Von Klaus Bergmann
München - Tief in der Nachspielzeit hat Michael Olise den FC Bayern in seiner großen Paris-Woche vor einer Niederlage in der Fußball-Bundesliga bewahrt. Vier Tage nach dem 4:5-Spektakel in der Champions League bei Paris Saint-Germain erzielte der Franzose in der zehnten Minute der Nachspielzeit den Treffer zum 3:3 (1:2) gegen den Tabellenletzten 1. FC Heidenheim.
Der Schuss von Olise prallte vom Pfosten an den Rücken von Heidenheims Torwart Diant Ramaj und trudelte über die Linie. Im 100. Bundesligaspiel der Heidenheimer war das ein ganz bitteres Ende.
Der Punkt könnte zu wenig sein – und der Abstieg schon an diesem Sonntag rechnerisch besiegelt werden.
Das Team von Trainer Frank Schmidt war der Sensation lange nah. Die Heidenheimer führten durch Budu Siwsiwadse (22./76. Minute) und Eren Dinkçi (31.) mit 2:0 und 3:2.
Doch die Bayern kamen nach einem Vierfachwechsel zur Pause - Harry Kane, Michael Olise, Luis Díaz, Joshua Kimmich kamen - wie eine Woche zuvor beim 4:3 in Mainz zurück, wenn auch nur zu einem Remis.
Vor Olise war Nationalspieler Leon Goretzka doppelt erfolgreich. Erst traf der 31-Jährige mit einem wunderbaren Freistoß (44.) zum 1:2. Dann erzielte er nach einer Ecke mit einem eingesprungenen Volleyschuss das 2:2 (57.). Kimmich verpasste bei einem Lattentreffer das mögliche 3:2 (67.).
Vincent Kompany reagierte wie erwartet auf das intensive und kraftraubende Neun-Tore-Spektakel aus dem Halbfinal-Hinspiel in Paris.
Der Münchner Coach ordnete vier Tage vor dem großen Halbfinal-Rückspiel gegen den Champions-League-Sieger wieder ein großes Schonprogramm für seine Topkräfte an.
Heidenheims großer Kampf im 100. Bundesligaspiel
Sieben Wechsel nahm er vor, auf der Bank nahm neben Kapitän Manuel Neuer und Kimmich auch das Über-100-Tore-Trio Kane, Olise und Díaz Platz.
Die große Rotation zeigte wie schon eine Woche in Mainz, wo man beim 4:3 sogar 0:3 zurücklag, Wirkung.
Bayerns weitgehende B-Vertretung mit dem 18-jährigen Bara Sapoko Ndiaye und der Doppelspitze Jamal Musiala und Nicolas Jackson war optisch überlegen, wurde aber nicht wirklich gefährlich. Heidenheim verteidigte kompakt und war nach 20 Minuten plötzlich hellwach.
Nach einer abgewehrten Ecke brachte Marnon Busch den Ball noch einmal hoch in den Strafraum. Und Angreifer Siwsiwadse verlängerte die Kugel mit der linken Fußspitze ins Tor.
Außenverteidiger Busch war auch der Vorlagengeber beim 0:2. Nationalspieler Jonathan Tah war schlecht postiert beim langen Ball von Busch, Dinkci umkurvte Bayern-Torwart Jonas Urbig und schob ein.
"Mehr Außenseiter kann man nicht sein", hatte Heidenheim-Coach Schmidt gesagt. Mehr Effektivität als seine Mannschaft zeigte, freilich auch nicht. Der "Glaube an die Mini-Chance" im Abstiegskampf, von der Schmidt gesprochen hatte, er war spürbar bei seinen Spielern.
Auch als bei den Bayern die Stars wie Kane und Olise auf den Platz, schwand der Heidenheimer Widerstand nicht. Das späte 3:3 der Bayern war aber wie ein K.o.-Hieb für die tapferen Gäste.
Statistik zum Spiel Bayern München gegen 1. FC Heidenheim
Bayern München - 1. FC Heidenheim 3:3 (1:2)
Bayern München: Urbig - Stanisic (46. Luis Díaz), Kim, Tah (77. Davies), H. Ito - Sapoko Ndiaye (46. Kane), Pavlovic (46. Kimmich) - Laimer, Goretzka, Musiala (46. Olise) - Jackson
1. FC Heidenheim: Ramaj - Schöppner, Mainka, Föhrenbach - Busch, Dorsch (89. Siersleben), Dinkci, Behrens - Pieringer (78. Schimmer), Siwsiwadse (81. M. Kaufmann), Ibrahimovic (81. Kerber)
Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)
Zuschauer: 75000 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Siwsiwadse (22.), 0:2 Dinkci (31.), 1:2 Goretzka (44.), 2:2 Goretzka (57.), 2:3 Siwsiwadse (76.), 3:3 Olise (90.+10)
Gelbe Karten: Jackson (2), Tah (7), Laimer (8) / Ramaj (2), Busch (4)
Beste Spieler: Goretzka, Olise / Busch, Dinkci, Siwsiwadse
Tabelle 1. Bundesliga
| POS | VEREIN | Sp. | +/- | Pkt. | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 |
|
FC Bayern München | 32 | 116:35 | 83 | |
| 2 |
|
Borussia Dortmund | 31 | 65:31 | 67 | |
| 3 |
|
RB Leipzig | 32 | 63:42 | 62 | |
| 4 |
|
Bayer 04 Leverkusen | 32 | 66:43 | 58 | |
| 5 |
|
VfB Stuttgart | 32 | 66:46 | 58 | |
| 6 |
|
TSG 1899 Hoffenheim | 32 | 64:48 | 58 | |
| 7 |
|
Eintracht Frankfurt | 32 | 57:60 | 43 | |
| 8 |
|
SC Freiburg | 31 | 44:52 | 43 | |
| 9 |
|
FC Augsburg | 32 | 42:56 | 40 | |
| 10 |
|
1. FSV Mainz 05 | 31 | 39:49 | 34 | |
| 11 |
|
Hamburger SV | 32 | 36:51 | 34 | |
| 12 |
|
1. FC Union Berlin | 32 | 37:57 | 33 | |
| 13 |
|
1. FC Köln | 32 | 47:55 | 32 | |
| 14 |
|
Borussia Mönchengladbach | 31 | 36:50 | 32 | |
| 15 |
|
SV Werder Bremen | 32 | 37:57 | 32 | |
| 16 |
|
FC St. Pauli | 31 | 26:53 | 26 | |
| 17 |
|
VfL Wolfsburg | 31 | 41:66 | 25 | |
| 18 |
|
1. FC Heidenheim | 32 | 38:69 | 23 | |
Die Tabelle der Bundesliga hat folgende Bedeutung: Wer am Ende der Saison auf Platz 1 steht, ist Deutscher Meister. Wer auf den Rängen 17 und 18 steht, steigt in die 2. Bundesliga ab. Der drittletzte Platz (Position 16) darf in der sogenannten Relegation um den Klassenerhalt spielen. Der Gegner ist der Drittplatzierte der 2. Bundesliga.