Team-Aussprache, Taktik-Kniff, Spielergespräche – so schaffte Cottbus die Trendwende!

Cottbus - Spätestens seit Dienstagabend ist die Euphorie in der Lausitz grenzenlos, der Zweitliga-Aufstieg scheint für Energie Cottbus zum Greifen nah. Das war vor gut zwei Wochen anders. TAG24 sagt, wie es zur Trendwende und der Leistungsexplosion kam.

Volle Ränge am Dienstagabend: Die Euphorie in Cottbus ist zurück!  © TAG24/Lukas Schulze

Herrschte nach dem Ulm-Spiel und dem Abrutschen auf Platz fünf Tristesse, hat sich die Stimmung gewandelt. Aus Abgesang ist wieder Glaube geworden!

Pünktlich zum Saisonfinale sind die Fans wieder da, feierten am Dienstagabend schon weit vor Abpfiff den Sieg.

Genau wie die Mannschaft. Die Liga-Unterbrechung Ende März hat offensichtlich Wunder gewirkt. "Die Länderspielpause hat echt gutgetan, auch für die Köpfe mal ein bisschen Abstand zu gewinnen", meint Torjäger Erik Engelhardt (27).

Energie Cottbus Cottbus macht kurzen Prozess und beißt im Aufstiegskampf die Löwen weg!

Zum ganzen Geheimnis gehört auch, dass sich das Team nach dem Krampf-Auftritt gegen Ulm (1:1) zusammensetzte und gründlich aussprach. Das Ergebnis: "Die Energie ist wieder da", strahlt Engelhardt.

Der Dreierpacker von Dienstagabend erklärt stellvertretend fürs Team: "Vielleicht waren wir nicht so 100 Prozent überzeugt von uns selbst in den vorherigen Spielen, was jetzt wieder der Fall ist."

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Energie Cottbus hat gegen TSV Havelse und 1860 München das Momentum zurückgewonnen

Während 1860-Trainer Markus Kauczinski (56, r.) den Aufstieg abschreiben musste, sind Pele Wollitz (60, l.) und Energie Cottbus wieder voll im Rennen.  © TAG24/Lukas Schulze

Energie hat seine DNA zurückgefunden, tritt wieder offensiv, mutig und energetisch auf.

Die Freude brachte das Landespokalspiel gegen Sechstligist Blankenfeld-Mahlow (5:0) zurück. Energie lebt von seiner Intensität im Spiel, hat während der Liga-Pause die nötige Frische zurückerlangt. Und die Gemeinschaft:

"Das Wichtigste ist, dass wir alle an einem Strang ziehen", sagt der Torjäger, der seine Kollegen mit der ersten Ansprache seiner Karriere auf den 1860-Sieg einschwor.

Energie Cottbus Cottbus und Cigerci spielen sich gegen Havelse den Frust von der Seele - und ärgern sich trotzdem!

Tatsächlich spielte Energie selbst in der Dürre-Phase Mitte März selten schlecht, aber oft ohne Esprit.

Trainer Pele Wollitz (60) ordnet ein: "Vor zwei Wochen haben wir hier gesessen und da war wieder alles falsch. Jetzt soll wieder alles richtig sein."

Das Team bleibt als Einheit stark und stellt Einzelinteressen zurück

Dieser Jubel zeigte: Das Team ist eine Einheit.  © IMAGO / Steffen Beyer

Simon Straudi (27), seit Wochen einer der Besten, führt aus: "Es gehört dazu im Fußball, dass man immer ein bisschen Wellen hat. Wichtig ist, dass man da ruhig bleibt, der Mannschaft vertraut, dem Klub vertraut, dass man bei sich bleibt und das Ding macht. Vorher war nicht alles schlecht, jetzt ist nicht alles super."

Auch das Trainerteam drehte an den richtigen Stellschrauben, nahm dem arg verkopften Topscorer Tolcay Cigerci (31) viel Last von den Schultern.

Doch statt Cigerci auf die Bank zu beordern, nahmen sie den Einzelkönner raus aus dem Mittelpunkt und setzten ihn auf die Außenbahn.

Ein kluger Schachzug: Cigerci akzeptierte die Maßnahme und nahm die neue Aufgabe mit Bravour an – gegen Havelse trumpfte der Zauberfuß wieder auf wie zu seinen besten Zeiten in der Hinrunde.

Sein Trainer ergänzt: "Ich glaube, dass die Mannschaft nach einem schlechten Spiel gefestigter ist. Sie ist eine große Einheit."

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Youngsters wie Jannis Boziaris und Lukas Michelbrink bringen Leichtigkeit zurück

Tolcay Cigerci (31, l.) und Henry Rorig (26) spielen aktuell keine Hauptrolle – und nehmen diese Situation an. (Archivfoto)  © Robert Michael/dpa

Anstelle Cigerci wirbeln jetzt die Youngster Jannis Boziaris (22) und Lukas Michelbrink (20) mit erfrischender Leichtigkeit durchs Mittelfeld.

Und von der Bank gibt es Alternativen, die ihre Rolle annehmen. Henry Rorig (26), lange ein Stammspieler, kommt derzeit von der Bank. Wollitz wusste umso mehr um die Brisanz – und suchte wie schon mit Cigerci vor dem Löwen-Spiel das Gespräch mit dem Rechtsverteidiger.

Was außerdem Anklang findet: Wollitz und sein Team verkünden seit Neuestem immer am Morgen des Spieltags die Aufstellung. So weiß jeder über seine Rolle Bescheid.

Stand jetzt hat Energie das "Momentum" zurückgewonnen. Wollitz erneuert: "Ich hoffe, dass die Mannschaft bei sich bleibt. Wenn sie das macht, hat sie alle Chancen, die Sensation dieses Jahr zu schaffen."

Tabelle 3. Liga

POS VEREIN Sp. +/- Pkt.
1 VfL Osnabrück 32 54:27 64
2 Rot-Weiss Essen 32 65:50 61
3 FC Energie Cottbus 32 61:44 60
4 MSV Duisburg 32 55:42 57
5 FC Hansa Rostock 32 57:36 56
6 SC Verl 32 71:44 54
7 TSV 1860 München 32 47:43 50
8 Alemannia Aachen 32 57:52 48
9 SV Wehen Wiesbaden 32 43:40 48
10 SV Waldhof Mannheim 32 51:56 47
11 Viktoria Köln 32 46:44 44
12 SSV Jahn Regensburg 32 44:48 42
13 VfB Stuttgart II 32 40:51 42
14 FC Ingolstadt 04 32 51:44 40
15 TSG 1899 Hoffenheim II 32 59:58 39
16 1. FC Saarbrücken 32 42:47 37
17 SSV Ulm 1846 32 41:63 29
18 TSV Havelse 32 47:73 26
19 FC Erzgebirge Aue 32 37:60 24
20 1. FC Schweinfurt 05 32 30:76 17

Die Tabelle der 3. Liga hat folgende Bedeutung: Wer am Ende der Saison auf Platz 1 steht, ist Drittliga-Meister und steigt in die 2. Liga auf. Auch der Zweite steigt direkt auf. Platz 3 spielt mit dem drittletzten Platz der 2. Bundesliga um Aufstieg oder Verbleib in der Liga.

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