War das sein Abschiedstor? Wie Hertha um Wunderkind Eichhorn kämpft
Berlin - Ein Tor für die Geschichtsbücher! 16 Jahre, neun Monate und 13 Tage - kein Zweitligaspieler war jünger als Kennet Eichhorn (16). Es ist die logische Entwicklung, dass der Teenager auch diesen Rekord geknackt hat.
Mit seiner Einwechslung gegen den KSC - nur zwei Wochen nach seinem 16. Geburtstag - wurde Eichhorn zum jüngsten Zweitligaspieler aller Zeiten, mit dem Platzverweis zum jüngsten Rotsünder und nun zum jüngsten Torschützen ever im Unterhaus.
Schöner hätte der Premierentreffer beim 2:1 gegen Greuther Fürth kaum sein können. Locker umkurvte das Wunderkind Gegenspieler Reno Münz (20), verzögerte noch einmal, um dann im Fallen den Ball oben zu versenken.
"Er ist ja der Fintenkönig aus Brandenburg. Das ist ja sein Spitzname. Ich musste ihm ja zum jüngsten Torschützen der 2. Liga verhelfen, aber da hat er ein bisschen mehr als mein Pass gemacht", so Kapitän Fabian Reese (28). "Die kann er gut, die macht er gut. Das ist sein Signature Move. Den sehen wir auch noch auf großen, anderen Bühnen."
Im Pokal hatte er schon getroffen, das erste Ligator aber hatte sich das Top-Talent für den perfekten Moment aufgehoben. Zu Hause vor eigenem Publikum, in einem Spiel, in dem durch das Fürther Chancenwucher wenig bis gar nichts für Hertha BSC sprach, dann aber kam Kenny.
"Welche Superlative wollen wir für den Jungen noch finden? Wenn du mit 16 in dieser Liga spielst wie ein gestandener Zweitliga-Spieler und auch physisch mithalten kannst, dann sagt das alles aus. Über seine individuellen Qualitäten müssen wir gar nicht reden", ist auch Stefan Leitl (48) voll des Lobes. "Kenny wird eine großartige Karriere vor sich haben, ich hoffe: noch ein Jahr bei uns."
Hertha BSC will Eichhorn noch ein Jahr in Berlin behalten
Hertha kämpft um sein Supertalent, dabei kann sich Eichhorn im Prinzip aussuchen, wo er nächstes Jahr spielt: Borussia Dortmund, Bayern München, Bayer Leverkusen, RB Leipzig oder Top-Klubs aus dem Ausland - kaum ein Tag vergeht ohne Wasserstandsmeldung.
Dank Ausstiegsklausel kann der Mittelfeldspieler den Hauptstadtklub dem Vernehmen nach für bis zu 12 Millionen Euro verlassen. Viel Geld für die Berliner, die auch in diesem Sommer einen zweistelligen Transferüberschuss erwirtschaften müssen.
Am liebsten aber will Hertha den begnadeten Mittelfeldspieler in Berlin halten: "Wir werden alles in unserer Macht dafür tun, ihn davon zu überzeugen, noch ein Jahr hier zu spielen", so Sportdirektor Benjamin Weber (46).
Herthas bestes Argument dafür: "Spielzeit, ganz klar! Wir bieten ihm Sicherheit in jungen Jahren und Entwicklungszeit. Das ist das, was wir in die Waagschale werfen können."
Auffällig: Sowohl Trainer als auch Sportdirektor sprechen nur von einem Jahr. Auch sie wissen, dass die Alte Dame für den Brandenburger auf lange Sicht zu klein ist. Ob der Ausnahmekönner sich aber von einem weiteren Jahr im Unterhaus überzeugen lässt?
Bei Ibrahim Maza (20) hat es zumindest geklappt. Trotz Offerten blieb der Spielmacher eine weitere Spielzeit bei Hertha, reifte in der 2. Liga und ging anschließend nach Leverkusen. Jetzt hofft Hertha auf einen ähnlichen Weg bei Eichhorn. Auch wenn es nur für ein Jahr sein sollte.
Titelfoto: Andreas Gora/dpa

