Cottbus - Die wundersame Reise ist vorbei! Für die U19 von Energie Cottbus war beim 0:4 (0:1) die TSG Hoffenheim im Viertelfinale eine Nummer zu groß. Nicht mehr dabei: Cheftrainer Alain Karim (39), der Teile der Truppe vor vier Jahren übernommen hatte und kurz vor dem K.o.-Spiel freigestellt wurde. TAG24 bringt Licht ins Dunkeln des Krach-Abschieds.
Was ist bekannt? Karim wurde am Mittwoch vor einer Woche mit sofortiger Wirkung freigestellt. Noch an diesem Tag soll Vereins-Urgestein Detlef Ullrich (70) das U19-Training geleitet haben. Energie will die Stelle des A-Junioren-Trainers anders besetzen. Dass Karim trotz des Erfolgs mit den A-Junioren keine Zukunft hat, ist nicht neu und wurde ihm kommuniziert.
Zuvor soll es am Dienstagabend in einem Streitschlichtungs-Termin zwischen Präsidium und Trainer gekracht haben, nachdem Karim in seinem WhatsApp-Status infolge des Viertelfinaleinzugs der U19 eine verunglimpfende Nachricht gestellt hatte.
Was war Anlass des Termins? So klar und selbstverständlich wie seit Monaten die Trennung von Karim schien, war sie nicht. Sein Arbeitspapier hatte sich nach mehrfacher Befristung ohne Sachgrund im Winter in einen unbefristeten Vertrag umgewandelt.
Darauf pochte der Trainer mit Recht und forderte den Verein zur Klärung der Vertragssache auf. Die Frage, warum erst jetzt, bleibt offen. Energie schlug dem scheidenden Trainer eine Abfindung vor. Karim nahm das Angebot an und zugleich in Kauf, im Gegenzug sofort gehen zu müssen und nicht weiter die Erfolgswelle der U19 zu reiten.
Um welche Summe geht es? Dazu ist nichts bekannt. Aussorgen tut man als Jugendtrainer aber in den wenigsten Fällen.
Energie Cottbus und Alian Karim waren inhaltlich länger nicht auf einer Linie - Trainer vermisste Wertschätzung
Was waren inhaltlich die Streitpunkte? Größere Differenzen soll es in puncto Spielsystem und Positionsprofile gegeben haben. Karim zog in der U19 seinen eigenen Stiefel durch, aber nicht die ausgegebene Spielphilosophie. Kritiker sagen, dass seine Truppe vor allem mit Ergebnisfußball und dank des älteren Jahrgangs Erfolge in der Meisterschaft feierte. Darüber hinaus kegelte sein Team den HSV und Mainz im DFB-Pokal raus.
Warum war auch Karim unzufrieden? Dem Vernehmen nach vermisste der U19-Trainer seit Längerem die Wertschätzung und Anerkennung innerhalb des Vereins für seine Arbeit. Dazu zählt auch, dass Cottbus einer der letzten Profiklubs ist, der über keine eigene U23 verfügt und über Jahre zig Talente verlor. Ein persönliches Problem für den Familienvater waren die befristeten Verträge und seine im Verein mangelnden Perspektiven.
Eigentlich sollte nach Ansicht einiger Beteiligten schon vorherigen Sommer Schluss sein. Nach hartem Ringen stand fest, dass Karim eine weitere Saison die A-Junioren begleiten durfte und sich zum Saisonende 2025/26 die Wege trennen sollten.
Wie geht es für Karim weiter? Der UEFA-A-Lizenz-Inhaber konnte die Saison für sich als Eigenwerbung nutzen, um jetzt den angestrebten nächsten Karriereschritt zu gehen. Nach TAG24-Informationen werden der Trainer und der ebenfalls scheidende Nachwuchsleiter Matthias Rahn (35) beim fast geretteten Regionalliga-Klub Greifswalder FC gehandelt.
Warum der Trainer mitten im Saisonfinale den Kontrakt zum Thema machte, ist nicht ganz klar. Möglicherweise war für Karim die Klärung Absicherung oder Voraussetzung, um für die Zukunft und einen neuen Vertragsabschluss vorbereitet zu sein, oder den Kontrakt als Druckmittel auf seinen Noch-Arbeitgeber zu nutzen. Seine Jungs ließ er mit seinem Vorgehen im Regen stehen.