Deutscher Gold-Held trauert Freundschaft mit Konkurrent nach: "Wie ins Gesicht gespuckt"
Predazzo (Italien) - Skispringer Philipp Raimund (25) konnte sein Glück gar nicht fassen: Gleich mit seinem Premierensieg zählt er zum elitären Kreis der Olympiasieger. Einer, der das Gefühl nachvollziehen kann, ist der Norweger Marius Lindvik (27), der 2022 Gold von der Großschanze holte. Zusammen feiern werden beide aber nicht.
Denn der Skandal bei der nordischen Ski-WM 2025, als Lindvik und sein Teamkollege Johann André Forfang mit manipulierten Anzügen erwischt worden waren, trieb einen Keil in die Freundschaft zwischen Raimund und Lindvik.
"Ich habe Videospiele mit ihm gemacht, ich habe Livestreams mit ihm gemacht. Ich hätte ihn damals als Freund bezeichnet", erzählte der Deutsche nach seinem Gold-Triumph: "Nach der Situation in Trondheim hat es sich ein bisschen wie ein Betrug angefühlt, wie ins Gesicht gespuckt."
Nach wie vor leugnet Lindvik, etwas davon gewusst zu haben, dass an seinem Anzug herumgeschneidert wurde, was ihm die deutschen Springer um Andreas Wellinger (30) nicht abnehmen.
Doch unabhängig davon, bei wem die Schuld liegt, hätte sich Raimund einen anderen Umgang der Norweger mit der Situation gewünscht.
Olympia 2026: Philipp Raimund wünschte sich Entschuldigung von Marius Lindvik
"Ich will es nicht größer machen, als es ist. Es war ein Fehler, was sie gemacht haben", sagte der 25-Jährige.
Er selbst wäre zur Versöhnung bereit gewesen. "Für mich persönlich kann ich nur sagen: Wenn einer von ihnen zu mir gekommen wäre und gesagt hätte: 'Hey, mir tut es sehr leid, was passiert ist', dann hätte ich ihnen wahrscheinlich vergeben. Dann hätte ich gesagt, ihr seid Menschen, lasst uns zusammen auf die Zukunft konzentrieren", so Raimund.
Diese Gelegenheit ließen die Norweger allerdings verstreichen.
"Ich bin ein bisschen traurig, dass es nie passiert ist", betonte Raimund deshalb: "Besonders, weil ich mit ihm befreundet war und es gab nie eine Entschuldigung oder etwas Ähnliches."
Und so feiert der DSV-Star seine Medaille zwar mit Freunden und Familie - Lindvik gehört aber nicht (mehr) dazu.
Titelfoto: Bildmontage: Daniel Karmann/dpa (2)

