Kaum ein Dynamo-Auge blieb trocken: Das waren Stefan Kutschkes Worte zum Abschied

Dresden - Er hat Dynamo Dresden gelebt, geatmet und gefühlt wie kaum ein anderer, bei seinem Abschied flossen zahlreiche Tränen. Tausende Fans zückten ihr Handy, um die bewegenden Szenen des Abschieds von Stefan Kutschke festzuhalten. "Ich habe mich auf dem Platz zerrissen, ich werde es in der zukünftigen Rolle auch tun. Ihr werdet mich so in Erinnerung behalten, wie ihr es gern möchtet", sagte der 37-Jährige am Sonntag.

Mit bewegenden Worten und Tränen in den Augen verabschiedete sich Stefan Kutschke (37) am Sonntag als Spieler und Kapitän von Dynamo Dresden.  © Lutz Hentschel

Nach dem Spiel hatte er einen weißen Spickzettel herausgeholt, auf dem er sich zu seinem Abschied nach dem geschafften Klassenerhalt das Wichtigste notiert hatte. "Die einen sind froh, dass sie den Stürzer jetzt nicht mehr sehen müssen. Die anderen sind vielleicht traurig. Alles in Ordnung. Mir bleibt nur zu sagen: Es war mir eine Ehre, hier spielen zu dürfen, und deswegen: Dynamo Dresden ein Leben lang", fand der Stürmer wie immer ehrliche Worte.

189 Spiele und 54 Tore stehen für den Dresdner Jungen im Dienst der SGD zu Buche. Schon vor dem Anpfiff gegen Kiel war Gänsehaut angesagt, als der K-Block eine bewegende Choreo für seinen "Capitano" zauberte. Kutschke kam mit Frau Marie und der gemeinsamen Tochter auf den Rasen, alle kämpften schon da mit den Tränen. Das Mädchen trug ein schwarzes Shirt mit dem Aufdruck "Danke Papa".

Vor allem seine Familie musste in den vergangenen Jahren immer zurückstecken. Jetzt dürfen sich seine beiden Mädels freuen, den Ehemann und Papa mal ganz für sich allein zu haben.

Dynamo Dresden Was für ein Kutschke-Abschied: "Dynamo Dresden ein Leben lang!"

Zu dritt geht es für einige Tage nach Griechenland. "Ich fliege nicht so gern, aber schönes Familienhotel, herrlich. Das ist mal Zeit nur mit den beiden und mal Ruhe und mal abends ein Getränk nehmen und alles Revue passieren lassen. Mal nicht in einen Urlaub gehen: Okay, morgen ist ein Lauf, wo laufe ich lang, was für einen Puls brauche ich da? Das ist schon das Schöne", blickte Kutschke in der Mixed Zone auf die kommenden Tage.

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Mit seiner Tochter auf dem Arm und begleitet von seiner Frau Marie kam Stefan Kutschke vor dem Spiel auf den Rasen.  © Lutz Hentschel
Einen kleinen weißen Spickzettel hatte Stefan Kutschke bei seinem Abschied dabei, um nichts Wichtiges zu vergessen.  © Lutz Hentschel
Die Fans hatten zu Ehren ihres Kapitäns eine bewegende Choreografie vor dem Anpfiff gezeigt.  © Lutz Hentschel

Stefan Kutschke: Der Junge aus dem Plattenbau in Dresden-Johannstadt schaffte es bis in die Bundesliga

Ein besonderer Dank galt seiner Mama (2.v.l.) und seiner Ehefrau Marie (l.).  © Lutz Hentschel

Sein erster emotionaler Dank galt seiner Mama. "Danke bei meiner Mutter. Wer hätte vor 37 Jahren gedacht, dass es ein Junge aus Dresden-Johannstadt, aus dem Plattenbau, bis in die Bundesliga schafft? Du hast mich 2015 hier im Winter empfangen, auf Deiner Arbeitsstätte alle dynamoinfiziert und ein Satz, der in meinem Gedächtnis geblieben ist: 'Bitte enttäusch uns nicht.' Ich hoffe, das habe ich nicht getan, ich habe mein Bestmögliches gegeben. All die schönen Momente, die schönen Spiele, all das habe ich Dir zu verdanken, danke Mama", wusste Stefan Kutschke, was sie für ihn geleistet hat.

Im Anschluss fand der Stürmer respektvolle Worte für seine Frau. "Du hast immer verstanden, wenn ich im Dienste der SGD unterwegs war, nicht nur im Verein, sondern auch drumherum. Du hast mir immer den Rücken freigehalten, Du hast mich gestärkt. Ich glaube, es ist eine Seltenheit, jemanden zu finden, der das Leben mitmacht, wenn man nicht viel zu Hause ist, und trotzdem bist Du nicht nur eine tolle Ehefrau, Du bist für unser Kind die perfekte Mutter. Vielen, vielen Dank für alles", sagte er, während bei Marie die Tränen über die Wangen kullerten.

Auch sein Freundeskreis, der immer zu ihm hielt, "als ich in Babelsberg in der Regionalliga rumgeturnt bin, in Laubegast in der Landesliga rumgesprungen bin", wurde bedacht: "Ihr habt immer zu mir gehalten, danke, dass es Euch gibt."

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Neben Mannschaft, Staff und Mitarbeitern dankte er vor allem zwei Menschen bei Dynamo: Fitnesscoach Matthias Grahé (57) und Zeugwart Tom Teichert-Tölg (51): "Ich weiß, dass ich nicht immer angenehm war. Aber ich war immer relativ klar und authentisch und ich wollte mich auch so nur verkaufen, wie ich wirklich bin. Zwei, die mich immer, besonders in den vier Jahren aufgefangen haben, waren Matze und Tom, ein großes Dankeschön."

Sein Statement schloss er mit den Worten: "Ich habe mich auf dem Platz zerrissen, ich werde es in der zukünftigen Rolle auch tun" und verschwand im K-Block, wo er sein Trikot auszog und gegen das "Ultras"-T-Shirt eintauschte.

Tabelle 2. Bundesliga

POS VEREIN Sp. +/- Pkt.
1 FC Schalke 04 34 50:31 70
2 SV 07 Elversberg 34 64:39 62
3 SC Paderborn 07 34 59:45 62
4 Hannover 96 34 60:44 60
5 SV Darmstadt 98 34 57:45 52
6 1. FC Kaiserslautern 34 52:47 52
7 Hertha BSC 34 47:44 51
8 1. FC Nürnberg 34 47:45 46
9 VfL Bochum 1848 34 49:47 44
10 Karlsruher SC 34 53:64 44
11 SG Dynamo Dresden 34 54:53 41
12 Holstein Kiel 34 44:48 41
13 Arminia Bielefeld 34 53:51 39
14 1. FC Magdeburg 34 52:58 39
15 Eintracht Braunschweig 34 36:54 37
16 SpVgg Greuther Fürth 34 49:68 37
17 Fortuna Düsseldorf 34 33:53 37
18 SC Preußen Münster 34 38:61 30

Die Tabelle der 2. Bundesliga hat folgende Bedeutung: Wer am Ende der Saison auf Platz 1 steht, ist Zweitliga-Meister und steigt in die 1. Bundesliga auf. Letzteres gilt auch für Rang 2. Platz 3 spielt mit dem drittletzten Rang der Bundesliga um Aufstieg oder Verbleib in Deutschlands höchster Fußball-Spielklasse.

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