Funkverkehr der Schiris vor Rot für Aue-Spieler Fandrich: "Alter! Der spuckt mich an!"

Aue - Nächsten Donnerstag verhandelt das DFB-Bundesgericht die Berufung des FC Erzgebirge Aue zur Verurteilung von Clemens Fandrich (30) wegen Tätlichkeit gegen den Schiedsrichterassistenten. Die Veilchen wollen, dass das Urteil aus dem Sportgerichtsverfahren, in dem der 30-jährige Mittelfeldspieler von Richter Hans E. Lorenz zu einer Sperre von sieben Monaten verurteilt wurde, gekippt wird. Dabei stützen sie sich auch auf den Funkverkehr der Unparteiischen im Heimspiel gegen Ingolstadt.

Kurz nach bewusster Szene: Schiedsrichter Nicolas Winter (29, l.) zeigt Clemens Fandrich (30) die Rote Karte, Assistent Roman Potemkin (31, r.) wischt sich immer noch das rechte Auge.
Kurz nach bewusster Szene: Schiedsrichter Nicolas Winter (29, l.) zeigt Clemens Fandrich (30) die Rote Karte, Assistent Roman Potemkin (31, r.) wischt sich immer noch das rechte Auge.  © imago images/Eibner

TAG24 erhielt von Prozessteilnehmern der ersten Verhandlung Einblicke über das, was zwischen Schiedsrichter Nicolas Winter (29), dessen Assistenten Roman Potemkin (31, ihn soll Fandrich aufs rechte Auge gespuckt haben) und Patrick Schwengers (26), dem Vierten Offiziellen Henry Müller (33) und Videoassistent Patrick Hanslbauer (31) sowie VAR-Assistent Justus Zorn (31) im Zuge der vermeintlichen Spuckattacke gesprochen wurde.

Demnach sagt Potemkin zunächst: "Alter! Der spuckt mich an, Nico (Nicolas Winter/d. Red.). Der spuckt mich an." Darauf fragt Winter nach: "Hat der gespuckt? Ehrlich?" Dies bestätigt Potemkin nochmals, sagt: "Ja. Mich hat der angespuckt."

Winter selbst gab im späteren Sportgerichtsverfahren an, die Spuckattacke selbst nicht gesehen zu haben. Der VAR konnte die Szene während der Partie nicht auflösen.

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So ist zu hören: "Schau mal das an. Aber der Roman (Roman Potemkin/d. Red.) wird ja keinen Mist erzählen."

Clemens Fandrich (l.) wird von FCE-Boss Helge Leonhardt (62) getröstet. Der Verein kämpft verbissen weiter für seinen Mittelfeldmann.
Clemens Fandrich (l.) wird von FCE-Boss Helge Leonhardt (62) getröstet. Der Verein kämpft verbissen weiter für seinen Mittelfeldmann.  © imago images/Eibner

Schiedsrichterassistent: "Der kommt her und redet so und deswegen spuckt er mich an"

Nach der mutmaßlichen Spuck-Attacke musste Clemens Fandrich vom Feld.
Nach der mutmaßlichen Spuck-Attacke musste Clemens Fandrich vom Feld.  © Picture Point/Gabor Krieg

Als sich die erste Aufregung gelegt und Winter Fandrich mit Rot vom Platz gestellt hatte, fragte dieser bei Potemkin nach, ob alles okay sei. Danach geht der Linienrichter nochmals detaillierter auf die geahndete Szene ein. "Der kommt her und redet so und deswegen spuckt er mich an", so Potemkin.

Jene Sequenz wertet FCE-Vereinsjustiziar Kay Werner als Indiz dafür, dass es sich nicht um ein mutwilliges Spucken, sondern um das handelt, was man landläufig als feuchte Aussprache bezeichnet. Möglicherweise das entscheidende Indiz.

Werner: "Der Zeuge Roman Potemkin hat vor dem Sportgericht nicht ausschließen können, dass der 'Speicheleintrag' im Zusammenhang mit der Ansprache von Clemens Fandrich stand."

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Im ersten Verfahren hatte Aue schriftliche Zeugenaussagen vorgelegt, die Fandrich entlasteten. FCE-Torhüter Tim Kips (21) war zudem als Zeuge bei Gericht geladen. Vom DFB-Bundesgericht ist Kips ebenfalls vorgeladen.

Problem nur: Der 21-Jährige weilt voraussichtlich bis Donnerstag bei der luxemburgischen Nationalmannschaft. "Wir suchen eine Lösung mit dem Nationalverband zu finden, damit Tim Kips im Zeugenstand erscheinen kann", erklärt Werner.

Titelfoto: Picture Point/Gabor Krieg

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