Warum es in diesem Jahr kein Olympisches Dorf gibt

Mailand/Cortina (Italien) - In der kommenden Woche starten endlich die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina. Eine Sache wird allerdings anders sein als in den vergangenen Jahren: Es gibt kein klassisches Olympisches Dorf.

Das Olympische Dorf in Cortina d'Ampezzo besteht aus lauter kleinen Hütten. Hier wohnen unter anderem die alpinen Skifahrerinnen.
Das Olympische Dorf in Cortina d'Ampezzo besteht aus lauter kleinen Hütten. Hier wohnen unter anderem die alpinen Skifahrerinnen.  © Stefano Rellandini / AFP

Anstatt in einer einzelnen Stadt oder an einem Ort finden die Winterspiele in diesem Jahr in Clustern über ganz Norditalien hinweg verteilt statt: So werden die Eishallen-Wettbewerbe in Mailand durchgeführt, die Skispringer starten im mehr als 200 Kilometer entfernten Predazzo.

Noch weiter weg ist Antholz, wo die Biathleten ihre Rennen absolvieren. Das allerdings immerhin mit beiden Geschlechtern zusammen, im Gegensatz zu den alpinen Skifahrern, bei denen die Männer-Wettbewerbe in Bormio, die Frauen-Wettbewerbe aber in Cortina d'Ampezzo stattfinden.

Die Orte liegen zwar "nur" etwa 135 Kilometer Luftlinie auseinander, durch die Gebirgsstraßen beträgt die Fahrzeit zwischen den beiden Wettkampfstätten allerdings mehr als fünf Stunden.

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Entsprechend kann es keinen zentralen Punkt geben, von dem aus die Athleten aller Sportarten zu ihren insgesamt sieben Wettkampfstätten aufbrechen, stattdessen hat jeder Standort sein eigenes kleines Olympisches Dorf - vom typischen Geist der Spiele wird entsprechend nicht überall etwas zu spüren sein.

Im Olympia-Dorf in Mailand sind unter anderen die Eishockey-Spieler und Eiskunstläufer untergebracht.
Im Olympia-Dorf in Mailand sind unter anderen die Eishockey-Spieler und Eiskunstläufer untergebracht.  © Stefano Rellandini / AFP

Olympia 2026: Athleten sind nicht begeistert von getrennten Unterkünften

Biathletin Janina Hettich-Walz (29) erlebt in Antholz ihre ersten Olympischen Spiele - allerdings weit weg von den anderen Sportarten.
Biathletin Janina Hettich-Walz (29) erlebt in Antholz ihre ersten Olympischen Spiele - allerdings weit weg von den anderen Sportarten.  © Sven Hoppe/dpa

"Ich glaube, dass es bei uns mehr wie eine WM wird, weil wir ja doch an einem Ort sind, wo eigentlich nur die Biathleten sind", blickte etwa die deutsche Biathletin Janina Hettich-Walz (29) bei Eurosport mit gemischten Gefühlen auf die Winterspiele in Italien.

Zwar sei sie froh, dass die Spiele wieder in Europa stattfinden, doch "dieses klassische Olympische Dorf, wo dann alle Athleten an einem Ort sind, werden wir nicht haben".

Auch bei den alpinen Skifahrern trifft das Konzept nicht gerade auf Begeisterung.

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Italiens Lokalmatadorin Federica Brignone (35) bezeichnete es dem BR zufolge schon vor rund einem Jahr als "komisch", nicht gemeinsam mit den Männern an einem Ort zu sein, schließlich sei das bei Olympia sonst immer so. DSV-Ass Kira Weidle-Winkelmann (29) ergänzte: "Da beneide ich die Sommersportler drum, dass sie dieses gemeinsame Olympische Dorf haben."

Auch DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier ist nicht überzeugt von dem Konzept der verstreuten Spiele. "Ich glaube, dass das diesem olympischen Gedanken das Genick bricht. Der Sport soll ja die Menschen verbinden. Er soll die Menschen nicht auseinanderreißen - deswegen bin ich kein Unterstützer der Idee", sagte der 65-Jährige.

Hettich-Walz zumindest ist überzeugt davon, dass durch die Omnipräsenz des Themas Olympia auch ein Olympia-Gefühl aufkommen wird - und im Zweifel gucke man sich einfach die Wettkämpfe im Fernsehen an.

Titelfoto: Bildmontage: Stefano RELLANDINI / AFP (2)

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