Mitglieder-Daten weitergegeben? Fans beeinflusst? Das sagt VfB-Boss Hitzlsperger

Stuttgart - Ein Bericht des Fußball-Magazins Kicker schlägt seit Sonntag hohe Wellen. Demnach soll der VfB Stuttgart Mitgliederdaten an Dritte weitergegeben haben. Nun hat sich Vereins-Chef Thomas Hitzlsperger (38) zu Wort gemeldet.

Der VfB-Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger (38).
Der VfB-Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger (38).  © Sebastian Gollnow/dpa

Wir erinnern uns: Nach Recherchen des "Kicker" schloss der Cannstatter Club im Jahr 2016 eine Zusammenarbeit mit der PR-Agentur von VfB-Fan Andreas Schlittenhardt ab. 

Auch wurde offenbar eine informelle Kooperation mit Schlittenhardts Facebookseite "Fokus VfB" vereinbart. 

Der VfB habe das Potenzial der als unabhängig wahrgenommenen Fanseite erkannt, so Schlittenhardt im April dieses Jahres. 

Die Seite sollte demnach subtil die Sichtweise des VfB herüberbringen - und die Mitglieder angesichts der Versammlung im Juni 2017 dazu bewegen, die Ausgliederung der Profiabteilung zu beschließen.

Doch damit nicht genug: Nach Angaben des Fußball-Magazins schickten leitende VfB-Mitarbeiter E-Mails an den "Fokus VfB"-Verantwortlichen Schlittenhardt. Inhalt: unter anderem Telefonnummern und Mail-Adressen der Vereinsmitglieder sowie Informationen zur Teilnahme an vergangenen Mitgliederversammlungen.

Datenschutzrechtlichen Ärger könnte der "Abgleich Facebook-Nutzer" mit sich bringen, der in einer der Mails angefragt worden sei. 

"Dies würde nämlich bedeuten, dass die Mitgliederdaten in ein sogenanntes Drittland, in dem Fall die USA, übermittelt wurden", zitiert das Magazin den Mainzer Anwalt und Datenschutzexperten Stephan Schmidt. "Damit muss nun wirklich kein Mitglied rechnen, und es ist davon auszugehen, dass hier schutzwürdige Interessen der Mitglieder einer solchen Übermittlung entgegenstehen."

Am Montag meldete sich nun VfB-Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger auf seinem Twitter-Account zu Wort.

Den Fans versicherte der 38, Jährige, dass man den Artikel des Kicker sehr ernst nehme. Und er kündigte an: "Inhaltlich werden wir Stellung beziehen, sobald uns entsprechende Informationen zur Verfügung stehen. Bis dahin bitte ich um Verständnis und einen fairen Umgang."

Bei den Anhängern des Cannstatter Clubs kam der Tweet gut an, viele bedankten sich. Allerdings ist auch klar: Nur mit Worten wollen sich die Fans nicht abspeisen lassen, sollten die geschilderten Vorfälle der Wahrheit entsprechen.

"Dass das intern jetzt erstmal aufgearbeitet werden muss, ist klar", schrieb etwa ein User. "Hoffe aber, wenn an den Vorwürfen was dran ist, dass das auch zu entsprechenden Konsequenzen führt für die Drahtzieher der Aktion." 

Ein anderer wünschte Hitzlsperger Mut zu klaren Schritten: "Da darf auch vor Mitgliedern des Vorstands nicht Halt gemacht werden."

Update: 17.19 Uhr

VfB bekommt Post vom obersten Datenschützer

Thomas Brink, Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit des Landes Baden-Württemberg.
Thomas Brink, Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit des Landes Baden-Württemberg.  © Sebastian Gollnow/dpa

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, erhält der VfB demnächst Post von Baden-Württembergs oberstem Datenschützer Thomas Brink.

Laut Zeitung werden die Club-Verantwortlichen darin aufgefordert, sich zur mutmaßlichen Daten-Weitergabe Zehntausender Mitglieder zu äußern. Auch nötige Unterlagen sollen sie demnach zur Verfügung stellen. Frist: zwei bis vier Wochen.

"Nach dem vorliegenden Bericht stellen sich für mich eine ganze Reihe von Fragen", so Brink gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Der Datenschützer habe entschieden, gegen den Cannstatter Club ein sogenanntes Auskunftsverfahren einzuleiten. 

Und weiter: "Wir wollen uns erklären lassen, in welchem Kontext und mit welcher Motivation Daten in solch großer Menge weitergegeben wurden. Grundsätzlich gilt, dass Mitgliederdaten sehr sensibel sind."

Brink wollen den Fall aufrollen und "einen Einblick erlangen, wie beim VfB mit Daten umgegangen wird".

Dem Verein könnte nach Zeitungsangaben eine empfindliche Strafe drohen, sollte sich bewahrheiten, dass Daten rechtswidrig weitergereicht wurden.

Titelfoto: Montage: Screenshot Twitter.de/Thomas Hitzlsperger, Sebastian Gollnow/dpa

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