Eises-Stimmung in Cottbus trotz Platz drei: "Das Glas ist immer halb leer"
Cottbus - Wer oder was hat Pele Wollitz (60) die Laune verhagelt? Auf der Pressekonferenz vor dem Schweinfurt-Spiel (Samstag, 14 Uhr) wirkt Energies personifiziertes Gefühlsbarometer matt und eingefroren, fast resigniert.
Wirklich Vorfreude mag im Cottbus-Lager vor dem ersten Heimspiel des Jahres nicht aufkommen. Der Dauerfrost in der Lausitz schlägt aufs Gemüt, erst 7500 Tickets sind für Schweinfurt verkauft.
Dabei rangiert Energie auf einem hervorragenden dritten Platz und blickt dem 60. Vereinsgeburtstag am 31. Januar entgegen. Doch unter anderem die schleppende Transfersuche nach dem "Gamechanger" setzt Wollitz sichtbar zu.
Am Dienstag vor einer Woche präsentierte sich der FCE-Trainer im Podcast von MagentaSport lächelnd und voller Energie. Davon ist nichts mehr übrig geblieben.
Am Donnerstag gesteht Wollitz ein: "Das Hier und Jetzt ist viel zu herausfordernd." Laut dem Energie-Trainer hätte man einen Transfer "gerne letzte Woche schon verwirklicht".
Es gehört nicht viel Fantasie dazu, dass Tolga Cigerci (33) das Objekt der Begierde war. Doch die Gehaltsvorstellungen des Ex-Bundesliga-Stars schweben in einer anderen Galaxie als in der Cottbuser Welt.
Energie Cottbus hat am Herbstmeistertitel zu knabbern - und handelt sich Absagen ein
Auch die Suche nach einer Alternative gestalte sich schwierig: "Bisher ist es halt so in den Gesprächen, die sind komplizierter in der Umsetzung, schwieriger, als ich vermutet habe", hält Wollitz nicht hinterm Berg.
Das Problem: Nach dem Weihnachtshoch und der Herbstmeisterschaft liegt wenige Wochen später eine bleierne Schwere über dem vereisten Cottbus.
Und Wollitz, sonst Kämpfernatur und Energiespender, vermag dieser Tage das Eis nicht zu durchbrechen: "Dieser Herbstmeistertitel ist mehr Schaden, als er uns hilft."
Will man seinen Worten Glauben schenken, befindet sich die Mannschaft in einer Art Winterstarre, beschäftige sich zu sehr damit, dass man etwas verlieren könne.
Vereinsgeburtstag, vereiste Plätze, überhöhte Erwartungen und Misstrauen prägen den Januar
Auch im Umfeld schossen die Erwartungen, angestachelt von dem ersehnten Cigerci-Double, in die Höhe. Der Auftakt in Saarbrücken (1:1), den man im Normalfall unterschreiben würde, sorgte unter den Fans für viel Verdruss.
Hinzu kommt: Der Verein werkelt im Hintergrund Tag und Nacht an einem würdigen Festakt zur 60-Jahr-Feier. Andere Themen bleiben dabei für den Moment auf der Strecke.
Wollitz vielsagend: "Vergangenheit ist wichtig. Aber wir dürfen nicht immer nur in der Vergangenheit leben. Wir brauchen auch die Gegenwart."
Und die ist im lange ungekannten Winter wenig erbaulich. Speziell die vereisten Plätze zwingen Energie seit drei Wochen zum Improvisieren. Wollitz ehrlich: "Ein ordentliches Training durchzuführen, ist aktuell nicht möglich."
Viele Rufe nach einem Wintertrainingslager wurden laut. Allerdings hat Wollitz einen Punkt, wenn er sagt, dass auch dies keine Garantie für einen runderen Rückrundenstart gewesen wäre.
Energies Trainer appelliert: "In dieser Dramatik ist es mir immer zu viel, das Glas halb leer. Deswegen wünsche ich mir Zusammenhalt, Vertrauen, Miteinander, um diesen Fußballklub da zu halten, wo er aktuell ist. [...] Wir sollten dankbar dafür sein, dass wir gerade in dieser Situation sind, und uns nicht noch künstlich unter Druck setzen."
Ein energiegeladenes Publikum, ein Heimsieg fürs Gemüt und ein gelungener Euphorie-Transfer könnten Energie aus dem Winterblues führen.
Titelfoto: Bildmontage: TAG24/Lukas Schulze; Frank Hammerschmidt/dpa

