Verspielt Hansa den Aufstieg mit "Mutlos-Taktik"? Brinkmann hält dagegen

Rostock - Kostet die "Mutlos-Taktik" Hansa Rostock den Aufstieg? Die Kogge entführt im heißen Ostderby einen Zähler aus Cottbus - und ist dennoch der Verlierer des Spieltags, weswegen an der Ostsee eine neuerliche Taktik-Diskussion entbrennt.

Das Ostduell war auch ein Duell der Trainer: Daniel Brinkmann (40, r.) ließ sich diesmal nicht von Pele Wollitz (60) auscoachen.
Das Ostduell war auch ein Duell der Trainer: Daniel Brinkmann (40, r.) ließ sich diesmal nicht von Pele Wollitz (60) auscoachen.  © Frank Hammerschmidt/dpa

Trotz sieben Punkten aus der Englischen Woche hat sich die Ausgangslage nicht verbessert. Auf Cottbus und den zweiten direkten Aufstiegsplatz sind es weiter sechs Zähler Rückstand, nach den Sonntagsspielen ist Rostock auf Rang sieben abgerutscht.

Pessimisten sagen: Das Spiel gegen den direkten Konkurrenten aus der Lausitz hätte gewonnen werden müssen, will man an Cottbus noch vorbeiziehen.

Die Herangehensweise von Rostock-Coach Daniel Brinkmann (40) war eine andere: Erstmals seit Saisonbeginn setzte Hansa auf eine Fünferkette, verdichtete das Zentrum, ließ Cottbus kaum Räume. Chancen für die Gastgeber? Mangelware.

Katerstimmung an der Ostsee! Darum dreht sich bei Hansa der Wind
FC Hansa Rostock Katerstimmung an der Ostsee! Darum dreht sich bei Hansa der Wind

Hansa hatte unter Brinkmann zuvor dreimal in Folge mit 1:3 gegen Energie verloren, war teilweise mit seiner Spielweise ins offene Messer gelaufen.

Insofern mussten selbst alle Schwarzmaler zugeben: Brinkmann hat mit seiner Mauer-Strategie am Ende einer kräftezehrenden Woche aus der Vergangenheit gelernt.

Cottbus hatte sichtlich Probleme, sich durch die gut gestaffelte Rostocker Defensive durchzuarbeiten.
Cottbus hatte sichtlich Probleme, sich durch die gut gestaffelte Rostocker Defensive durchzuarbeiten.  © Frank Hammerschmidt/dpa

Hansa Rostock lässt gegen Energie Cottbus defensiv kaum etwas zu, hat vorne aber nur wenige Chancen

Maximilian Krauß (29, r.) war so ziemlich Hansas einzig gefährliche Offensivwaffe.
Maximilian Krauß (29, r.) war so ziemlich Hansas einzig gefährliche Offensivwaffe.  © Frank Hammerschmidt/dpa

Auf der anderen Seite der Medaille steht: Auch Hansa hatte nicht allzu viele Chancen. Die besten Gelegenheiten versemmelten Krauß (33.) und Kinsombi (83.) - und damit die perfekte Englische Woche.

Einige Fans hätten sich gerade in der zweiten Hälfte mutigere und offensivere Wechsel gewünscht, zumal Energie nicht mehr wirklich stattfand. Brinkmann tauschte positionsgetreu, was ihm im Nachgang - wieder einmal - den Vorwurf der "Mutlos-Taktik" einbrachte.

Dagegenhalten muss man, dass Hansa nach dem VfL Osnabrück und 1860 München die meisten Punkte aller Spitzenteams in der Englischen Woche holte - trotz zweier Auswärtsspiele.

Hansa-Trainer springt über seinen Schatten, drei Reservisten drehen auf
FC Hansa Rostock Hansa-Trainer springt über seinen Schatten, drei Reservisten drehen auf

Auf der Pressekonferenz formulierte der Fußball-Lehrer: "Beide Mannschaften wollten kontrolliert gewinnen - nicht mit dem letzten Risiko."

Ein Muster, das sich über die gesamte Saison abzeichnet: Hansa ist durch das elfte Unentschieden zum Remis-König der 3. Liga aufgestiegen, geht in den Spielen selten All-In.

Brinkmann muss für das Saisonfinish das richtige Maß an Mut und Risiko finden, soll der Aufstieg noch gelingen.
Brinkmann muss für das Saisonfinish das richtige Maß an Mut und Risiko finden, soll der Aufstieg noch gelingen.  © Frank Hammerschmidt/dpa

Auch die TAG24-Nachfrage nach mehr Risiko umschiffte Brinkmann: "Das ist die Frage, was mehr Risiko ist. Grundsätzlich geht jede Mannschaft, die um den Aufstieg mitspielt, in jedes Spiel rein und möchte das Spiel gewinnen. Insofern finde ich das schwierig zu beantworten."

Fakt ist: Brinkmann kann Chancen wie gegen Cottbus nicht selbst verwerten. Aber er kann mit Taktik und Personal das Risiko erhöhen, in knappen Spiele das Pendel in eine Richtung ausschlagen zu lassen. Wenn er denn will ...

Titelfoto: Frank Hammerschmidt/dpa

Mehr zum Thema FC Hansa Rostock: