Kavka über FC Bayern: "Jeder darf selbst entscheiden, wie sehr er diesen Verein hasst"
München - Der einstige VIVA- und MTV-Moderator Markus Kavka (58) ist seiner musikalischen Leidenschaft noch heute im Radio treu. Und noch eine Liebe begleitet ihn seit seiner Jugend: Der FC Bayern München. Im TAG24-Interview spricht er über genau diese "rote" Biografie, die am Donnerstag als Buch erscheint.
Das Interview wurde am 20. April geführt. Einen Tag, nachdem die Münchner vorzeitig Deutscher Meister wurden.
TAG24: Markus, wie fühlt man sich als Bayern-Fan an diesem Montag?
Markus Kavka: Als frischgebackener Deutscher Meister? Sehr gut. Ich freue mich aber auch auf den Rest der Saison. Ich hatte bisher so viel Spaß, weil so schöner Fußball gespielt wurde. Das ist schon jetzt eine meiner Lieblingssaisons aller Zeiten – kann ich jetzt schon sagen.
TAG24: Wie sehr wurmt es dich dann, dass dein Buch erst am 30. April statt heute rauskommt?
Kavka: Ist eigentlich egal. Ich bin ja auch im Mai auf Lesetour und da kann noch so viel passieren. Vielleicht sind wir da auch noch in der Champions League. Das Buch an sich ist ja ohnehin zeitlos.
TAG24: Ist die Freude über den 35. Titel, 13 davon in den letzten 14 Jahren, noch angemessen vorhanden?
Kavka: Für mich auf jeden Fall. Ich freue mich über jede Deutsche Meisterschaft, als wäre es die Erste. Vielleicht sollte man diesen Gedanken mal verfolgen, und nicht so als "Business as usual" immer abwerten. Besonders freut man sich natürlich dann über so Last-Minute-Meisterschaften, wie damals beim Dortmund-Mainz-Spiel, als wir den BVB noch überholten.
Kavka über "Mutter aller Niederlagen": "Da ist etwas in mir gestorben"
TAG24: Grundsätzlich ist deine Liebeserklärung ja chronologisch. Aber das Besondere: sie hangelt sich vor allem an Musikepochen entlang. Auch was die Kapitel-Namen betrifft.
Kavka: Es ist halt eine Art Auto-Biographie, weil ich mein ganzes Leben anhand von Musik und Fußball auflisten kann. Die beiden helfen mir sehr gut, Erlebnisse und Emotionen im Rückblick wieder zeitlich einzuordnen. Es ist halt auch alles sehr persönlich in dem Buch.
TAG24: Was Liebeserklärungen ja immer sein sollten. Aber spinnen wir mal Fußball und Musik weiter: Welcher Song fällt dir zum 26. Mai 1999 ein?
(Der FC Bayern verlor im Champions-League-Finale gegen Manchester United, nachdem die in der Nachspielzeit den Ausgleich schafften. Das Spiel erhielt den Beinamen "Mutter aller Niederlagen" – Anm. d. Red.)
Kavka: "There Is a Light That Never Goes Out" von "The Smiths", was ich auch als Kapitelüberschrift gewählt habe. Da heißt es ja auch "To die by your side, well, the pleasure, the privilege is mine" (Deutsch etwa: "An deiner Seite zu sterben, nun, die Freude, das Privileg ist meins). Da ist halt wirklich etwas in mir gestorben.
Katar-Sponsoring und Hoeneß: "Konnte ich vieles nicht unterschreiben"
TAG24: Warum sollte denn ein Bayern-Gegner dein Buch kaufen? Ist da der Markt nicht sehr eingeschränkt?
Kavka: Natürlich spaltet das meine Fans. Viele wussten nicht, dass ich Bayern-Fan bin. Es geht aber auch um mich in dem Buch. Vielleicht liest man es ja wegen mir. Jeder darf selbst entscheiden, wie sehr er die Bayern hasst. Und vielleicht kann ich dazu beitragen, dass Hater eine neue Sicht auf alles bekommen.
TAG24: Wo endet in deiner Liebeserklärung die Liebe und wo ist die Kritik?
Kavka: Aktuell ist es zum Glück ruhiger. Aber wir hatten halt immer grenzwertige Charaktere. Auch zu "FC Hollywood"-Zeiten war nicht alles super, der Streit zwischen Matthäus und Klinsmann, das Katar-Sponsoring und solche Dinge. Da konnte ich auch vieles nicht unterschreiben. Oder wenn Uli Hoeneß mal wieder was raushaut. Wobei der natürlich auch eine neue Zeitrechnung eingeleitet hat, für die ich ihm ewig dankbar sein werde.
TAG24: Würde ich dein Buch mit drei Schlagworten beschreiben, wären es: Fußball, Identität, Biografie. Welche würdest du wählen?
Kavka: Das ist eigentlich sehr akkurat. Genau so würde ich es vermutlich auch beschreiben.
Titelfoto: Montage: Annette Riedl/dpa + Schimpfhauser/privat

