Bayern schnappt sich nach 5-Tore-Spektakel gegen Hertha Tabellenführung zurück

Berlin - Was für eine irre erste Hälfte! Hertha BSC lieferte dem FC Bayern München einen großen Kampf, musste sich nach einem 0:3-Rückstand und einem tollen Comeback aber noch mit 2:3 (2:3) geschlagen geben. Der Rekordmeister holt sich damit erstmal die Pole Position zurück. Die Berliner bleiben im Tabellenkeller stecken.

Herthas Davie Selke (M) stand zum ersten Mal seit dem Derby wieder in der Startelf.
Herthas Davie Selke (M) stand zum ersten Mal seit dem Derby wieder in der Startelf.  © Soeren Stache/dpa

Jamal Musiala schoss den FCB im mit 74.667 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion in Führung. Eric Maxim Choupo-Moting erhöhte per Doppelpack auf 3:0 (37./38.), doch Dodi Lukebakio brachte Hertha mit dem 1:3 zurück (40.). Davie Selke verkürzte noch vor der Pause zum 2:3 (45.).

Sandro Schwarz nahm nach der jüngsten Last-Minute-Pleite bei Werder Bremen (0:1) zwei Veränderungen vor. Für den verletzten Stevan Jovetic rückte Ivan Sunjic wieder in die Startelf. Bei Wilfried Kanga (Bank) reichte die Zeit nicht. Für ihn stürmte Davie Selke.

Beim FCB-Coach Julian Nagelsmann gab es da schon mehr zu notieren. Er ließ nach dem 2:0 über Inter Mailand rotieren und änderte die Startelf auf gleich fünf Positionen.

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Pünktlich kurz vor der WM konnte der Übungsleiter wieder auf Manuel Neuer zurückgreifen. Der Keeper feierte nach seiner Schulterverletzung sein Comeback. Zudem durften Serge Gnabry, Alphonso Davies, Leon Goretzka und Jamal Musiala wieder von Anfang ran.

Der Gastgeber versteckte sich trotz der Außenseiterrolle nicht. Sie überließen zwar den Bayern die Kugel, suchten bei Balleroberung aber sofort den Weg nach vorne. Schon nach vier Minuten zeigte Dodi Lukebakio, wie es gehen kann. Der Belgier fing in der eigenen Hälfte einen Fehlpass ab, nahm Tempo auf und prüfte Neuer vom linken Strafraumeck.

Die Startelf von Hertha BSC

So spielte der FC Bayern München

Eric Maxim Choupo-Moting trifft auch gegen die Alte Dame

Eric Maxim Choupo-Moting hat einen Lauf. Der Stürmer war auch gegen Hertha wieder zur Stelle.
Eric Maxim Choupo-Moting hat einen Lauf. Der Stürmer war auch gegen Hertha wieder zur Stelle.  © Soeren Stache/dpa

Die Berliner waren gut im Spiel, wussten im Kombinationsspiel zu gefallen, suchten ihre Chance, dann aber schlugen die Bayern mit ihrer ersten Chance gleich zu. Sadio Mané schnappte sich die Kugel, lief auf die Viererkette zu, wartete auf den richtigen Moment und bediente Musiala. Frei vor Christensen ließ er sich die Chance nicht nehmen - 1:0 (12.).

Das frühe Tor spielte den Gästen in die Karten. Sie kontrollierten das Geschehen, während die Blau-Weißen auf Umschaltmomente lauerte. Chancenlos blieben die Berliner trotz der zunehmenden Dominanz aber nicht.

Erst brachte Selke den Ball aus aussichtsreicher Position nicht unter Kontrolle, dann setzte Marco Richter aber nach, rappelte sich auf und versuchte es von der Strafraumgrenze mit einem Schlenzer. Neuer musste sich ganz schön strecken. Der hätte genau gepasst (27.).

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Gerade als die Berliner wieder Fahrt aufnahmen, schlugen die Hausherren erneut zu. Nachdem Goretzka noch geblockt werden konnte, schaltete Choupo-Moting am schnellsten. Der Stürmer drückte den Ball über die Linie - 2:0 (37.)

Nur 60 Sekunden später zappelte das Spielgerät erneut im Netz. Wieder war es Choupo-Moting. Vorausgegangen war eine ähnliche Situation. Gnabry brachte das Leder in die Mitte, wo er beinah schon zufällig auf 3:0 stellte (38.). Der Lewandowski-Ersatz hat einfach einen Lauf, traf auch im siebten Spiel in Folge.

Dodi Lukebakio und Davie Selke bringen Hertha BSC nach 0:3 zurück

Sicher vom Punkt: Davie Selke bejubelt sein erstes Saisontor.
Sicher vom Punkt: Davie Selke bejubelt sein erstes Saisontor.  © Soeren Stache/dpa

Wer gedacht hätte, das Spiel sei nun gelaufen, wurde getäuscht. Hertha meldete sich postwendend zurück. Richter flankte in die Mitte, wo Bayern-Schreck Lukebakio nicht lange fackelte und den Ball volley ins Netz jagte. Nur noch 1:3 (40.).

Das sollte es aber immer noch nicht gewesen sein. Nach einem Einwurf ging Selke plötzlich schreiend zu Boden. Schiedsrichter Bastian Dankert ließ zunächst weiterspielen, schaute sich nach einem Hinweis des VAR die Szene aber noch einmal selber an und zeigte auf den Punkt. Selke schnappte sich den Ball und verwandelte den Strafstoß sicher zum 2:3. Was für eine verrückte erste Hälfte!

Mit Beginn des zweiten Durchgangs wurde es zunehmend dunkler. Hertha-Fans in der Ostkurve hüllten das Stadion mit blauem Rauch ein. Das störte die Spieler auf dem Rasen jedoch weniger. Sie machten da weiter, wo sie vor der Pause aufgehört haben.

Bayern drückte und wollte die Entscheidung. Nachdem zunächst Musiala einen Hochkaräter liegen ließ, nutzte der FCB das Chaos im Berliner Strafraum. Agustin Rogel wollte vorm einschussbereiten Choupo-Moting retten, beförderte die Pille aber ins eigene Tor. Erneut meldete sich jedoch der Videobeweis. Nach minutenlanger Überprüfung folgte die Erlösung. Das vermeintliche 2:4 zählte wegen Abseits nicht (59.).

Hertha-Fans hüllen das Olympiastadion ein.
Hertha-Fans hüllen das Olympiastadion ein.  © Soeren Stache/dpa

Der Kniff von Sandro Schwarz Lukebakio als zweite Spitze aufzustellen ging auf. Immer wieder suchten sie den schnellen Angreifer, dem bei einer flachen Hereingabe nur wenige Zentimeter fehlten (70.). Der Rekordmeister aber schaffte es nun besser, die Berliner Angriffsbemühungen zu unterbinden. Sie ließen im zweiten Durchgang so gut wie nichts zu und holten sich mit dem Auswärtssieg vorerst die Tabellenführung zurück.

Zeit zum Verschnaufen haben beide nicht. Bereits am Dienstag wartet eine Englische Woche. Hertha BSC muss dann zum Abstiegskracher beim VfB Stuttgart (20.30 Uhr/Sky). Bayern empfängt zeitgleich Aufsteiger Werder Bremen.

Titelfoto: Soeren Stache/dpa

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