Jena-Anhänger nach Pokal-Auslosung: "Jetzt brauchen wir nur noch eine Mannschaft"

Jena - Der Thüringer Regionalligist FC Carl Zeiss Jena trifft in der ersten DFB-Pokalrunde auf den Bundesligisten VfL Wolfsburg. Die Reaktionen aufseiten der Jenaer Anhängerschaft sind mitunter von Galgenhumor geprägt.

Die Anhänger des FC Carl Zeiss Jena reagieren auf das Los im DFB-Pokal mitunter mit Galgenhumor. (Archivbild)
Die Anhänger des FC Carl Zeiss Jena reagieren auf das Los im DFB-Pokal mitunter mit Galgenhumor. (Archivbild)  © Picture Point/S. Sonntag

Weder Bayern noch Dortmund. Nein! Der VfL Wolfsburg sollte es werden. Ex-Profi-Kicker Kevin Großkreutz (33) war es, der dem FC Carl Zeiss Jena am vergangenen Sonntag den Bundesligisten aus Niedersachsen zuloste.

Aufseiten der Jenaer Anhängerschaft war man davon mitunter nur wenig angetan. "Ein uninteressanter 1.ligist. Trotzdem werde ich hinfahren." (Rechtschreibung in allen Kommentaren übernommen) schrieb ein Facebook-User auf der offiziellen Seite des FCC.

In einem anderen Kommentar hieß es fast schon ein wenig arrogant: "Okay konzentrieren wir uns halt auf runde 2." Hier könne man ja dann mit etwas (mehr) Glück auf den FC Bayern treffen, meinte ein anderer User. Wolfsburg sei jedenfalls machbar. "Traumlos", schrieb sogar ein User.

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Doch es gab auch andere Stimmen. "was soll denn da machbar sein! Wir tauschen wie jedes Jahr 60 bis 80 Prozent der Mannschaft aus. Eh sich das neue Team eingespielt hat, ist auch die nächste Spielzeit gelaufen", schrieb ein Facebook-User und dürfte dabei natürlich auf den heftigen Aderlass beim FC Carl Zeiss Jena anspielen.

Doch unter die Ernsthaftigkeit in der Diskussion um "Traumlos" Wolfsburg sollte sich auch Galgenhumor mischen. "Einen Gegner haben wir, jetzt brauchen wir nur noch eine MANNSCHAFT", schrieb ein User.

Tobias Werner: "Das ist ein cooles Los"

Baustelle Jena: Der FCC um Sportdirektor Tobias Werner (36) - hier neben Ex-Trainer Dirk Kunert - muss vor der neuen Saison noch einige Löcher stopfen. (Archivbild)
Baustelle Jena: Der FCC um Sportdirektor Tobias Werner (36) - hier neben Ex-Trainer Dirk Kunert - muss vor der neuen Saison noch einige Löcher stopfen. (Archivbild)  © Picture Point/Roger Petzsche

Ein anderer Kommentar lautete: "Wenn wir bis dahin eine Mannschaft zusammen haben, dann haben wir eine Chance." Unter diesen Kommentar boten sich gleich zwei Personen für den Kader der ersten Mannschaft an. Interesse wurde dabei an der Torwart- und Stürmer-Position bekundet.

Doch auch, wenn die Kader-Planung der gegenwärtigen Großbaustelle namens Stadion ähnelt, rechne man sich eine "Minimalchance" aus, meinte Sportdirektor Tobias Werner (36). "Das ist ein cooles Los. Wir freuen uns auf einen Bundesligisten, der letzte Saison Champions League gespielt hat. Das wird ein hartes Brett. Der neue VfL-Trainer Niko Kovac kann Pokal - das hat er oft genug bewiesen", so der 36-Jährige laut FCC-Mitteilung weiter.

Überhaupt im Lostopf dabei zu sein, sei schon eine "große Freude", meinte Trainer Andreas Patz (38) nach FCC-Angaben. Man wolle einen "tollen Pokal-Fight" abliefern. Und das mit dem Fight im DFB-Pokal können sie ja in Jena.

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Man denke an den Einzug ins Halbfinale 2008 sowie ein Jahr darauf ins Achtelfinale 2009 oder an den sensationellen Sieg über den Hamburger SV an jenem legendären August-Sonntag 2015, als man in der Verlängerung mit 3:2 gewann.

Und auch in der vergangenen Saison wurde das Paradies für einen Bundesligisten um ein Haar zur Hölle. Im Elfmeterschießen bewies der 1. FC Köln dann aber das glücklichere Füßchen und landete in Runde zwei.

VfL-Fan: "Vorher nochmal zählen üben"

Dass Jena im Pokal auch für höherklassige Clubs zur Stolperfalle werden kann, scheint man offenbar auch in Wolfsburg mitbekommen zu haben. Ein User schrieb auf der offiziellen Facebook-Seite der Wölfe: "Jena kann Pokal und hat schon erstligisten blamiert." Dahinter waren gleich vier erhobene Zeigefinger gesetzt.

Doch auch beim VfL Wolfsburg nimmt man so manches im Vorfeld der Partie mit Humor. "Falls jemand gebraucht wird, der bis 5 zählen kann, dann möchte ich mich hiermit bewerben", schrieb eine Userin und spielte dabei auf die erste Pokal-Runde 2021 an. Da hatte der VfL eigentlich mit 3:1 nach Verlängerung gegen Preußen Münster gewonnen.

Weil die Wölfe allerdings regelwidrig einen sechsten Spieler eingewechselt hatten, ging die Partie im Nachgang mit 2:0 an den Regionalligisten.

"Vorher nochmal zählen üben… dann gehts ab in runde 2", hieß es in einem anderen Kommentar auf der VfL-Seite. In Jena dagegen muss man sich über so etwas aktuell keine Gedanken machen. Da braucht man tatsächlich erstmal Spieler-Material.

Titelfoto: Picture Point/S. Sonntag/Montage

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