Spieler, Trainer, Sportchef, Vorstand: Wie geht's bei Aue-Abstieg weiter? "Möchte keine Angaben machen"
Aue - "Man muss realistisch sein. Es wird ein ganz harter Weg, aber es geht darum, in jedem Spiel Haltung zu zeigen und nichts herzuschenken", klang bei Veilchen-Coach Christoph Dabrowski (47) nach dem 1:3 gegen Aachen erstmals Resignation heraus. Da der 1. FC Saarbrücken am Sonntag 2:4 in Duisburg verlor, beträgt der Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze weiterhin acht Zähler. In zehn Spielen ist das für Erzgebirge Aue noch aufzuholen.
Allein der Glaube daran schwindet. Nicht bei allen, wie Flügelspieler Jannic Ehlers (23) unterstrich: "Solange es rechnerisch möglich ist, werden ich und meine Mannschaft immer daran glauben. Wir müssen jedes Spiel nutzen!"
Dem Prinzip Hoffnung dürfen Spieler und Fans gerne weiterhin nachhängen. Im Kumpelverein müssen sie parallel dem Worst Case ins Auge sehen - dem Drittligaabstieg.
Der Verein plant längst zweigleisig, wie Präsident Thomas Schlesinger TAG24 kürzlich sagte, und hat fristgerecht die Unterlagen für die Regionalliga eingereicht.
Kleiner Trost bei Abstieg: Der Nordosten stellt nächste Saison turnusmäßig den direkten Aufsteiger. Problem nur: Die gegenwärtigen Regionalligisten schielen ebenfalls darauf, haben teils gut eingespielte Mannschaften, die sie nur noch punktuell verstärken müssen, während Aue bei Abstieg wohl ein großer personeller Umbruch bevorsteht.
Verbleib in 4. Liga?
TAG24 fragte Ehlers, ob ein Verbleib in Liga vier für ihn vorstellbar ist. "Dazu möchte ich keine Angabe machen", hielt sich der 23-Jährige bedeckt.
Die Kaderplanung ist eine Frage, wer diese vornimmt, die nächste. Sportchef Michael Tarnat (56) hatte bei seinem Amtsantritt auf Nachfrage zur ligenabhängigen Gültigkeit seines Arbeitspapiers ausweichend geantwortet. Zeitnah braucht es da Klarheit.
Tarnat, der erst Anfang Januar kam und den aktuellen Kader sowie die Saisonleistung nicht zu verantworten hat, hätte die Chance, etwas aufzubauen und sich als möglicher Aufstiegsmacher zu profilieren. Ähnliches gilt für Coach Dabrowski.
Wackelt auch die Vereinsführung?
Das Personal ist nicht die einzige Baustelle. Aue wird nicht umhinkommen, einen Kassensturz zu machen. Was kann und will sich der Schacht in der 4. Liga noch leisten und wo muss er den Rotstift ansetzen?
Und dann stellt sich die ganz große Frage: Rebellieren die Mitglieder und sorgen für eine außerordentliche Mitgliederversammlung, auf der die Vereinsführung zur Debatte steht?
Als die Lila-Weißen 2022 aus der 2. Bundesliga abgestiegen waren, wurde im Juli eine aoMV abgehalten, auf der sich der damalige Vorstand um Helge Leonhardt (67) kritischen Fragen stellen musste.
Die Ablösung fand da nicht statt. Sie folgte vier Monate später auf der ordentlichen Mitgliederversammlung. Ereilt die Nach-Nachfolger ein ähnliches Schicksal?
Titelfoto: Picture Point/Sven Sonntag (2)

