Kommentar: Aufstieg adé, Herthas Saison ist jetzt schon gelaufen

Berlin - Die Saison ist erst vier Spieltage alt - und im Prinzip gelaufen. Zwei Punkte, Platz 17, noch kein Sieg, seit vier Pflichtspielen torlos. So wird Hertha BSC nichts mit dem Aufstieg zu tun haben. Stattdessen schrillen die Alarmglocken. Nach der Nicht-Leistung gegen Elversberg muss man sich viel eher Sorgen machen, nicht erneut in Abstiegsgefahr zu geraten.

Klärungsbedarf: Trainer Stefan Leitl (48, M.) schnappt sich Kapitän Fabian Reese (27, r.)
Klärungsbedarf: Trainer Stefan Leitl (48, M.) schnappt sich Kapitän Fabian Reese (27, r.)  © Andreas Gora/dpa

Im Berliner Olympiastadion zeigte nur eine Mannschaft, dass man in der 2. Liga auch ordentlichen Fußball spielen kann - und das war Elversberg.

Hertha präsentierte sich wie ein Absteiger: Mutlos, ideenlos, orientierungslos, ängstlich, dazu Patzer (Marton Dardai), eine nicht endend wollende lange Verletztenliste und ein dann doch schief zusammengestellter Kader.

Innerhalb von vier Wochen vom Aufstiegs- zum Abstiegskandidaten - das kann auch nur die Alte Dame!

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Dass die leid erprobten Hertha-Fans das Olympiastadion in ein gellendes Pfeifkonzert verwandelten und die Spieler mit einer Standpauke nach Hause schickten, muss man erstmal schaffen. Die Mannschaft hat hart dafür gearbeitet und hat die ohnehin schon wenigen Erwartungen noch einmal unterboten.

Wer dachte, der Auftakt auf Schalke war schon schlecht (oder zumindest nur ein Betriebsunfall) der hätte nicht gedacht, was nach einem am Ende glücklichen Punkt gegen den KSC folgen sollte. Warum Hertha im Pokal in Münster weitergekommen ist, wissen wahrscheinlich nicht einmal die Spieler.

Hertha BSC enttäuscht immer wieder

Die Hertha-Stars müssen sich von den frustrierten Fans einiges anhören.
Die Hertha-Stars müssen sich von den frustrierten Fans einiges anhören.  © Andreas Gora/dpa

Dass nach einem guten Auswärtsspiel in Darmstadt die exakt gleiche Mannschaft fünf Tage später solch einen Auftritt hinlegt, hat wohl nicht nur Trainer Leitl nicht kommen sehen.

Die einzige Konstante im Olympiastadion ist die Enttäuschung. So bald auch nur ein bisschen die Flamme der Hoffnung aufflackert, kommt Hertha mit dem Wasserwerfer.

Nach der Elversberg-Schmach sprach Leitl davon, dass "der Druck für den ein oder anderen in dieser Phase zu groß war". Es ist ein bezeichnender Satz. Als einer der wenigen Teams hat Hertha nach den Plätzen neun und elf in den Vorjahren offensiv formuliert, aufsteigen zu wollen - was nach drei Jahren als Hautstadtklub im Unterhaus, mit Reese im Kader und einem Trainer, der seine Achse behalten konnte, an sich richtig ist.

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Nur mit Druck können die Hertha-Stars nicht umgehen - und das nicht erst seit gestern. Immer wenn die Chance da war, endlich oben angreifen zu können, versagten die Nerven.

Hoffnung auf Besserung in Form von Neueinkäufen wird es nicht geben. Das hat Sportdirektor Benjamin Weber (45) noch einmal klargestellt. Stattdessen setzt man auf die Rückkehr der Verletzten, allen voran Paul Seguin (30). Die gleiche Hoffnung hatte man auch schon vergangene Rückrunde. Am Ende musste man dann doch einsehen: Es funktioniert nicht. Nach der vierten Pleite in Serie musste Cristian Fiél (45) seinen Hut nehmen

Auch Fabian Reese sucht noch nach seiner Form.
Auch Fabian Reese sucht noch nach seiner Form.  © Andreas Gora/dpa

Fabian Reese kehrt auf den Flügel zurück und bleibt blass

Damit wird jetzt keine Entlassung von Leitl gefordert. Er ist nicht das Problem, steht aber auch nicht zu Unrecht bei Teilen der Fans in der Kritik. Immerhin hörte er auf die Anhänger und stellte Reese in der zweiten Halbzeit endlich auf den Flügel. Herthas Super-Star blieb aber wirkungslos. Spätestens mit dem 0:2 war das Spiel gelaufen.

Ein Satz ist mir dann von meinem langjährigen Leidgenossen besonders im Gedächtnis geblieben: "Das ist der Tiefpunkt seit ich Hertha-Fan bin". Nach dem Motto "schlimmer kann es jetzt ja nicht mehr werden".

Haben wir denn gar nichts gelernt? Als hätte es die letzten sechs Jahre nicht gegeben!

Titelfoto: Andreas Gora/dpa

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