Warum ist Torwart-Trainer Wittmann weg? Sein Aus in Cottbus gibt Rätsel auf

Cottbus - Diese Meldung war eine Überraschung - im negativen Sinne. Nach insgesamt 16 Jahren endet für Anton Wittmann (31) eine Ära bei Energie Cottbus.

Der Abschied ist besiegelt: Anton Wittmann (31) und Energie Cottbus gehen getrennte Wege.  © IMAGO / Fotostand

Der ehemalige Sportschüler und langjährige Torwart-Trainer ist freigestellt. Dies hat der Verein inzwischen bestätigt.

Die Nachricht hatte kurz vor dem 60. Vereinsgeburtstag die Runde gemacht und für große Aufregung im Verein, Umfeld und auch der Szene gesorgt.

Nach TAG24-Infos wurden sowohl Teile des Trainerteams als auch die Mannschaft von der Nachricht überrascht. Auch Wittmann selbst soll im privaten Kreis zunächst perplex auf das abrupte Ende reagiert haben.

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Doch was steckt hinter der Freistellung und warum kommunizierte der Klub erst eine Woche später - ohne Nennung von Gründen und eines Zitats von Wittmann - die Trennung?

Zum einen wohl, um wenige Tage vor dem Vereinsjubiläum Fokus und Stimmungslage im Vereinsumfeld nicht ins Negative kippen zu lassen. Zum anderen, weil die Trennung ein Geschmäckle hat.

Energie will sich über das Statement hinaus nicht öffentlich äußern, auch Wittmanns Berateragentur lässt verlauten: "Die Trennung ist ein schwebendes Verfahren, daher können wir leider nichts zu der Angelegenheit mitteilen."

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Anton Wittmann ist in der Branche hochangesehen, war in Cottbus eine Konstante

Bewährtes Bild beim alljährlichen Fotoshooting: Wittmann verantwortete fast neun Jahre die Energie-Torhüter.  © Frank Hammerschmidt/dpa

Wittmann galt als absolute Konstante, als Bessermacher der Torhüter: Alexander Meyer (34), Avdo Spahic (28), Lennart Moser (26), Toni Stahl (26) und Elias Bethke (22) gingen alle in seine Schule und starteten eine größere Karriere.

Der 31-Jährige, der die höchste Torwart-Trainer-Lizenz besitzt (UEFA-A), gilt im Fußballosten als einer der Besten, fachlich und menschlich.

Ein Weggefährte beschreibt Wittmann als "absolut loyal" und fast schon "Harmonie-bedürftig". Der in Zeuthen Geborene und Wohnhafte war der dienstältester Akteur des Trainerteams, sah in fast neun Jahren drei Cheftrainer (Pele Wollitz zweimal) und zwei Interimstrainer kommen und gehen.

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Jetzt geht er. Oder muss gehen. So ganz klar ist das nicht. Was klar ist: Sein Abgang ist eng mit der Personalie Elias Bethke (22) verbunden.

Der hochtalentierte Keeper aus dem eigenen Stall war so etwas wie der Zögling Wittmanns, schaffte trotz fast halbjähriger Verletzung den Sprung in die 2. Liga zu Dynamo Dresden.

Elias Bethke galt als Schützling Wittmanns und könnte das Zünglein an der Waage gewesen sein

Anton Wittmann (l.) entwickelte Elias Bethke (22, r.) zu einem klasse Torhüter.  © Imago / Eibner

Der Wechsel Bethkes mag die logische Konsequenz gewesen sein, nicht der Auslöser des Abschieds. Wittmann galt als Bethke-Verfechter, während Cheftrainer Pele Wollitz (60) Ende November auf einer Pressekonferenz klarstellte, dass kurz- und mittelfristig Marius Funk (30) die Nummer eins sei.

Dieser wurde infolge von Bethkes schwerer Verletzung Anfang September nachverpflichtet - auf expliziten Wunsch Wollitz'. Wittmann soll mit der Entscheidung nicht d'accord gewesen sein, mutmaßlich mit Blick auf die Perspektiven seines Schützlings.

Wollitz kommentierte am Donnerstag den Fall kurz und knapp: "Das war eine Entscheidung des Klubs. Es kommt im Fußball oft vor, dass man dann getrennte Wege geht. Für mich ist das Thema damit erledigt."

Wenige Tage nach dem Bekanntwerden des Bethke-Abschieds fehlte Wittmann. Das blieb in der Woche vor dem und während des Schweinfurt-Spiels nahezu unbemerkt und sorgte kurz vor dem Jubiläum umso mehr für Aufruhr. Auch am Geburtstag selbst war er nicht mehr Teil der Energie-Familie.

Dabei hätte er sich den Tag mit am meisten verdient gehabt: Wittmann hat in Cottbus eine Torhüter-Dekade geprägt und wird ein großes Loch reißen. Sein bisheriger Assistant Marvin-Gordon Jahn (25) wird vorerst oder dauerhaft seine Rolle einnehmen.

Immerhin: Nach TAG24-Informationen deutet sich mit ein paar Tagen Abstand eine einvernehmliche Trennung an. Die bedeutet - Stand heute - auch, dass Wittmann Bethke nicht nach Dresden folgt.

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Tabelle 3. Liga

POS VEREIN Sp. +/- Pkt.
1 FC Energie Cottbus 22 48:36 43
2 SC Verl 22 54:30 41
3 MSV Duisburg 22 38:23 40
4 Rot-Weiss Essen 22 42:33 39
5 VfL Osnabrück 22 31:22 39
6 FC Hansa Rostock 22 37:23 38
7 SV Wehen Wiesbaden 22 29:25 35
8 TSV 1860 München 22 33:33 33
9 SV Waldhof Mannheim 22 37:41 32
10 FC Ingolstadt 04 22 40:31 31
11 TSG 1899 Hoffenheim II 22 43:37 31
12 Viktoria Köln 22 31:30 30
13 VfB Stuttgart II 22 27:36 29
14 SSV Jahn Regensburg 22 29:34 27
15 Alemannia Aachen 22 33:41 25
16 1. FC Saarbrücken 22 30:35 23
17 FC Erzgebirge Aue 22 25:36 22
18 SSV Ulm 1846 22 30:45 22
19 TSV Havelse 22 33:45 19
20 1. FC Schweinfurt 05 22 19:53 9

Die Tabelle der 3. Liga hat folgende Bedeutung: Wer am Ende der Saison auf Platz 1 steht, ist Drittliga-Meister und steigt in die 2. Liga auf. Auch der Zweite steigt direkt auf. Platz 3 spielt mit dem drittletzten Platz der 2. Bundesliga um Aufstieg oder Verbleib in der Liga.

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