Leipzig/Halle - Ein Beben ging am Dienstag durch Leutzsch! Stanley Ratifo (31) hat sich nach zwei Jahren im Trikot der BSG Chemie Leipzig für einen Wechsel zum Ligarivalen Hallescher FC entschieden. TAG24 hat sich mit dem Stürmer über seine Beweggründe unterhalten.
Um die zu verstehen, muss man etwas in der Zeit zurückgehen. Der gebürtige Hallenser war 2014 bereits Teil des HFC, war dort aber, wie er sagt "psychisch noch nicht bereit, Fuß in der dritten Liga zu fassen". Trotzdem war die Verbindung zu Stadt und dem "einen großen Klub" dort schon groß.
Ratifo blieb als Goalgetter im Spiel, entwickelte sich in Auerbach, Köln, Pforzheim und letztendlich bei Chemie weiter.
"Und jetzt ist es an der Zeit zu sagen: Du holst vielleicht die Meisterschaft in deiner Heimatstadt. All das, was du an Erfahrung gesammelt hast, bringst du auf den Platz, um das Maximum zu geben, um dieses Ziel zu erreichen. Und für mich, um danke zu sagen, dass ich mein Fußballerleben durch meine ersten großen Schritte hier so leben konnte. Das war mein größter Grund für den Wechsel."
Drei Wochen lang hätte sich der Nationalspieler Mosambiks ganz genau überlegt, ob er diesen Weg gehen will. Angebote mehrerer Drittligisten ließ er aus. Auch zu Erzgebirge Aue hätte er wohl gehen können. Am Ende wurde es aber der HFC, weil unter anderem Teamleiter Mario Nickeleit (56) dem Offensivmann ein gutes Gefühl gegeben habe.
"Ich bin ein Junge aus der Südstadt, einem Brennpunkt aus Halle an der Saale. Bin groß geworden zwischen Rassismus, Plattenbau und anderem Dreck. Ich war dort auf dem Bolzplatz und fand mit dem Fußball die Liebe meines Lebens. Und dann ist da der große Fußballklub – und du sagst dir als kleiner Stift, dass du da auch mal spielen willst."
Absprache zwischen Chemie Leipzig und Halle verlief nicht optimal
So gesehen war es also eher eine Entscheidung für Halle als eine gegen Chemie. Die Sachsen haben bis zuletzt alles versucht, um den Angreifer zu halten.
Von einem "Vertragspaket in einem bei der BSG Chemie noch nicht dagewesenen Umfang" war die Rede. Zudem sollte Ratifo Kapitän werden und hätte die Möglichkeit erhalten, auch nach seiner aktiven Karriere bei Grün-Weiß unterzukommen.
"Ich habe bei Chemie große Wertschätzung, viel Liebe erfahren. Ich bin da sehr dankbar. Die haben wirklich alles gegeben, dass ich bleibe. Aber ich habe mich jetzt so entschieden", so Ratifo, der sich aber bewusst war, welches Echo es geben könnte.
"Was ich für Nachrichten bekommen habe, Drohungen. Auch von Leuten, mit denen ich sehr gut war. Das ist schon krass. Da sind die letzten zwei Jahre irgendwie ganz schnell vergessen."
Insgesamt lief der Abschied nicht ganz so rund. Nach TAG24-Informationen war abgemacht, dass erst am Mittwoch der Wechsel öffentlich gemacht wird. Die Chemiker gaben aber schon am Dienstag ein eher beleidigt wirkendes Statement ab. Der HFC bedankte sich im Nachgang dann zynisch über eine "reibungslose Zusammenarbeit". Das schürt natürlich eher Feuer, was letztendlich eigentlich nur Ratifo trifft.
Der 31-Jährige: "Das war schon bisschen scheiße, wie das abgelaufen ist. Aber es gibt kein böses Blut. Ich hoffe für Chemie dieses Jahr einfach nur, dass sie nichts mit dem Abstieg zu tun haben, dass mein Abgang im besten Fall gar nicht so auffällt. Das wünsche ich mir."