanger Zusammenarbeit getrennt - und der 50-Jährige sah sich plötzlich einer neuen Herausforderung entgegen.
Die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz aus der Regionalliga Südwest hatte angeklopft und wollte den Ex-Chemiker für den Abstiegskampf als Retter haben.
Jagatic nahm an und kehrte nach einem Jahr und neun Monaten auf die Trainerbank zurück.
"Die erste Zeit brauchte ich hier schon, um mich selbst zu sammeln. Wo ich das erste Mal dann aber wieder auf dem Platz war, war es für mich ein richtig schönes Gefühl. Der Geruch vom Rasen und dort an der Seitenlinie zu stehen: Es hat fünf Minuten gedauert und ich war wieder voll im Modus", berichtet der Coach.
Miroslav Jagatic trifft auf alten Bekannten Rene Klingbeil
Allerdings warteten direkt ein paar harte Brocken auf die SG und Jagatic. Im ersten Spiel gelang noch ein 1:1 gegen Aufstiegsaspirant Homburg. Es folgten aber Pleiten gegen Aalen (0:2) und Tabellenführer Heilbronn-Freiberg (0:3).
Aufatmen dann am vergangenen Wochenende: Gegen die zweite Mannschaft von Mainz 05 klappte es beim 3:1 mit dem ersten Sieg unter dem neuen Trainer.
"Nach dem Spiel ist wieder die komplette Hoffnung aufgeflammt und das merkt man gleich im ganzen Verein. Das war ja erst der zweite Saisonsieg, aber es war ein schönes Gefühl", so der 50-Jährige.
Am kommenden Wochenende kommt es dann zum Aufeinandertreffen mit einem alten Bekannten aus der Regionalliga Nordost, die man laut Jagatic übrigens gar nicht mit der Regionalliga Südwest vergleichen könne. Rene Klingbeil (45), unter anderem für den FC Erzgebirge Aue und Carl Zeiss Jena als Spieler unterwegs, ist jetzt Trainer beim Barockstadt-Gegner Hessen Kassel.
Fünf Punkte trennen die Teams aktuell in der Tabelle. Die lobenden Worte des 50-Jährigen: "Klinge hat sich auch weiterentwickelt, ist auch seinen Weg gegangen. Durch die lange Zeit in der Regionalliga Nordost ist der gegenseitige Respekt in jedem Fall da. Er ist nicht nur ein guter Mensch, sondern auch ein fairer Sportsmann."