Von Ulrike John
Frankfurt am Main - Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann sieht nach der enttäuschenden Saison "eine nach oben offene Lernskala für alle von uns". Dies sagte der 54-Jährige in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vor dem Start der immens wichtigen Vorbereitung auf die Bundesliga unter Trainerrückkehrer Adi Hütter (56).
"Ich habe intern sehr deutlich gemacht, dass wir ein paar Dinge verändern müssen: Haltung, Einsatzwille und Integrität", mahnte Hellmann. "Ich habe aus der letzten Saison viel mitgenommen. Ich habe erlebt, dass man im harten Wettbewerb der Bundesliga schnell an Boden verliert, wenn nicht alle Rädchen ineinandergreifen."
Eintracht Frankfurt hatte als Tabellenachter die Teilnahme an einem internationalen Fußball-Wettbewerb verpasst und sich nach nur wenigen Monaten von Chefcoach Albert Riera (44) getrennt.
"Ich will und werde seine fachmännische Qualität nicht bewerten. Ich war aber überrascht, wie wenig er bereit war, sich mit der Bundesliga, diesem Club und dem ganzen Umfeld auseinanderzusetzen", sagte Hellmann zum Fehlgriff mit dem Spanier.
Auch in der internationalen Vereinslandschaft sei man über die vergangene Spielzeit überrascht gewesen, "der Kommunikationsstil von Riera ging weit über unsere Landesgrenzen hinaus, weil wir eben in Europa ein Club sind, an dem sich viele orientieren. Das habe ich beim Champions-League-Finale in Budapest sehr oft gehört. Die gute Nachricht ist: Das kann man sehr schnell korrigieren."
Axel Hellmann: "Adi hat eine ganz andere Geschmeidigkeit, Eloquenz und Ausstrahlung"
Die Frankfurter setzen nun ganz auf den Österreicher Hütter, der bereits von 2018 bis 2021 die Eintracht trainierte.
"Adi hat eine ganz andere Geschmeidigkeit, Eloquenz und Ausstrahlung. Das hat jeder gemerkt bei seiner ersten Pressekonferenz und den folgenden Gesprächen", sagte Hellmann. "Er hat einen klaren Fokus, und er hat den Vorteil, zu wissen, dass zuvor bestimmte Dinge bei uns verrutscht sind."
Der Spitzenfunktionär sieht als eine fundamentale Erkenntnis aus der abgelaufenen Runde, dass viele Spieler nicht an ihr bestes Leistungsniveau gekommen seien.
"Vielleicht gab es nach unserem dritten Platz in der Saison 25/26 die Vorstellung, das werde schon einfach so weiterlaufen. Wir sind aber ein Club, der hart dafür kämpfen muss, sich für die europäischen Wettbewerbe zu qualifizieren", sagte der 54-Jährige und ergänzte: "Vielleicht hat jeder ein bisschen zu viel auf sich selbst geschaut. Hier habe ich gerade bei den Führungsspielern in der letzten Saison zu wenig Leadership gesehen."
Für die Eintracht-Profis stehen am 11. sowie 12. Juli Leistungstest und am 13. Juli das erste Mannschaftstraining an.