Dresden - Die Skandal-Szenen während der Partie zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC hallen nach. Bei Reiner Calmund (77), einst Berater der SGD, lösten die Bilder unschöne Erinnerungen aus.
Als im Doppelpass über die Eskalation rund um das Samstagabendspiel in Dresden gesprochen wurde, bei dem sowohl Dynamo- als auch Hertha-Ultras über Zäune und Mauern kletterten, eine Gruppe SGD-Fans über den Platz in Richtung Gästeblock stürmte, wo sie mit Pyrotechnik beschossen wurde, diese in den Hertha-Block zurückfeuerte und schließlich eine Zaunfahne der Berliner im K-Block verbrannt wurde, erinnerte sich der langjährige Funktionär an seine eigene Zeit in der sächsischen Landeshauptstadt.
2010 heuerte Calmund als ehrenamtlicher Berater bei Dynamo Dresden an. "Ich habe das ein Jahr mit Spaß umsonst gemacht", berichtete der 77-Jährige.
Im April 2011 kündigte Calmund seinen Rückzug zum Saisonende an, doch anstatt seinen Abschied beim Aufstiegsspiel in Osnabrück zu feiern, endete sein Engagement mit einem Knall: "Dann kam das letzte Spiel. Ich krieg' jetzt eine Gänsehaut."
Im Hinspiel der Relegation zur 2. Bundesliga hatten sich die SGD und der VfL Osnabrück unentschieden getrennt, das Rückspiel gewannen die Schwarz-Gelben mit 3:1 nach Verlängerung und kehrten so ins Unterhaus zurück. In der Schlussphase der Partie hatten zu Calmunds Unmut allerdings einige Dresdner Fans schon den Platz gestürmt.
Reiner Calmund schmiss Job bei Dynamo Dresden nach nur einem Jahr hin
Der Schiedsrichter habe zu ihm gesagt: "'Calli, sorg dafür, dass die hier nicht weiter so toben und Wasser und Zeug auf den Platz schmeißen'", erzählte Calmund.
"Neben mir sitzen die zwei wichtigsten Vorstandsmitglieder [Thomas] Bohn und [Thomas] Dathe, mit viel Kohle, mit viel Kopf! Ich sage denen: 'Geht mal dahin in die Kurve, die wissen ja, was ihr für eine Bedeutung habt'", schilderte er seine Erinnerungen an das Spiel: "Da kamen die zurück, pitschnass mit Bier! Wisst Ihr, was ich gemacht habe? Fünf Minuten vor Schluss, Auto, nicht nach Dresden zur Aufstiegsfeier. Ab nach Saarlouis, nach Hause!"
Sein Freund Karsten Schmidt, ein Berliner Anwalt, der ihn damals von dem Engagement in Dresden überzeugt hatte, wollte noch mit ihm den Aufstieg feiern, doch für den Sky-Experten kam das nicht mehr infrage.
"'Nie mehr, ich habe die Schnauze voll!'", habe Calmund zu seinem Freund gesagt: "Nach einem Aufstieg so umzugehen mit sehr verdienstvollen, klugen Vereinsführern, die auch noch die Kohle reinstecken. Da kann ich sagen, jetzt muss ich kotzen. Tschüss!"